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Freuen sich auf den Re-Start: Die Frauen des VfL Wolfsburg.

Frauen-Bundesliga

Vor Ronaldo und Messi

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Mit dem Re-Start am 29. Mai will die Frauen-Bundesliga ein historisches Zeichen der Gleichberechtigung senden.

Die Anmerkung kam mit einem Augenzwinkern. „Frauen gehen konstruktiver an die Problemstellen“, stellte Friedrich Curtius bereits am Dienstag in einer Videoschalte fest, als der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darauf zu sprechen kann, dass in der Frauen-Bundesliga weitgehend Einigkeit herrscht, die Saison fortzusetzen, während das Meinungsbild in der 3. Liga weiterhin ziemlich zerrüttet ist. Am Tag darauf sprachen sich die zwölf Vereine der Frauen-Bundesliga „in großer Geschlossenheit“, wie der DFB mitteilte, für die Saisonfortsetzung aus.

Läuft alles wie geplant, setzt der enteilte Spitzenreiter VfL Wolfsburg am Freitag, den 29. Mai (14 Uhr) den 17. Spieltag fort, am selben Abend soll die Partie 1. FFC Frankfurt gegen den SC Sand (19.15 Uhr) live auf Eurosport übertragen werden. Nicht nur Spötter sagen, dass die Atmosphäre gar nicht so viel anders ist, als wenn sich knapp 1000 Zuschauer ins Stadion am Brentanobad begeben. Frankfurts Manager Siegfried Dietrich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen frohlockt gleichwohl: „Der Re-Start ist ein historischer Moment, als erste europäische Profiliga der Frauen wieder in den Spielbetrieb einsteigen zu können.“ Seine Haltung: Auch die Frauen-Bundesliga müsse in Krisenzeiten wieder Gesicht zeigen. Von einem starken Signal für den Frauenfußball und „die Gleichbehandlung für Berufssportlerinnen und Berufssportlern“ spricht die DFB-Vizepräsidenten Hannelore Ratzeburg.

Eine gewisse Bewunderung wäre dem deutschen Fußball zum Pfingstwochenende gewiss: Bevor Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin, Lionel Messi mit dem FC Barcelona oder Mo Salah mit dem FC Liverpool am Ball sind, treten Pernille Harder, Melanie Leupolz oder Klara Bühl mit ihren Teams um Punkte an. Möglich ist das Alleinstellungsmerkmal, weil das Hygiene- und Sicherheitskonzept, unter dessen Auflagen bereits in der Bundesliga und 2. Bundesliga gespielt wird, stets für die beiden höchsten Profiligen unter dem DFB-Dach mitgedacht war. Nur in organisatorischen Nuancen angepasst, vor allem mit weniger Personal am Spieltag.

Für den DFB ist das 50 Jahre nach der Aufhebung des Frauenfußball-Verbots ein Zeichen, das vor allem DFB-Präsident Fritz Keller herbeigesehnt hat, für den der Gleichklang von Männer und Frauen, Amateuren und Profis nicht verhandelbar ist. „Genau dieses Miteinander benötigen wir in der Krise.“ Geholfen haben konkret die Champions-League-Vereine FC Bayern, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig, deren bereitgestellte 7,5 Millionen Euro die Tests für die Frauen finanzieren. Eine der bereits angelaufenen Testreihen mit 40 Personen bei einem Frauen-Bundesligisten kostet bis zu 6000 Euro. Für alle Klubs wird zuerst diese Finanzquelle angezapft, erst danach wird das übrig gebliebene Geld anteilig nach Spieltagen an die fünf reinen Frauenfußballvereine (zu denen vor der Fusion mit Eintracht Frankfurt auch der 1. FFC Frankfurt gehört) und den MSV Duisburg ausgeschüttet. Der SC Sand hätte lieber sofort eine sechsstellige Summe zur Überbrückung bekommen, aber mit diesem Kompromiss können die meisten leben. Topvereine wie Wolfsburg, haushoher Favorit aufs Double, wollen unbedingt weiterspielen. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg („für mich als Trainerin unsagbar toll“) führt überdies an: Bei seinem Saisonabbruch hätten die Nationalspielerinnen womöglich ein halbes Jahr kein einziges Spiel bestritten.

Problem könnte noch sein: Inzwischen liegen die positiven Verfügungslagen für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs zwar aus zahlreichen Bundesländern vor, aber eben nicht aus allen. Thüringen erlaubt bis zum 5. Juni keinen professionellen Mannschaftssport – daher soll der USV Jena am 7. Juni einsteigen. Ein ambitionierter Plan. „Die Vorbereitung auf den Einstieg in den Wettbewerb ist so eindeutig nicht möglich“, sagte der Vereinsvorsitzende Torsten Rödiger. Die Gesundheit der Spielerinnen sei „bei einem Kaltstart kaum gegeben, das Verletzungsrisiko ist viel zu hoch.“ Der Rechtsanwalt spricht zudem von „einer Art Wettbewerbsverzerrung“ für den Tabellenletzten, der bis zum letzten Spieltag am 28. Juni sieben Spiele binnen drei Wochen bestreiten soll. Viel Puffer bietet der neue Frauen-Plan nicht: Für den 4. Juli ist das DFB-Pokalfinale in Köln angesetzt. Das mal mit dem Motto „20.000 (Zuschauer) für 2020“ beworbene Endspiel wird natürlich auch vor leeren Rängen ausgespielt.

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