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Artistisch: Luca Waldschmidt (links) vom SC Freiburg gegen Marko Rog (r.) von Cagliari Calcio.

Bundesliga-Serie

Abschied süß-sauer beim SC Freiburg

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Der SC Freiburg stellt sich auf eine emotionale Saison ein – die letzte im alten Dreisamstadion.

Noch 17 Spiele, dann heißt es Abschied nehmen vom Stadion an der Dreisam. Der SC Freiburg verlässt im Sommer 2020 seine alte Heimat, um in einem Neubau am Flugplatz in die Zukunft abzuheben. Entsprechend bewusst, mit in einer Mischung aus Nostalgie und Aufbruchstimmung, betritt der Klub die kommende Saison, die unter keinen Umständen mit einem zweiten Abschied enden soll: Dem von der Bundesliga.

SC Freiburg: Wie ist die Stimmung?

Trainer Christian Streich war in der Vorbereitung so etwas wie die Gelassenheit in Person. Eher ungewöhnlich beim pessimistisch veranlagten Südbadener, aber ein Zeichen dafür, dass der Sommer gut verlaufen ist beim Sport-Club. Der Klassenerhalt war früh und relativ stressfrei geschafft, und der Transfermarkt hat dem Klub bislang nicht so zugesetzt wie schon in anderen Jahren, als man nach Abgängen mit Kadern in die nächste Saison ging, deren Bundesligatauglichkeit nicht nur Streich in Frage stellte. Doch diesmal: Alles recht stabil an der Dreisam und entspannt, sogar der Trainer. „Mal schauen, ob das so bleibt“, zweifelte Streich zuletzt.

Wie stark ist der Kader des SC Freiburg?

In der Rückrunde war Vincenzo Grifo aus Hoffenheim ausgeliehen, in 16 Spielen gelangen dem Rückkehrer (schon zwischen 2015 und 2017 in Freiburg) sechs Tore und vier Assists. Zahlen, die dem Sport-Club jetzt wieder fehlen. Doch da die tendenziell wechselwilligen Stammspieler Alexander Schwolow (Tor) und Janik Haberer (Mittelfeld) aller Voraussicht nach bleiben werden, hält sich der Aderlass diesmal insgesamt in Grenzen. Auch Stürmer Luca Waldschmidt, der als Torschützenkönig der U21-EM international Aufsehen erregte, hat versichert, bleiben zu wollen. Für die offensiven Außenbahnen – notorische Problemzone beim SC, weil Qualität hier meist viel Geld kostet – haben die Verantwortlichen um Sportvorstand Jochen Saier bei zwei Südkoreanern zugegriffen. Aus Dijon kam Changhoon Kwon, 25, vom FC Bayern II der hochtalentierte Wooyeong Jeong, 19. Vom FC Augsburg kehrte zudem der alte Freiburger Jonathan Schmid, 28, zurück in den Schoss der SC-Familie. Sie alle sollen Tempo und Kreativität beisteuern.

SC Freiburg: Worauf steht Trainer Christian Streich?

Christian Streich mag schönen Fußball, gepflegtes, temporeiches Kurzpassspiel nach Freiburger Tradition. Die Zuschauer, die ins Dreisamstadion kommen, sollen eine Freude an der Mannschaft haben, betont Streich gerne. Was er allerdings nicht mag, ist ein Abstieg. Weshalb das schöne Spiel in den vergangenen Jahren immer mal wieder auf dem Altar der Pragmatik geopfert wurde. Was nützt die Schönheit, wenn am Ende alle traurig sind, und bereits Giovanni Trapattoni wusste ja: „Ein Trainer ist nicht ein Idiot!“ Und Christian Streich schon mal gleich gar nicht.

Wo hapert’s noch beim SC Freiburg?

Es wäre den Freiburgern schon lieber, sie hätten ein paar Verletzte weniger. War schon in den vergangenen Jahren ein Problem, weshalb nun die medizinische Abteilung umstrukturiert wurde. Doch schon im Verlauf der Vorbereitung erwischte es wieder einige Spieler: Kwon fällt für den Saisonstart mit einem Muskelfaserriss aus, trotz sorgfältigster Aufbauarbeit, und Haberer erlitt bei einem Foul im Test gegen den VfB Stuttgart einen Bänderriss. Da hilft die beste Prävention nichts. Abgesehen davon wird noch zu klären sein, ob es dem Sport-Club in dieser Saison gelingt, aus dem Spiel heraus mehr Torgefahr zu produzieren als in den vergangenen Jahren. Die Hoffnungen liegen hier auch darauf, dass Luca Waldschmidt seine EM-Form in die Bundesliga transportiert.

SC Freiburg: Wer sticht heraus?

Apropos Waldschmidt. Dem 23-Jährigen genügten eine gute, aber ganz gewiss nicht störungsfreie erste Saison in Freiburg (neun Tore, drei Vorlagen) und ein formidables U21-Turnier in Italien mit sieben Treffern, um seinen Marktwert von 1,5 Millionen Euro auf 12 Millionen zu steigern. Plötzlich hieß es, Lazio Rom wolle den Ex-Frankfurter verpflichten, und auch Benfica Lissabon soll schon „ein Auge“ auf Waldschmidt geworfen haben und ein zweites womöglich gleich hinterher. Doch der begabte Linksfuß gibt sich gelassen, sagt, er fühle sich wohl beim Sport-Club mit dem Trainer Christian Streich, und dass er zu bleiben gedenke – solange nicht noch etwas „Verrücktes“ passiert. Was immer das heißen mag.

Wie geht’s dem Schatzmeister des SC Freiburg?

Apropos verrückt. Nach neun Bundesligaspielzeiten in den vergangenen zehn Jahren, vernünftigem Management und immer wieder mal fetten Erlösen aus Spielerverkäufen geht es dem kleinen SCF finanziell relativ gut, und er kann auch mal Nein sagen bei Angeboten. Nach den Verpflichtungen von Jeong, Kwon, Schmid und Linksverteidiger Luca Itter (kam vom VfL Wolfsburg), denen die eher kleinpreisigen Abgänge von Florian Niederlechner (FC Augsburg) und Vincent Sierro (YB Bern) gegenüberstehen, kommt der Sport-Club auf ein Transferminus von fast zehn Millionen Euro. Bemerkenswert, aber gewiss kein Zeichen einsetzender Freiburger Unvernunft. „Der SC Freiburg ist der zweitbeste Klub der Liga, wenn man das Abschneiden in den letzten fünf Jahren in Relation zum Geldmitteleinsatz betrachtet“, sagte DFL-Boss Christian Seifert kürzlich bei einer Podiumsdiskussion.

SC Freiburg: Was ist drin?

Es geht natürlich um den Klassenerhalt. Das sollte klappen – vorausgesetzt, die Neuzugänge erweisen sich als die nötigen Verstärkungen und Schlüsselspieler wie Stürmer Nils Petersen bleiben weitestgehend von Verletzungen und Formeinbrüchen verschont.

Zu- und Abgänge beim SC Freiburg

Zugänge:Changhoon Kwon (FCO Dijon) Wooyeong Jeong (FC Bayern München), Nico Schlotterbeck (eigene Jugend), Jonathan Schmid (FC Augsburg), Gian-Luca Itter (VfL Wolfsburg), Patrick Kammerbauer (Holstein Kiel, Leihe beendet), Yoric Ravet (Grasshopper Club Zürich, Leihe beendet), Fabian Schleusener (SV Sandhausen, Leihe beendet), Vincent Sierro (FC St. Gallen, Leihe beendet) 

Abgänge:Fabian Schleusener (1. FC Nürnberg), Keven Schlotterbeck (1. FC Union Berlin , Leihe), Constantin Frommann (SG Sonnenhof Großaspach, Leihe), Vincent Sierro (Young Boys Bern), Christoph Daferner (FC Erzgebirge Aue, Leihe), Chima Okoroji (SSV Jahn Regensburg, Leihe), Pascal Stenzel (VfB Stuttgart, Leihe), Florian Niederlechner (FC Augsburg), Jonas Föhrenbach (1. FC Heidenheim, zuvor an den SSV Jahn Regensburg verliehen), Vincenzo Grifo (TSG 1899 Hoffenheim, Leihe beendet)

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