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Ziemlich beste Feinde: Fritz Keller (rechts) und Rainer Koch.
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Ziemlich beste Feinde: Fritz Keller (rechts) und Rainer Koch.

Kommentar

DFB-Präsident Fritz Keller – des Amtes nicht würdig

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der DFB-Präsident sollte die Konsequenzen aus seiner Entgleisung ziehen und wie seine Vorgänger Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel zurücktreten. Ein Kommentar.

Frankfurt – Wolfgang Niersbach ist im November 2015 als DFB-Präsident zurückgetreten, weil er die Sommermärchenaffäre politisch mitzuverantworten hatte.

Reinhard Grindel musste im April 2019 gehen, weil bekannt geworden war, dass er eine teure Uhr des ukrainischen Oligarchen Grigorij Surkis angenommen hatte.

Fritz Keller sollte sich im April 2021 verabschieden, weil er den Präsidiumskollegen Rainer Koch bei einer Sitzung mit annähernd 20 Leuten im Raum mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hat.

Schon Niersbach und Grindel haben die moralischen Latten nicht zu knapp gerissen, deren Überwindung diese Aufgabe verlangt. Grindel viel mehr als Niersbach war später immerhin einsichtig, dass er einen großen Fehler begangen und sich den Anforderungen ans „Good Governance“ nicht würdig erwiesen hatte.

Wird Fritz Keller nun seinerseits zur notwendigen Einsicht kommen, dass er sich unmöglich gemacht hat, indem er den Sozialdemokraten Koch vor Zeugen mit einem Menschen in Beziehung brachte, der in der dunkelsten Geschichte unseres Landes Tausende Unschuldiger in den Tod schickte?

Fritz Keller entschuldigte sich bei Rainer Koch

Zwar hat der noch amtierende Verbandschef sich inzwischen bei Koch für eine Schamlosigkeit entschuldigt, die nicht entschuldbar ist, und zudem eingeräumt, dass es sich bei seiner Bemerkung auch um eine Verhöhnung der Opfer des furchtbarsten Verbrechens handelte, das die Menschheit erlebt hat.

Aber er hat auch relativierend angefügt: „Manchmal fallen in Kontroversen Worte, die nicht fallen sollen und nicht fallen dürfen.“ Ja, aber auch für Worte gibt es Grenzen dessen, was gesagt, was überhaupt gedacht werden darf. Überall und erst Recht in einer Konferenz des Deutschen Fußball-Bundes.

Ein DFB-Präsident muss ausgleichen können

Ein DFB-Präsident hat auch unter Druck die Aufgabe auszugleichen und zusammenzuführen. Man kann Keller vielleicht nicht vorwerfen, dass das in diesem tief zerrütteten, von ständig neuen Affären heimgesuchten größten Einzelsportverband der Welt gerade schwerlich möglich ist. Was von einem Menschen, der sich dieses auch ins Ausland abstrahlende Ehrenamt zutraut, aber doch verlangt werden darf, ja verlangt werden muss, ist eine Form der Diskussionskultur, die auch im Dissens stets die Form wahrt. Dazu ist Fritz Keller leider nicht zuverlässig in der Lage. Ganz im Gegenteil.

Der seit anderthalb Jahren im höchsten Amt des deutschen Fußballs amtierende Südbadener sollte auch zum Selbstschutz die Konsequenzen ziehen. Er hat sich zu viel zugemutet und er hat mit seiner Entgleisung auch den fast 500 Mitarbeitern, den sieben Millionen Vereinsmitgliedern und den Menschen im Fußballland zu viel zugemutet. Für einen Verband, der alljährlich den Julius-Hirsch-Preis in Erinnerung an den in Auschwitz ermordeten deutschen Nationalspieler mit jüdischen Wurzeln vergibt, ist ein Präsident Fritz Keller untragbar geworden.

Fritz Keller kann sich oft nicht bändigen

Dabei soll gar nicht in Zweifel gezogen werden, dass der 64-Jährige sich in der jüngeren Vergangenheit mehrfach engagiert gegen Rassismus und Antisemitismus positioniert hat. Das eine ist seine Überzeugung, das andere ist Cholerik. Keller ist es nicht gelungen, diese Seite seiner Persönlichkeit zu bändigen und sich so des Amtes würdig zu erweisen.

Es tut in diesem Fall auch nicht zur Sache, dass zum wiederholten Mal gezielt Informationen aus vertraulichen Sitzungen über ausgewählte Medien an die Öffentlichkeit gelangt sind, die Keller diskreditieren sollen, Bei Reinhard Grindel war es im Frühjahr 2019 nicht anders. Auch vor zwei Jahren wurde die Uhrenaffäre durchgesteckt, um den Präsidenten zu stürzen. Seinerzeit hat Grindel die richtigen Konsequenzen gezogen, noch ehe die DFB-Ethikkommission Untersuchungen aufnahm.

DFB-Ethikkommission liegt Anzeige vor

Die Verbandstugendwächter sind diesmal von Kellers internem Kontrahenten Friedrich Curtius eingeschaltet worden, nachdem erst kürzlich Keller selbst die Ethikkommissare gegen Curtius angerufen hatte. Beide Vorgänge gerieten unmittelbar an die Öffentlichkeit, was gewiss kein Zufall war.

Es ist von außen betrachtet nahezu unmöglich zu beurteilen, wer für die hochnotpeinliche Außendarstellung die größere Verantwortung trägt, auch Koch, der Grindel und Keller federführend aussuchte, darf dabei keinesfalls ausgenommen werden. Gewiss ist indes: Der Tabubruch des Präsidenten hat auch die letzten schmalen Hoffnungen begraben, dass der DFB sich von innen regenerieren kann. Dazu sind Moral und Anstand zu sehr verloren gegangen. Nicht nur bei Fritz Keller. (Jan Christian Müller)

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