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Mit dem Klassiker 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam - hier Laura Freigang (Mitte) am Ball - wird am Freitag die neue Saison der Frauen-Bundesliga eröffnet.

Bundesliga

Der Frauenfußball in Deutschland kämpft gegen den Bedeutungsverlust

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Die Frauen-Bundesliga besitzt künftig das ganze Wochenende TV-Präsenz, aber Aufbruchsstimmung wird vor allem herbeigeredet.

Die Meisterschale stand unmittelbar in Reichweite. Siegfried Dietrich hat im Richterzimmer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Montag jedoch nicht mal verstohlene Blicke auf die Silberware geworfen. Zwar kann sich der 1. FFC Frankfurt mit seinen sieben Meisterschaften immer noch Rekordchampion im deutschen Frauenfußball nennen, und kein anderer Verein war durchgängig seit Gründung der Frauen-Bundesliga 1990 dabei, aber die Zeiten, dass der Frankfurter Manager bei der Meisterschaftsvergabe mitmischt, sind vorbei. Immerhin darf der FFC nun die 30. Saison eröffnen. Turbine Potsdam kommt am Freitag (18.30 Uhr) zum Duell der ehemaligen Erzrivalen ins Stadion am Brentanobad.

Premiere gibt an jenem Abend mit einer Live-Übertragung auch der Sender Eurosport, der seine Freitagsspiele bei den Männern abgetreten hat, nun aber an jenem Tag eben den viel preiswerteren Frauenfußball zeigt. Die Kooperation läuft über drei Jahre, bringt jedoch den zwölf Frauen-Bundesligisten keine zusätzliche Einnahmen. Aber darum geht es auch nicht, denn eine Erkenntnis der unbefriedigenden WM aus deutscher Sicht sei ja gewesen, erklärte DFB-Direktorin Heike Ullrich, „dass wir die Wahrnehmung des Frauenfußballs erhöhen“. 

Insofern wertete die langjährige Funktionärin („Ich begleite diese Liga seit 24 Jahren“) es als Erfolg, dass neben dem Fixtermin am Freitag auch die ARD-Sportschau am Samstagabend von einem Topspiel in einer Zusammenfassung berichten will. Damit würden die Frauen in eine Männerdomäne am Bildschirm vordringen. Und am Sonntag kommt dann noch der Streamingdienst Magentasport mit Live-Übertragungen zum Zuge.

Siegfried Dietrich sieht die Liga wieder auf dem Weg nach oben

Damit ist ein Paket geschnürt, das mehr Reichweite und Aufmerksamkeit generieren soll. Dietrich sieht die Liga wieder „auf einem Weg nach vorne, nachdem es lange vor sich hingeplätschert ist.“ Man wolle „aus der Senke herauskommen – was die Nationalmannschaften und die Bundesliga angeht“. Der 62-Jährige ist sich sicher, dass die Liga „in ihrer Kompaktheit und Breite immer noch die stärkste in Europa ist – bei aller Gewalt in England“.   

Der designierte Generalbevollmächtigte für den Frauenfußball der Eintracht Frankfurt Fußball AG weiß nur zu gut, dass allein schöne Worte nicht mehr helfen, sondern Taten gefragt sind, um den Bedeutungsverlust des Frauenfußballs in Deutschland ohne ein großes Turnier die kommenden zwei Jahre zu bekämpfen.

Siegfried Dietrich steigt offiziell zum stärksten Mann der Frauen-Bundesliga auf. Der Manager des 1. FFC Frankfurt soll am 27. September beim DFB-Bundestag zum Vorsitzenden eines neuen Ausschusses Frauen-Bundesligen gekürt werden. „Es ist an der Zeit, mit einem Ausschuss die Interessen und Kräfte mit Blick auf die gemeinsamen Herausforderungen und Ziele zu bündeln“, sagt Dietrich (hel)

Als „Schritt in die richtige Richtung“ sieht die an der Schulter operierte Nationaltorhüterin Almuth Schult den nun wegen der TV-Präsenz in drei Teile zersplitterten Spieltag. Die wachrüttelnde Wortführerin vom Doublesieger VfL Wolfsburg sieht den Aderlass von guten Spielerinnen genauso mit Sorge wie der für den Frauenfußball zuständige Geschäftsführer Tim Schumacher: „Noch ist die Bundesliga in der Breite die beste Liga der Welt, aber andere Ligen, vor allem England, werden für die Spielerinnen aus finanziellen Gründen immer interessanter. Die Bundesliga muss professioneller werden.“ 

Peinliche PR-Kampagne der Frauen-Bundesliga

Aber auch der Verband. Das Pilotprojekt mit Übertragungen aus der zweiten Frauen-Bundesliga begann am vergangenen Wochenende auf der Plattform des Partners soccerwatch.tv mit einem Desaster. Vom Eröffnungsspiel 1. FC Saarbrücken gegen Werder Bremen war zeitweise nur die linke Platzhälfte zu sehen, von anderen Schauplätzen, auch von der Begegnung des 1. FFC Frankfurt II, platzten die Übertragungen wegen technischer Probleme mit den vollautomatisierten Kameras. Das Essener Start-Up-Unternehmen schien überfordert. Dabei hieß es auf deren Homepage: „Ab dem 10. August. Eine Liga! Alle Spiele live!“ Ein entrüsteter User schrieb bei Twitter: „Der Frauenfußball wird doch willentlich sabotiert und klein gehalten. Unfassbar peinlich.“

Das galt gewiss für die erste PR-Kampagne zum Start der Frauen-Bundesliga. In Anlehnung an eine Vermisstenanzeige war in den sozialen Netzwerken ein Mannschaftsfoto von der WM in Frankreich in Schwarz-Weiß-Optik und dem Hinweis „Seit dem 29. Juni nicht mehr gesehen. Bitte teilen“ veröffentlicht worden. An dem Datum war die DFB-Auswahl im WM-Viertelfinale ausgeschieden, aber auch die Schweizer Nationalspielerin Florijana Ismaili nach einem Badeunfall für vermisst erklärt und später tot aufgefunden worden. „Es lag uns natürlich fern, Gefühle zu verletzten“, sagte Ullrich kleinlaut: „Es tut uns sehr leid.“ Wer hausintern diesen Rohrkrepierer zu verantworten hatte, wollte der Verband nicht verraten.

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