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Ende Gelände im Freiburger Stadion: Christian Streich mit seiner Abschiedsrede.
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Ende Gelände im Freiburger Stadion: Christian Streich mit seiner Abschiedsrede.

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Freiburger Auswärtsspiel

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der Sportclub zieht um in die Zukunft, zurück bleiben Wehmut, Erinnerungen, Passion, all das gefühlige Zeugs, das nicht greifbar ist, aber das Besondere ausmacht.

Das wäre ja noch schöner gewesen, 1000 Tore im alten Dreisamstadion nach 67 Jahren und 766 Spielen. Wie banal! Wie kitschig! Wie romantisch! Wie falsch! 999 durften es sein, keines mehr. Selbst wenn Freiburger und Augsburger dann zum Abschied irgendwie eine Stunde rumbringen mussten, mit Fußball, der nicht zum Ziel führt. Die Party war längst im Gange, die Tränen kamen später. 1000 Tore - das hätte nicht gepasst zu einem Stadion, das eine „wunderschöne Zumutung“ (FR) ist, in dem Bundesliga seit Jahren mit Sondergenehmigung gespielt werden darf, weil der Platz so abschüssig ist, dass ein ruhender Ball in die Dreisam rollen würde, wenn keine Tribüne ihn aufhalten würde.

Aus.Vorbei. Ende Gelände. Der Sportclub zieht um in die Zukunft, zurück bleiben Wehmut, Erinnerungen, Passion, all das gefühlige Zeugs, das nicht greifbar ist, aber das Besondere ausmacht.

Christian Streich, noch so ein Unikat, spricht von „Heimat“, aus der er, ja auch, ein bisschen vertrieben wird. Die Moderne ruft, 34 700 Zuschauer, draußen im Nordwesten der Stadt, Europapark heißt die schicke Arena, vor der Deutschen Luftrettung und dem XXL-Möbelgeschäft, einen großen Parkplatz gibt es auch, und natürlich ist die Zufahrt neu angelegt: Achim-Stocker-Straße heißt sie, eine Reminiszenz an den langjährigen SC-Präsidenten, der es war, der „in Steine statt Beine“ investiert hat und Volker Finke stets fragte, können wir das machen oder steigen wir deshalb ab.

Sie werden fremdeln mit der neuen Anlage auf dem platten Land, bestimmt, es werden Auswärtsspiele sein. Sie werden sie vermissen, die „Höhle, das Kabuff“, wie Streich sagte, in das kaum Tageslicht fiel, weshalb an „365 Tagen bei uns die Lampen brennen“. Es war eng, alt, schäbig, da in der Schwarzwaldstraße, wo SC-Profis bisweilen Bälle aus der Dreisam fischten oder sie rüber zu den Tennisplätzen kickten, der Sportplatz mit angeschlossenem Biergarten liegt ja mitten in der Stadt. Das wird fehlen, das Vertraute, Gewohnte, diese Nische, in der es sich so herrlich underdogmäßig einrichten ließ.

Es war eine kleine Trutzburg, dieses Stadion mit Blick auf Tannenwipfel, in dem Golfbälle flogen und manchmal auch Trainer, wenn sie nicht schnell genug Argentiniern auswichen. Ein Anachronismus in der turbokapitalistisch ausgelegten Bundesliga. Eine „unglaubliche Geschichte“, wie Streich sagt, ist nun perdu, es ist Zeit, „dahin zu gehen, wo die Sonne reinscheint“. Streich und Entourage werden die neue Heimstätte annehmen, es bleibt ja nichts anders übrig. Es wird nicht leicht, das Neue macht einem immer auch Angst, und so ganz unbegründet ist die Sorge nicht. Der FC St. Pauli mit dem Millerntor oder Alemannia Aachen mit dem Tivoli können Lieder singen, reibungslos verlief deren Stadion-Metamorphose nicht.

Am 16, Oktober beginnt in Freiburg eine neue Ära. Erster Gegner ist RB Leipzig, ein reines Marketingkonstrukt. Auch das passt zum Umzug. Willkommen in der schönen neuen Welt.

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