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Joachim Wagner.

Einnahmen

Frisches Geld für die Kickers

Bei Aufstieg in zweite und erste Liga würden fünf und zehn Prozent der TV-Einnahmen an neue strategische Partner fließen.

Mit überwältigender Mehrheit haben die Mitglieder der Offenbacher Kickers gestern Abend bei der Jahreshauptversammlung in der Offenbacher Stadthalle ihr Einverständnis für den Einstieg von Investoren beim Fußball-Regionalligisten gegeben. Die „Kickers Freunde GmbH & Co. KG“ und „Bündnis Kickers-GmbH“ werden insgesamt 2,2 Millionen Euro in den OFC investieren.

Mit der neuen Finanzoffensive wird die Rückkaufsoption für die 24,5 Prozent Anteile von Ex-Präsident Frank Ruhl an der Profi- GmbH für den Verein genutzt. Der eingetragene Verein wird dann sofort jeweils 14 Prozent Anteile zu jeweils 1,1 Million Euro an die neuen Investoren verkaufen. Die Verträge sind bereits unterschriftsreif ausgehandelt, der Notartermin soll noch im Februar stattfinden. Im Gegensatz zur „Ruhl-Regelung“ hat der Verein jedoch diesmal kein Rückkaufsrecht für die Anteile, jedoch ein Vorkaufsrecht.

Von den 2,2 Millionen Euro für die 28 Prozent Anteile werden nach Abzug der Rückzahlung (630 000 Euro) an Ruhl rund 1,5 Millionen Euro „fresh money“ (Wagner) der Profi-GmbH zur Verfügung stehen.

Hinter den „Freunden“ stehen das OFC-Präsidium und etwa zehn Privatpersonen, hinter dem „Bündnis“ der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Köln, Jörn Stobbe, sein Sohn Lennart und weitere Unternehmer. Die neuen strategischen Partner werden im Fall des Aufstiegs in die zweiten Liga jeweils fünf Prozent an zukünftigen TV-Erlösen erhalten. Das wären bei derzeit etwa zwölf Millionen Euro pro Saison für einen Zweitligisten jeweils 600 000 Euro. Und man hat ganz optimistisch auch schon die Konditionen für die Bundesliga ausgehandelt: Dann bekämen die Anteilseigner jeweils zehn Prozent der TV-Erlöse.

Wie Wagner ausführte, haben die Kickers-Freunde seit Sommer 2019 dem Verein insgesamt über 1,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Und auch sehr viel Zeit und Engagement. „Ich habe die Zeit und den Aufwand massiv unterschätzt“, räumte Wagner ein. Die beiden neuen Gesellschafter werden auch jeweils einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten. Das „Bündnis Kickers“ wird Chris Richter entsenden, der in Düsseldorf ein Start-Up in der Immobilienbranche leitet und als Experte für „Digitale Transformation“ gilt. Von den 356 anwesenden Mitgliedern gab es nur wenige Fragen und bei der Abstimmung kaum Gegenstimmen. Bei den „Kickers-Freunden“ waren es zwei, beim „Bündnis“ dann 24 (und 27 Enthaltungen).

Der neue kaufmännische Geschäftsführer der Profi GmbH, Andreas Mohr, lobte die Transferpolitik seines für den Sport verantwortlichen Kollegen Thomas Sobotzik. Es sei eine „tolle Leistung“, dass bei sechs Abgängen und sechs Neuzugängen der Personaletat bis Saisonende nur um 20 000 Euro erhöht wurde.

Allerdings wurde auch klar, dass der Etat der Profi-GmbH für das erste Halbjahr der Saison 2019/20 – also die Zeit vor Mohr und Sobotzik – in guter alter Kickers-Tradition mit einem Minus von 280 000 Euro belastet wurde, was hauptsächlich dem teuren Kader und zuletzt einigen Abfindungen geschuldet sein dürfte.

Der bisherige Schatzmeister des Vereins, Daniel Simon, hat sein Amt nach zwei Jahren aus beruflichen Gründen aufgegeben. „Ich bedaure das sehr“, sagte Wagner. Als Nachfolger wurde Thomas Zahn gewählt. Der Inhaber einer Mühlheimer Steuerberatungskanzlei war schon von 2012 bis 2015 Schatzmeister beim OFC.

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