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Fritz Keller wird neuer DFB-Präsident.

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Fritz Keller als DFB-Präsident: Kein ganz großer Wurf

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Fritz Keller begibt sich als neuer DFB-Präsident in vermintes Gelände. Im Gegensatz zu Vorgänger Reinhard Grindel kann er sich aber der Gunst der Profiklubs sicher sein. Der Kommentar.

Beim DFB sind sie mächtig stolz darauf, dass alle miteinander so brav dichtgehalten haben. Aber zuletzt waren die Befürchtungen dann doch zu groß geworden, der Name des künftigen Präsidenten könnte irgendwo doch durch ein kleines Leck sickern. Das Heft des Handelns wollte der Verband diesmal nicht aus der Hand geben, und siehe da: Es gelang ihm, den neuen Mann per Pressemitteilung preiszugeben. Das darf der DFB durchaus als kleinen Erfolg verbuchen. Die verbandsinterne Disziplin hat gemeinsam mit der Deutschen Fußball-Liga funktioniert. Noch am Vortag wussten selbst prominente Bundesligamanager keineswegs, dass keine 24 Stunden später der Freiburger Fritz Keller aus der Kiste krabbeln würde.

Keller ist in seiner Heimat tief verwurzelt

Der ganz große Wurf ist der Emotionsbolzen Keller nun gerade nicht. Aber gut, das war wohl auch nicht zu erwarten. Zu sehr ist das Amt des Präsidenten beschädigt worden. Auch Keller hat sich aus leicht nachvollziehbaren Gründen schwergetan, die ihm vom der Findungskommission angetragene Führungsposition in Frankfurt anzunehmen. Dass der neue DFB-Chef in seinen Kompetenzen beschnitten wird und nicht mehr in die internationalen Gremien entsendet werden soll, dürfte ihm entgegenkommen. Er ist in seiner Heimat tief verwurzelt und keineswegs interessiert, wie Vorgänger Reinhard Grindel 350 Tage im Jahr für DFB, Uefa und Fifa unterwegs zu sein.

Aber niemand sollte den auch sozial engagierten Vollblut-Unternehmer, einem überzeugten Europäer und exzellenten Gastgeber, unterschätzen. Dass seine Kompetenzen als Präsident beim SC Freiburg zuletzt beschnitten wurden und er nur noch repräsentativ unterwegs sein darf, dürfte dem Machtmenschen die Entscheidung für den DFB erleichtert haben. Der höchst erfolgreiche Winzer und Gastronom ist zudem wirtschaftlich vollkommen unabhängig. Das erleichtert die Angelegenheit ungemein. So muss niemand nach verschlungenen Pfaden suchen, um den guten Mann zu versorgen - wie es bei Grindel und dessen Vorgänger Wolfgang Niersbach jeweils der Fall war.

Grindel war beim DFB gescheitert

Was Kellers Persönlichkeit angeht, sollte der Bauchmensch mehr Zurückhaltung an den Tag legen, als er das in der Vergangenheit mitunter mit der Freiburger Vereinsbrille auf der Nase getan hat. Die moralische Messlatte für den ersten Mann im DFB hängt ungleich höher als im Verein. Fritz Keller ist ein kluger Mann, der darauf vorbereitet sein dürfte.

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Der eine oder andere cholerische Ausbruch, allen voran vor Schiedsrichterkabinen, ist Legende. Das sollte der ansonsten gesellige und aufrichtige Keller tunlichst unterlassen. Seine gespaltene Persönlichkeit wird er wohl auch im neuen Amt nicht vollkommen zusammenführen können. Da lauern durchaus Gefahren, wiewohl er sich hinterher regelmäßig zu entschuldigen pflegt.

Grindel war beim DFB am Ende nicht nur an einer teuren Uhr gescheitert, sondern auch an seinem manchmal allzu autoritären Auftreten. Niemand hatte ihm mehr den Rücken gestärkt, im Gegenteil, die Informationen waren gezielt an die Medien durchgesteckt worden. Fritz Keller, der mit den kleinen Amateuren ebenso gut kann wie mit den Großen der Branche, begibt sich in vermintes Gelände. Aber im Gegensatz zum Vorgänger kann er sich der Gunst der Profiklubs sicher sein. Das macht vieles einfacher.

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