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Friedhelm Funkel, der Unverbiegbare. Ob er es seinen Kritikern noch einmal zeigt?

Bundesliga

Beiß zurück, Dino

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Friedhelm Funkel führte Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in der Vorsaison auf Platz zehn der Bundesliga. Das war eine kleine Sensation. Nun könnte er Opfer seines eigenen Erfolges werden. Der Kommentar.

Als der Weltenbummler Lutz Pfannenstiel seine 33. Station im Profifußball ansteuerte und in Düsseldorf als Manager anheuerte, das war im Dezember 2018, da wurde er von Fortunas Cheftrainer nicht gerade mit offenen Armen empfangen. „Er ist einer der ganz wenigen im Fußballgeschäft, den ich überhaupt nicht kenne“, sagte Friedhelm Funkel zur Begrüßung. Beide beäugten sich argwöhnisch, und nur einen Monat später sollte der Bundesligamethusalem in einem Schurkenstück abgesägt und entlassen werden. Ein Aufschrei der Empörung hallte durchs Land, eine nie dagewesene Welle der Sympathie erfasste den Fußballlehrer, der schließlich im Machtkampf über Vorstandschef Robert Schäfer triumphierte. Der Fortuna-Boss wurde später selbst geschasst, Funkels Vertrag hingegen verlängert: Der 66-Jährige galt fortan als starker Mann in Düsseldorf.

Nun, zwölf Monate später, ist davon nicht mehr viel geblieben. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen acht Begegnungen und dem Abrutschen auf Rang 17 wächst die Kritik an Funkel – obwohl sein Vertrag kurioserweise erst im Dezember verlängert wurde. Sein Denkmal bröckelt, der Dino wankt.

Das Verhältnis zu Sportvorstand Pfannenstiel, das sich zwischenzeitlich ordentlich entwickelt hatte, ist angeknackst, es gibt Dissens über die Neuzugänge, die Funkel kaum einbindet. Der Coach hält lieber an Altbewährtem fest, an den Dauerbrennern Oliver Fink (37) und Adam Bodzek (34) etwa.

Kleingeistige Kritiker

Auch die Gremien machen mobil, angeblich hat Funkel zwei Endspiele vor der Brust, das erste am Sonntag in Leverkusen, das zweite sechs Tage später gegen seine Verflossene, die Eintracht aus Frankfurt. Dem Vernehmen nach sind sogar schon Nachfolger ins Auge gefasst worden. Weiterer Kritikpunkte: Er lasse zu defensiv, zu vorsichtig spielen. Jo, ist klar.

Vorwürfe dieser Art sind fast so alt wie Funkel selbst, Zeit seines Trainerlebens sieht sich das Urgestein mit diesen Vorhaltungen konfrontiert. Was dabei die meisten vergessen und was die Sache so unfair macht: Der Mann aus Neuss hat niemals Bayern München trainiert, auch nicht Dortmund, Schalke oder Leverkusen, sondern Bayer Uerdingen, MSV Duisburg, Hansa Rostock 1. FC Köln, die Eintracht, Hertha BSC, VfL Bochum, Alemannia Aachen und 1860 München. Klubs der Unterklasse, im besten Fall des Mittelfelds. Da sind die Mittel begrenzt, da ist ein Unentschieden oft genug ein gefühlter Sieg.

Funkel ist eine Kapazität auf seinem Gebiet, er versteht es, eine Mannschaft zu formen und das Beste aus ihr herauszuholen, er weiß, was funktionieren kann und was nicht. Er ist ein Pragmatiker, der sich am Machbaren orientiert, und das ist richtig so. Funkel hat schon nach der vergangenen Saison und einem sensationellen zehnten Platz vor übertrieben Erwartungen gewarnt, weil die Fortuna ihre beiden besten Spieler, Dodi Lukebakio und Benito Raman, verloren hat. Offenbar hat ihm niemand zugehört. Nun könnte er Opfer seines eigenen Erfolges werden.

Zu wünschen wäre ihm aber, dass er den Kopf aus der Schlinge zieht und es seinen kleingeistigen Kritikern noch einmal zeigt. Zuzutrauen ist es dem Unverbiegbaren allemal.

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