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Jubeltraube: So freut sich der SC, wenn er Leipzig schlägt.

SC Freiburg

Freiburg reitet aus dem Sumpf

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Die Breisgauer lassen sich von einem Rückstand gegen Leipzig nicht aus der Bahn werfen.

Christian Streich war der erste im Freiburger Lager, der sich nach den Siegesfeierlichkeiten vor der SC-Fankurve wieder fing. Mit 2:1 hatten die Breisgauer gerade den hochfavorisierten Champions-League-Aspiranten RB Leipzig geschlagen, wofür sich die Spieler eine Viertelstunde lang feiern ließen.

Auch Streich war nach dem Schlusspfiff in vollem Tempo auf den Platz gestürmt und hatte seine Spieler geherzt. Für den Mann, der nach eigenem Bekunden „damit gerechnet hatte, dass wir gut spielen, aber nie damit, dass wir gegen Leipzig gewinnen“, war das alles dennoch kein Grund von seinem Mantra abzurücken. „Wir sollten jetzt schnell den Ball flachhalten. Diese Saison wird bis zum letzten Spieltag ein Ritt auf der Rasierklinge“, orakelte er.

Das mag schon so sein, der Freiburger Kader gehört in dieser Saison sicher zu den schwächeren der Liga. Umso beeindruckender ist es, wie sich der Sportclub in den vergangenen Wochen am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat, in dem er nach dem ersten Saisondrittel steckte: Der Sieg gegen Leipzig war der vierte in den letzten sieben Ligaspielen, von denen nicht ein einziges verloren ging. Acht Punkte beträgt nun schon der Abstand zum Vorletzten HSV.

Gegen Leipzig genügte dabei eine Energieleistung für einen Sieg. Zum einen, weil die Gäste einen schwachen Tag erwischt hatten. Und zum anderen, weil der SC optimal auf den Gegner eingestellt war. Freiburg, das alle drei bisherigen Bundesligaspiele gegen RB mit jeweils vier Gegentreffern verloren hatte, begann mit einer defensiven Grundformation mit lediglich drei Offensivspielern. Und die ackerten vorne wie es die Defensiven im hinteren Bereich taten.

Ersatztorwart überzeugt

Leipzig hatte deswegen wenig druckvolle Phasen und insgesamt nur zwei echte Torchancen – eine davon nutzte Timo Werner zum Führungstreffer (66.). Dabei blieb es, weil den Freiburgern kaum Passfehler unterliefen und Leipzig gar nicht erst ins Gegenpressing kam.

Oder wie Streich sagte: „Wenn sie den Konter im Konter spielen, hast du keine Chance gegen sie. Und wenn du zu tief stehst, auch nicht. Dann nageln sie dich fest und du bist tot.“ Am Samstag kam es anders.

Denn nach zwei, drei Schreckminuten hatten die Freiburger den Rückstand verarbeitet und nagelten nun ihrerseits den Gegner in dessen Strafraum fest. Nach zwei Eckbällen, die Christian Günter präzise in den Leipziger Strafraum geschlagen hatte, waren Janik Haberer (72.) und Robin Koch per Kopf zur Stelle (76.). RB-Coach Ralph Hasenhüttl nervte es dabei vor allem, dass die Tore nach ruhenden Bällen fielen: „Wir schaffen es im Moment nicht, die gut zu verteidigen.“

Mann des Tages beim SC war jedoch nicht einer der beiden Torschützen, sondern ein 30-Jähriger, der zu seinem ersten Bundesligaspiel überhaupt kam: Ersatztorwart Rafal Gikiewicz kam nach 27 Minuten in die Partie, nachdem sich Stammtorwart Alexander Schwolow im Duell mit Jean-Kevin Augustin am Oberschenkel verletzt hatte. Und er machte seine Sache nicht nur bei den Schüssen von Augustin (45.) und Werner (52.) gut. „Er war ganz ruhig und sachlich“, lobte ihn sein Trainer. So wie die gesamte Mannschaft, die zeigte, dass sie weiß, was man investieren muss, wenn man trotz eines mäßig besetzten Kaders am Saisonende drei Konkurrenten hinter sich lassen will.

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