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Ausgelassen: US-Spielerin Samantha Mewis lässt Megan Rapinoe (r.) hochleben, im Vordergrund jubelt Crystal Dunn.

Kantersieg ein Zeichen der Stärke

Megan Rapinoe und das US-Team: Wie aufgeputschte Rennpferde

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Sie haben den höchsten Sieg in der Geschichte der Frauen-WM eingefahren: Das 13:0 zum Auftakt war in jeder Hinsicht ein Zeichen der US-Stärke.

Wer Megan Rapinoe hinterher ins Gesicht schaute, schien im Stade Auguste Delaune eine andere Person anzutreffen als vor dem Anpfiff. Ihre neuerdings hauchzart rosablond gefärbte Haarpracht reflektierte das Licht der großen Scheinwerfer, als die Kapitänin der amerikanischen Fußballerinnen realisiert hatte, dass das 13:0-Schützenfest gegen Thailand gleichzeitig den höchsten Sieg in der Geschichte der Frauen-WM bedeutete.

Wie die meisten wollte auch die 33-Jährige erst gar nicht gewusst haben, dass ein 11:0 von Deutschland vor zwölf Jahren gegen Argentinien bislang in den Annalen stand. „Das freut uns natürlich, wir möchten jeden Weltrekord haben“, sagte die 154-fache Nationalspielerin und lächelte selig.

Megan Rapinoe singt aus Protest gegen Präsident Donald Trump nicht mit

War das wirklich dieselbe Rapinoe, die so furchtbar angespannt in Reims den Rasen betreten hatte? Die nicht die Hand auf die Brust legte, als die Nationalhymne ertönte, welche die lesbische Powerfrau aus Protest gegen Präsident Donald Trump als einzige US-Fußballerin nicht mitsingt. Und doch hatte die Anführerin später dasselbe triumphale Glitzern in den Augen wie ihre Mitspielerinnen. „Wir wollten ein Statement abgeben“, sagte „Pinoe“.

Zuerst sportlich. Fünfmal schlug allein Angreiferin Alex Morgan zu, die damit eine Uralt-Bestmarke der US-Legende Michelle Akers einstellte. „Ich fühle mich großartig. Jedes Tor kann zählen. Wir wollten für unsere Mannschaft eine Stimmung erzeugen“, erzählte die 29-Jährige. Kaum eine verbreitet auf dem Spielfeld so viel Esprit und transportiert so viel Inspiration nach außen wie der Superstar. Drei Jahre habe man seit den Olympischen Spielen 2016 gewartet, sich endlich wieder auf großer Bühne präsentieren zu können, erklärte Morgan.

US-Girls ziehen gnadenlosen Powerstil durch

Von der ersten bis zur letzten Sekunden zogen die US-Girls zur hellen Freude der 18 591 Zuschauer ihren gnadenlosen Powerstil durch, der in seinen bekannten Mustern und nicht ohne ein bisschen Pathos funktioniert. Dass sogar die WM-Heldin von 2015, Carli Lloyd mit fast 37 Jahren nach ihrer Einwechslung noch in der Torschützenliste auftauchte, machte den Abend perfekt.

Trainerin Jill Ellis erläuterte später, dass es nie zur Debatte stehen konnte, den Fuß auch nur eine Sekunde vom Gaspedal zu nehmen. Erst recht nicht aus Mitleid. Weil Rücksicht aus ihrer Sicht ein verkehrtes Signal gewesen wäre. „Wir respektieren jeden Gegner, aber wir sind hier bei einer WM.“ Die von der früheren Nationaltorhüterin Hope Solo im Vorfeld auf unqualifizierte Art attackierte 51-Jährige will auch in diesem Turnier in Frankreich wieder „eine Geschichte erzählen“. Deshalb: „Der Sieg war das Beste, was wir zum Beginn für uns erschaffen konnten.“

Siegerinnen trösten die weinenden Verliererinnen 

Der amerikanische Sportsgeist zeigte sich, als die Siegerinnen die weinenden Verliererinnen auf dem Platz persönlich trösteten. Vorkämpferin Rapinoe forderte auf, mehr für die Entwicklung des Frauenfußballs in solchen Ländern zu tun. „Die Verbände, die Fifa, alle sind gefragt“, sagte sie, weil solch einseitige Angelegenheiten auf Dauer niemand viel nützen. Die Thailänderinnen wirkten überforderter als vor vier Jahren auf kanadischem Kunstrasen. In diesem Teil Asiens ist vom weltweiten Fortschritt im Frauenfußball nichts angekommen, während sich anderswo ja etwas getan hat: Südafrika oder Kamerun fehlte nicht mehr wirklich viel zum ersten Erfolgserlebnis, Argentinien feierte den ersten Punktgewinn, Chile war nahe dran.

„Made in USA“ schafft im Frauenfußball die größte Wucht. Wenn der Rekordweltmeister Station macht, herrscht an einem Spielort Ausnahmezustand – zumindest nach den Maßstäben Frauenfußballs. Eine CNN-Reporterin berichtete bereits drei Stunden vor Spielbeginn live vor der Kathedrale in Reims aus einem Pulk lärmender Fans. Daneben bildeten sich lange Schlangen vor einer Kneipe, an deren Tresen französischen Bedienungen die Stars-and-Stripes-Damenschals um den Hals gewickelt bekamen, was denen noch mehr Schweißperlen auf die Stirn trieb.  

„USA, USA“-Rufe im Stadion

Als über der Anfahrt des Mannschaftsbusses der Helikopter schwebte, zog der Anhang unter lauten „USA, USA“-Rufen zum Stadion. Und weil europäische Entfernungen nach amerikanischen Maßstäben lächerlich klein sind, legt eine vierköpfige Familie aus Minnesota morgen gleich noch einen Tagestrip zum Klosterfelsen Saint-Michel am südwestlichen Zipfel der Normandie ein. Tage vorher war die älteste Tochter im Fußballcamp bei Real Madrid selbst kicken.

Superlative scheinen allerorts die Messlatte. Die Betreuer des US-Teams sammelten nach dem Aufwärmen im Sauseschritt die Utensilien ein, als gäbe es dafür auch einen Preis zu gewinnen. Und als sich der Anstoß wegen des Abgleichens mit der Fernsehübertragung verzögerte, stellten sich sechs US-Spielerinnen an die Mittellinie. Dort trippelten sie wie aufgeputschte Rennpferde hin und her, um nach einem langen Schlag von Julie Ertz loszurennen. Spannend, wie sich dagegen Chile am Samstag im Pariser Prinzenpark zur Wehr setzen will.

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