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In Freiburg gehen sie dann doch davon aus, eher kein ernster Anwärter auf die Meisterschaft zu sein, auch mit der Champions League wird es womöglich eng.

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Freiburger Frohsinn

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Am Ende einer verrückten Woche stehen die Breisgauer ganz weit oben in der Fußball-Bundesliga, aber das ist ziemlich sicher nur eine Momentaufnahme. Ein Kommentar. 

Selbst an weniger betulichen Standorten als Freiburg im Breisgau wäre das eine aufregende Woche gewesen. Es begann mit einer 0:2-Niederlage beim Aufsteiger Union Berlin, über die sich Trainer Christian Streich sehr ärgerte, was man ihm auch ansah. Im Anschluss geriet, noch in der Hauptstadt, ein Waggon eines Sonderzugs lichterloh in Flammen auf, offenbar ein technischer Defekt. Mehrere SC-Fans mussten mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus.

Es ging dann, unter der Woche, weiter mit einer absurden Gerichtsposse um das neue, sich zurzeit im Bau befindliche Freiburger Stadion. Erst erließ der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim ein schockierendes Nutzungsverbot für Abendspiele, nur um noch am gleichen Tag einzugestehen, dass dem Urteil veraltete Lärmschutzwerte zugrunde lagen. Die Schildbürger lassen grüßen. Und am Samstag kam dann zum Abschluss der wilden Tage in Südbaden heraus, dass der SC Freiburg jetzt irgendwie ein Spitzenteam in der Fußball-Bundesliga ist: 2:1 gegen RB Leipzig. Durch den fünften Saisonsieg im neunten Spiel ist der Sport-Club nun Bayern-Jäger. Sagt zumindest die Tabelle, und wer behauptet, die Tabelle würde da lügen, lügt selbst. Die Tabelle lügt nämlich nicht. Sie flunkert höchstens ein kleines bisschen.

In Freiburg gehen sie dann doch davon aus, eher kein ernster Anwärter auf die Meisterschaft zu sein, auch mit der Champions League wird es womöglich eng. Man weiß ja, dass dem aktuellen Stand in der Liga Werte zugrunde liegen, die den Prüfungen der Saison auf Dauer nicht standhalten werden. Um einen Schildbürgerstreich handelt es sich beim jetzigen Tabellenbild natürlich trotzdem nicht. Die Streich-Elf nutzt die Gunst des – zu Beginn verhältnismäßig leichteren – Spielplans und die Gunst des Umstands, dass auch manch Spitzenteam sich weigert, wie ein Spitzenteam aufzutreten. Derweil verkrümeln sich alle Kleineren außer dem SCF brav in den Tabellenkeller. Wenn eine luxuriös besetzte Mannschaft wie RB Leipzig am Ende einer Champions-League-Woche schlechter aussieht als die Summe ihrer Einzelspieler, ist der kampferprobt im Kollektiv auftrumpfende Sport-Club jedenfalls kein dankbarer Gegner. Das hat zuletzt auch Borussia Dortmund beim 2:2 im Dreisamstadion erleben müssen.

Aber gerade die Heimspiele gegen Dortmund und Leipzig, auch der äußerst überzeugende 3:0-Sieg bei der TSG Hoffenheim am vierten Spieltag, lassen vermuten, dass die letzte Saison im Dreisamstadion (zur kommenden Spielzeit soll neue die Arena am Flugplatz in Betrieb genommen werden, so denn alles gut geht), eine besondere werden könnte. Kein Schlüsselspieler hat die Freiburger vor der Saison verlassen. Stattdessen ist der Kader in der Breite sinnvoll verstärkt worden, auch, um etwaiges Verletzungspech kompensieren zu können. Das hat aber bislang einen größeren Bogen ums SC-Gelände gemacht. So kann Trainer Streich Woche für Woche mit einer organisch gewachsenen Mannschaft arbeiten, die sich das sportliche Glück verdient, das dem Sport-Club hold ist, aktuell jedenfalls.

An Weihnachten könne man sich darüber unterhalten, ob das Ziel Klassenerhalt korrigiert werden müsse, hat Stürmer Nils Petersen am Samstag gesagt. Die eine oder andere aufregende Woche steht bis dahin noch aus.

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