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Martina Voss-Tecklenburg sieht in Nigeria einen starken Gegner für die deutsche Elf. 

WM

Achtelfinale gegen Nigeria: Besonderer Charaktertest für deutsche Elf

Das WM-Achtelfinale gegen Nigeria stellt für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft einen besonderen Charaktertest dar.

Grenoble - Nein, niemand im deutschen Quartier hat eine Stunde vor Mitternacht Türen aufgerissen, ist im Hotelflur herumgesprungen und hat Freudentänze aufgeführt, die eine ganze Etage zum Beben bringen. Und niemand wäre auf die Idee gekommen, in der Ekstase auch noch kniend den Teppich zu küssen. Die nigerianischen Fußballerinnen haben allein das Erreichen des Achtelfinals in der Nacht auf Freitag im nordfranzösischen Rennes gefeiert wie einen WM-Sieg.

Als im Gegenzug die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in ihrem Domizil in Uriage-les-Bain am Fuße des Skigebietes vom Chamrousse endlich Gewissheit hatte, dass es in Grenoble zum Duell gegen Nigeria (Samstag 17.30 Uhr/ZDF und bei uns im Live-Ticker) kommt, sind keine Exzesse übermittelt worden.

Deutschland gegen Nigeria: Sieben Siege in sieben Partien

Und es gab auch keine Karnevalslieder, nur weil es jetzt gegen ein Team geht, gegen das Deutschland in sieben Vergleichen siebenmal gewonnen hat. Die betuchten Gäste in der vornehmen Herberge hätten vermutlich auch sofort Beschwerde wegen Störung der Nachtruhe vorgetragen.

Immerhin hatte sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg auf leisen Sohlen nach draußen begeben, um im Schutz der Dunkelheit eine erste Einschätzung anzubringen. „Wir wissen, dass Nigeria ein starkes Team ist. Speziell im letzten Spiel gegen Frankreich haben sie gezeigt, wozu sie in der Lage sind. Wir wissen, dass da ein Brocken auf uns zukommt“, sagte die 51-Jährige. „Afrikanische Teams sind immer schwer zu bespielen, sie haben eine gute Mentalität, viel Tempo und körperliche Präsenz.“

Birgit Prinz reist ab

Kurios: Der Teampsychologin Birgit Prinz bleibt die Begegnung mit der Vergangenheit erspart, weil sie absprachegemäß vor dem Achtelfinale abgereist ist. Die 41-Jährige würde zu einem möglichen Viertelfinale in Rennes wieder zum Team stoßen, hieß es von DFB-Seite.

Die Ikone des deutschen Frauenfußballs wird heute in den französischen Alpen also niemand in die Hände schlagen. Weder zur Aufmunterung noch zum Frustabbau. Über ihr Wirken hinter den Kulissen darf ohnehin gerätselt werden: Die meisten Spielerinnen haben zuletzt zwar die Prinz-Präsenz gelobt, doch von einer intensiven Unterredung hat kaum jemand erzählt. Im Gegenteil.

Von Frank Hellmann

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