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Frau Papp auf dem Cover

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Von: Günter Klein

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Mit aufgeklebtem Bart: Alexandra Popp. Foto: dpa
Mit aufgeklebtem Bart: Alexandra Popp. Foto: dpa © dpa

Vize-Europameisterin Alexandra Popp wird als „Persönlichkeit des Jahres“ geadelt - und ein Fachmagazin springt dabei über den eigenen Schatten. Ein Kommentar.

Das war schon ein ziemlich guter Gag im Sommer des nun zu Ende gehenden Jahres: Wie Alexandra Popp, Mittelstürmerin der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, mit angeklebtem Schnurrbart zur Pressekonferenz vor dem Europameisterschafts-Finale antrat und die Fantasiefigur Alexander Papp mimte, die das Satireportal „Der Postillion“ als Lösung für die Angriffsprobleme des Männer-Teams ins Spiel gebracht hatte. Das heitere Rollenspiel hat mittlerweile eine Übertragung in die Realität gefunden: Alexandra Popp prangt auf dem Titel der neuen „kicker“-Ausgabe. Als „Persönlichkeit des Jahres“.

Dazu muss man wissen, dass das Fachblatt aus Nürnberg sich mit der Wahrnehmung des von Frauen gespielten Fußballs immer schwer tat und er tatsächlich erst bei der EM 2022 in England für coverwürdig befunden wurde. Und wie selbstverständlich wurde zum Ende eines Kalenderjahres auch stets ein Mann hervorgehoben für eine besondere Leistung. Abgekupfert hat man diese Idee aus der Welt der Politik und vom großen US-amerikanischen „Time Magazine“, das 1927 begann, einen „Man of the Year“ auszuzeichnen. Und obwohl schon 1936 zum ersten Mal einer Frau zugestanden wurde, den größten Einfluss auf die Geschehnisse genommen zu haben, erfolgte eine Umbenennung in „Person of the Year“ erst 1999. Der deutsche Fußball hat jetzt nachgezogen.

Wenn man auf das zurückblickt, was der Fußball in diesem Jahr geliefert hat, ist das auch eine völlig richtige Entscheidung. Die persönliche Geschichte der Alexandra Popp, die allerlei Karriere-Rückschläge auffing, ein überragendes Turnier spielte und ein origineller Typ ist, steht über den Werdegängen, die man derzeit aus dem Männerfußball kennt. Und der einzige Bereich, in dem der DFB einen Fortschritt zu verzeichnen hatte in 2022, war die Entwicklung des Spiels der Frauen – auch, wie ein neuer TV-Vertrag und vollere Bundesliga-Stadien zeigen – über das Highlight EM hinaus. Auch dafür steht die 31 Jahre alte Popp.

Übrigens: Einen klassischen „Man of the Year“ zu finden, wäre eh schwer gewesen. Christian Streich, Oliver Glasner, Urs Fischer, Niclas Füllkrug? Alles denkbar, aber nicht überzeugend und zwangsläufig. Einen Alexander Papp hat der deutsche Fußball momentan nicht. Aber eine Alexandra Popp – und mit dieser Wahl kann er gut leben.

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