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Topfavoriten auf den Titel: Sydney Lohmann mit dem FC Bayern München (links) und Lena Oberdorf mit dem VfL Wolfsburg.
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Topfavoriten auf den Titel: Sydney Lohmann mit dem FC Bayern München (links) und Lena Oberdorf mit dem VfL Wolfsburg.

Frauen-Bundesliga

Frauenfußball, sichtbar wie nie

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Aus der Frauen-Bundesliga wird erstmals jedes Spiel fürs Fernsehen produziert, um endlich die Präsenz in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Doch Länder wie England haben bei der Vermarktung einen uneinholbaren Vorsprung.

Hannelore Ratzeburg hat nach eigener Aussage schon „viele Meilensteine“ der Frauen-Bundesliga erlebt. Ohne die resolute Hamburgerin, seit 2007 die erste und bis heute die einzige Frau im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wäre in der Vergangenheit im vorwiegend männlich geprägten Verbandszirkel vieles nicht in Gang gekommen. Mächtig stolz ist die 70-Jährige nun über die wichtigste Neuerung der 32. Spielzeit: In der Saison 2021/22 wird erstmals ein Live-Signal von allen 132 Spielen produziert. Telekom und DFB teilen sich das Investment, rund zwei Millionen Euro steuert der Verband bei, um die Sichtbarkeit der höchsten Frauen-Spielklasse deutlich zu erhöhen. „Ein großer Schritt“, sagt die Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball, „ich hoffe, das wird auch gut angenommen.“

Ein Live-Spiel am Freitagabend im Free-TV (Eurosport), alle Spiele im Pay-TV (MagentaSport) und ein Topspiel am Samstag als fester Bestandteil der Sportschau (ARD), dazu vermehrt Live-Übertragung in den Dritten Programmen sollen Bekanntheit und Reichweite steigern, Zuschauer und Sponsoren locken. Siegfried Dietrich, Vorsitzender des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen, freut sich auf eine „neue Präsenzstufe“ und ein „neues Zeitalter“.

DFB, Medien und Klubs ständen gemeinsam in der Verantwortung, sagt der beim Verband für die Medienrechte verantwortliche Abteilungsleiter Kay Dammholz, denn die Maßstäbe werden mittlerweile im Ausland gesetzt, wo speziell die englische Women’s Super League (WSL) mit einem millionenschweren Fernsehvertrag in neue Dimensionen vorgedrungen ist, die für den Frauenfußball lange als unerreichbar galten: Umgerechnet 18 Millionen Euro fließen dort jetzt jährlich.

Jeder Frauen-Bundesligist erhält hingegen aus dem Fernsehtopf gerade mal 89 000 Euro, über die zentrale Vermarktung schüttet der DFB rund 300 000 Euro pro Klub aus. Klar, dass Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter beim Pokalsieger VfL Wolfsburg, kürzlich warnte: „Die englische Liga hat uns bei der Sichtbarkeit und Vermarktung deutlich abgehängt.“ Im europäischen Vergleich sei England „einige Schritte voraus“, bestätigte nun auch Bianca Rech, Sportliche Leiterin beim gerade von einer USA-Reise zurückgekehrten Meister FC Bayern, aber: „Wir wachsen gerade wieder.“ Deutschland bekämpft endlich aktiv die jahrelange Stagnation. Noch bis 2023 laufen die aktuellen Verträge, und weiterhin ist die Frauen-Bundesliga ein Zuschussgeschäft: Das durchschnittliche Budget lag in 2019/2020 bei 2,1 Millionen Euro, der Verlust bei 922 000 Euro. Kein Wunder, dass aktuell acht der zwölf Klubs unter Dach eines Männer-Lizenzvereins organisiert sind, die die Fehlbeträge ausgleichen. Ohne die Fusion mit der Eintracht wäre ja auch der Standort Frankfurt nicht mehr zu halten gewesen.

Die mit Abstand höchsten Etats leisteten sich Wolfsburg und Bayern. Letztere haben mit der Japanerin Saki Kumagai und der Schwedin Sofia Jakobsson auch die namhaftesten Verstärkungen in die Liga gelockt. Für Kellermann haben sich die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse zugunsten der Münchnerinnen verschoben, Rech wäre bei der These „vorsichtig“.

Doch für den Titel kommen erneut nur diese beiden Topklubs infrage. Spannung verspricht ansonsten das Ringen um den dritten Champions-League-Platz. Eintracht Frankfurt, Turbine Potsdam, TSG Hoffenheim sind erste Anwärter.

Eröffnet wird diese Spielzeit mit dem badischen Derby zwischen TSG Hoffenheim und SC Freiburg (Freitag 19.15 Uhr / Eurosport). Hoffenheims Torjägerin Nicole Billa findet: „Im Großen und Ganzen kann sich die Liga glücklich schätzen, weil sie hier einen hohen Stellenwert genießt.“ Die zu Deutschlands Fußballerin des Jahres gewählte Österreicherin hat ganz bewusst, wie sie betont, „das eine oder Frauenfußball andere Angebot“ aus dem Ausland abgelehnt. Es sind Sätze, die dem Netzwerker Dietrich runtergehen wie Öl. Er glaubt fest daran, dass durch mehr Wettbewerb und das neue Vermarktungsmodell der Women’s Champions League mit einer Gruppenphase mehr Geld fließt: „Dann sollen auch die Spielerinnen angemessen mehr verdienen“. Knapp 1,2 Millionen Euro zahlt ein Frauen-Bundesligist für Gehälter; für den gesamten Kader wohlgemerkt. Hier zeigt sich am krassesten der Gegensatz zu den Männern, von denen jeder Erstligaprofi im Schnitt weit über zwei Millionen Euro verdient.

Bei den Frauen klafft zudem eine erhebliche Lücke zwischen Nationalspielerinnen in Wolfsburg oder München, die vom Fußball gut leben können, und jenen semiprofessionellen Protagonisten in Sand oder Jena, die nebenher studieren oder mit einem Zweitjob über Wasser halten. Nationaltorhüterin Almuth Schult fordert daher: „Wir müssen dahin kommen, dass in allen Klubs die Spielerinnen professionell spielen können, ohne nebenbei einer anderen Tätigkeit nachzugehen.“

Für Dietrich steht dann noch eine Aufstockung der Frauen-Bundesliga auf 14 oder 16 Klubs „weit oben“ auf der Prioritätenliste, „zwölf Vereine sind für die Zukunft zu wenig“. Denn das Gerangel wird größer: Wiederaufsteiger 1. FC Köln will sich dauerhaft in einer Liga verankern, in die bald auch RB Leipzig und irgendwann Borussia Dortmund mit seinem neu gegründeten Team streben. Der Trend ist eindeutig: Namhafte Fußballmarken können sich der Entwicklung kaum mehr verschließen: Wer als Verein einen glaubwürdigen Platz in der Gesellschaft sucht, kommt um eine professionelle Förderung von Männer wie Frauen nicht mehr umhin.

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