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Fußball-EM: Noch Luft nach oben

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Von: Frank Hellmann

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Energischer Zweikampf: England’s Stürmerin Lauren Hemp (links) wird von der Österreicherin Laura Wienroither attackiert.
Energischer Zweikampf: England’s Stürmerin Lauren Hemp (links) wird von der Österreicherin Laura Wienroither attackiert. © afp

Das Eröffnungsspiel der Engländerinnen gegen Österreich war sportlich und atmosphärisch noch nicht das, was man von dieser Europameisterschaft erwartet. Ein Kommentar.

Natürlich hat es nach dem Eröffnungsspiel der Frauen-EM 2022 in England eine ganze Reihe von Superlativen gegeben. Als Leah Williamson, die Kapitänin der englischen Fußballerinnen, direkt vom Rasen ans BBC-Mikrofon kam, da leuchteten die Augen der 25-Jährige fast mit dem Flutlicht um die Wette. „Was für ein Ereignis!“ Das stimmt ja fraglos: Wenn ihr Konterfei an der Tower Bridge in London erscheint und dann 68 800 Menschen ins Old Trafford von Manchester pilgern, dann sind das Meilensteine für den Frauenfußball, der auf allen Ebenen um seine Gleichbehandlung kämpft. Um das Publikum zu locken, kosten die billigsten Tickets nur fünf Pfund, umgerechnet keine sechs Euro.

Das hat leider 5000 Karteninhaber:innen bei dem schlechten Wetter wohl dazu verleitet, zu Hause geblieben sind. Und wenn so viele Jugendliche in einem Stadion sind, ist die Stimmung eben ein bisschen anders. Grundsätzlich leiser. Deshalb wäre es gut gewesen, wenn auch „The Lionesses“, wie Englands Frauen-Nationalteam genannt, wird, einen stimmungsvolleren Impuls gesetzt hätten, in dem sie besser Fußball gespielt hätten. Doch vom Rausch eines 5:1-Sieges in der Vorbereitung gegen den Europameister Niederlande war gegen Österreich wenig bis gar nichts übrig. Wenn nicht die Torlinientechnologie installiert worden wäre – glücklicherweise gibt es auch bei den technischen Hilfsmitteln keine Unterschiede zum Männerfußball mehr – hätte das 1:0 von Beth Mead nicht gezählt.

So aber konnte Nationaltrainerin Sarina Wiegman sagen, dass es unglaublich gewesen sei. Die Niederländerin, die 2017 den sensationellen EM-Sieg im eigenen Land orchestrierte, weiß, auf was es ankommt: die Nerven bewahren. Die Engländerinnen werden sich steigern müssen, um nicht gegen Norwegen, dann vor 30 000 Fans in Brighton, eine böse Überraschung zu erleben.

Nebenbei hat das österreichische Team gezeigt, was es sich für ein technisches und taktisches Rüstzeug angeeignet hat. Mit dabei: drei Spielerinnen von Eintracht Frankfurt, Laura Feiersinger, Verena Hanshaw und Barbara Dunst. Sie haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, wenn bald auch Frankfurts Fußballerinnen vor großer Kulisse spielen. Das Bundesliga-Eröffnungsspiel gegen den FC Bayern ist schon in die große Arena verlegt, auch eine Champions-League-Playoff-Partie könnte dazukommen. Wenn sich die Eintracht-Ultras dazu entschließen, auch die Frauen anzufeuern – die Gespräche sind längst angeleiert – dann kann im Frankfurter Stadtwald auf den Rängen bald sogar mehr los sein als beim EM-Eröffnungsspiel.

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