WM

Das DFB-Team begleitet ein positives Grundgefühl ins Nachbarland

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Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft will bei der WM vielleicht doch höhere Ziele anpeilen.

Die Abenddämmerung war längst hereingebrochen, als der Mannschaftsbus der Frauen-Nationalmannschaft die Ausfahrt vom Parkplatz vor der Regensburg-Arena nahm. Dahinter das rot schimmernde Fußballstadion, davor die Silhouette der Donaustadt. Zuvor hatten noch 100 Fans ausgeharrt, um die deutschen Fußballerinnen mit ordentlich Beifall auf die Heimreise zu schicken, wobei Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg großen Wert darauf legte, bis Freitag gemeinsam in Donaustauf zu verbleiben. Nach einer Regenerationseinheit erfolgte die Verabschiedung der fünf „Backup-Spielerinnen“ von Lisa Schmitz bis Felicitas Rauch, die bei der Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) nicht gebraucht werden.

Für die 23 Auserwählten wartet das letzte freie Wochenende, um den Akku im familiären Kreis aufzuladen – die Bundestrainerin hat dafür zum Grillfest nach Straelen geladen – , ehe am Montag vom Frankfurter Flughafen der Charter in den ersten WM-Spielort Rennes abhebt. „Nach aktuellem Stand“ (Voss-Tecklenburg) wird auch die an der Schulter lädierte Stammtorhüterin Almuth Schult („Ich gehe davon aus, dass ich die Koffer packe“) in die Bretagne fliegen, wo das erste Gruppenspiel gegen China (8. Juni/15 Uhr/live in der ARD) steigt.

Die Chinesinnen hat Assistenztrainerin Britta Carlson am Freitag persönlich bei ihrem letzten Test in Augenschein genommen. Ihre Chefin erteilte nach der Generalprobe gegen den weitgehend überforderten WM-Neuling Chile (2:0) dem einzigen Reporter aus dem Reich der Mitte zwar artig Auskünfte, aber mehr verraten, als dass ihr Trainerteam auch auf diesen Gegner gut vorbereitet sei, wollte die 51-Jährige nicht. Immerhin: Das DFB-Team begleitet ein positives Grundgefühl ins Nachbarland. 10.135 Zuschauer bedeuteten die beste Kulisse für ein Heim-Länderspiel seit mehr als vier Jahren. Das fleißig mit Deutschland-Fähnchen wedelnde Publikum erzeugte „fast WM-Atmosphäre“, wie Schult lobte, und ein besseres Ambiente als zuletzt bei manch einem Männer-Länderspiel.

Es hapert am Abschluss und an Automatismen

Die beschwingten wie unerfahrenen DFB-Frauen werden sich vor allem in Sachen Effizienz steigern müssen, wenn am Ende für sie ein Zahltag herausspringen soll. Am Freitag wurden nämlich die Prämien öffentlich: Der dritte Stern brächte eine Rekordprämie von 75.000 Euro inklusive Olympiabonus – das wären 10.000 Euro mehr als vor vier Jahren. Für den zweiten Platz winken 40.000 Euro, für Platz drei 30.000 Euro und das Viertelfinale wäre noch 10.000 Euro wert.

Schon gegen den zweiten WM-Gegner Spanien dürfte es am 12. Juni in Valenciennes um den Gruppensieg gehen; und darum, ein mögliches Achtelfinale gegen den Weltmeister USA zu verhindern. „Ich glaube zwar, dass wir jeden Gegner schlagen können, aber solch ein Knallerspiel gleich im Achtelfinale“, sagte Schult, braucht dieses junge Deutschland nicht wirklich. Zur Erinnerung: Bei der WM 2015 hatten die US-Girls im Halbfinale das Stoppschild in den Kunstrasen von Montreal gerammt.

Die Torhüterin des VfL Wolfsburg, von Haus aus mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein gesegnet, möchte die Messlatte gerne höher legen, als allein die Olympiaqualifikation als selig machen zu begreifen. „Wenn man keine Titelhoffnungen hat, braucht man nicht anzutreten.“ Carolin Simon, die Linksverteidiger von Olympique Lyon, träumt von der letzten WM-Woche in ihrer Wahlheimat, wo beide Halbfinals und das Finale stattfinden.

Dabei wird es auf ihre Klubkollegin Dzsenifer Marozsan ankommen, die in dem bevorzugten 4-2-3-1-Konstrukt, das nur in der Grundordnung an die Zeiten unter Silvia Neid erinnert, weil die Spielerinnen das System ansonsten deutlich flexibler interpretieren sollen, die Hauptverantwortung trägt. Die noch fehlenden Automatismen der mit Svenja Huth, Lea Schüller und Alexandra Popp besetzten Offensive könnten Folge der kurzen Vorbereitung sein, die nur ein Trainingslager in Grassau vorsah. Die Regenwolken, die sich am Rande der Chiemgauer Alpen die letzten Tage stauten wie bisweilen der Müll vor den Haustüren bei einem französischen Generalstreik, sollen jedoch nicht das Sinnbild für die WM sein. Sondern das bayrische Prachtwetter vor der Abreise.

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Rubriklistenbild: © AFP

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