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Starstürmerin Sam Kerr kann im Achtelfinale ihr Können zeigen.

Kurios

Kerr vs. Hegerberg: Gigantenduell der Star-Stürmerinnen geplatzt

Geplatztes Gigantenduell: Während Australiens Starstürmerin Sam Kerr sich im WM-Achtelfinale zeigen kann, steht Norwegens Superstar Ada Hegerberg in Nizza als Fernsehexpertin am Spielfeldrand.

Samantha May Kerr, die in Australien alle nur „Sam“ nennen, ist in jedem Spielort dieser WM präsent. Anhänger aus der fröhlichen Gefolgschaft der „Matildas“, wie die australische Frauen-Nationalmannschaft genannt wird, haben oft ihren Namen auf den Trikots stehen. Auch Mutter Roxanne, die inmitten der 14-köpfigen Großfamilie durch Frankreich tourt, spaziert mit diesem Jersey durch Straßen, Cafés und in die Stadien. Australien scheint sich hinter der Torjägerin zu vereinen, die mit einem Viererpack gegen Jamaika (4:1) Hoffnungen weckte, dass vielleicht die Frauen mal schaffen, was den Männern immer verwehrt blieb: bei diesem Weltturnier weit zu kommen. Und was wäre ein besseres Signal, um 2023 selbst die Frauen-WM auszurichten?

Als Gegner wartet im Achtelfinale in Nizza jetzt Norwegen (Samstag 21 Uhr/ live ZDF). Und eigentlich wäre diese Konstellation gemacht, um zwei der weltbesten Stürmerinnen zu erleben: Sam Kerr, 26, ein Ausbund an Energie, Kraft und Kopfballstärke, gegen Ada Hegerberg, 23, ein Sinnbild für Technik, Instinkt und Torgefahr. Amtierende Gewinnerin des Ballon d’Or.

Ada Hegerberg ist Expertin fürs französische Fernsehen

Doch dieser Vergleich fällt insofern aus, dass zwar beide sich im Stade de Nice zwar sehen, aber nicht direkt auf dem Platz begegnen. Die norwegische Superstar-Version spielt nämlich nicht mehr fürs Nationalteam, sondern erlebt das Turnier nur als Expertin fürs französische Fernsehen. Nächster Einsatzort Nizza. Händeschütteln mit Kerr und Hegerberg geht. Mehr nicht. Kurioser geht es kaum.

„Ich habe immer das Gefühl, dass ich ein schlechterer Spieler gewesen bin, wenn ich von meiner Nationalmannschaft nach Hause gegangen bin, und das sollte nicht so sein“, sagte Hegerberg bei ihrem Rücktritt 2017. Die Topstürmerin von Olympique Lyon liegt mit Norwegens Verband wegen der Ungleichbehandlung von Männer und Frauen überkreuz. Es kommt vieles zusammen: Probleme mit Nationaltrainer Martin Sjogren, die Enttäuschung über die Schuldzuweisungen aus der verkorksten EM 2017 und die Nicht-Berücksichtigung ihrer Schwester Andrine. Die Gräben mit ihrem Verband sind immer noch unüberbrückbar. Ein letzter Vermittlungsversuch scheiterte vor wenigen Monaten.

Australiens Fußballerinnen fordern mehr Geld

Auch Australiens Fußballerinnen hatten Zoff mit (männlichen) Funktionären und forderten beim Weltverband Fifa eine Preisgelderhöhung ein. Die Verdopplung auf 50 Millionen Dollar reiche hinten und vorne noch nicht. Und deshalb kann die Mittelfeldspielerin Elise Kellond-Knight auch folgen, dass die Norwegerin nun solch ein großes Opfer bringt, um den Kampf nach mehr Gleichberechtigung mit Nachdruck zu versehen. „Dies sind die großen Aussagen, die wichtig sind“, sagte sie. „Wenn jemand wirklich leidenschaftlich ist und an etwas glaubt, gibt er ein großes Statement wie dieses ab. Ich unterstütze es voll und ganz. Wie sollen wir sonst etwas ändern?“

Dass Australien nicht auf seine beste Spielerin verzichten muss, und diese sogar noch in der heimischen W-League spielt, hat damit zu, dass immerhin Australiens Fußballverband (AFA) gewillt war, Brücken zu bauen. Damit die 80-fache Nationalspielerin (36 Tore) wirklich den Angeboten des FC Barcelona und FC Chelsea widerstehen würde, ging einer der begehrten Plätze als so genannte „Marquee“-Spieler erstmals an eine Frau. Damit bekommt sie vertraglich rund 270.000 US-Dollar für eine Zwölf-Spiele Saison bei Perth Glory. Den Rest des Jahres spielt sie bei den Chicaco Red Star in den USA.

Bruder Daniel Kerr eine Berühmtheit in der Australien Football League

Zusätzliche Werbeverträge wie mit dem Sportartikelgiganten Nike machen sie zur Millionärin der Matildas. Kerr sei eben ein Vielfaches wert, sagt der australische Liga-Leiter Greg O’Rourke. „Sam übertrifft alles in unserem Sport. Sie hat eine magische Mischung aus Anmut und Demut. Die Leute lieben sie einfach.“ Ihr Name vermarktet sich deshalb so gut, weil ihr Bruder Daniel Kerr eine Berühmtheit in der Australien Football League (AFL) war.

Ein Idol der West Coast Eagles, das auch seine zehn Jahre jüngere Schwester inspirierte. Als sie mal wieder mit blutigen Lippen nach Hause kam, weil sie mit den Jungs die australische Football-Version gespielt hatte, brachten sie Vater und Bruder beim Fußball unter. „Sie hat dort die Dinge schnell aufgegriffen“, erinnerte sich Daniel Kerr. Er gehört übrigens auch zu der durch Frankreich reisenden Kerr-Sippe. Und sich eigentlich gefreut hätte, wenn Sam Kerr heute auf Ada Hegerberg getroffen wäre. Letztere allerdings hat gerade der Zeit gesagt: „Es geht mir jetzt nicht mehr nur um Fußball, um Siege oder Tabellenplatzierungen - es geht darum, gemeinsam voranzukommen. Das ist größer als das Spiel.“

Von Frank Hellmann

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