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Französisches Nationalteam: Marabout und ein Fluch

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Von: Thomas Kilchenstein

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Antoine Griezmann (links) und Kylian Mbappé.
Antoine Griezmann (links) und Kylian Mbappé. © AFP

Dem französischen Fußball-Nationalteam fehlt eine ganze Elf - dazu gesellen sich weitere Probleme. Ein Kommentar.

Lloris - Kimpembe, Lucas Hernandez, Theo Hernandez, Konaté - Kanté, Pogba, Rabiot, Kamara - Benzema, Coman: Keine schlechte Mannschaft, die Trainer Didier Deschamps da zusammen hat, die müsste doch Österreich schlagen können an diesem Donnerstag im Stade de France, n’est-ce pas? Aber halt, das ist die Liste derer, die verletzt oder unpässlich sind für das Match in der Nations League, dem Weltmeister fehlt eine komplette Elf - und das zwei Monate vor der WM in Katar, wo die Equipe Tricolore eigentlich ganz gerne ihren Titel verteidigen will (oder wenigstens nicht nach der Vorrunde ausscheiden möchte). Da bleiben Fragezeichen.

Doch diese personellen Ausfälle (die nicht allzu gravierend sind, die meisten kehren bald fit zurück), sind beileibe nicht die größten Probleme bei „Les Bleus“: Momentan steckt das Nationalteam in einer respektablen Krise, und nicht nur in sportlicher Hinsicht. Da gibt es diese dubiose „Marabout“-Affäre um Paul Pogba und Kylian Mbappé, es geht irgendwie um Voodoo und Erpressung, der Mittelfeldspieler soll dem Stürmer einen afrikanischen Heiler auf den Hals gehetzt haben. Inzwischen ist die Polizei eingeschaltet, ein Bruder von Pogba sitzt in U-Haft.

Zudem soll sich der 80 Jahre alte FFF-Verbandspräsident mittels SMS an eine junge Mitarbeiterin („Blondinen bevorzugt“) herangemacht haben. Zudem kehrt Superstar Mbappé immer mehr die launische Diva heraus, balgt sich um die Ausführung eines Elfmeters oder bleibt im Spiel stehen, weil er einmal nicht angespielt wird. Dazu wirkt Coach Deschamps nach zehn Jahren im Amt ausgelaugt, halten sich Gerüchte, Zinédine Zidane stünde als Nachfolger bereit.

Das alles klingt nicht furchtbar leistungsfördernd, selbst wenn diese mit Fußballtalenten überreich gesegnete Nation noch ein paar gute Kicker in petto hält. Aber der letzte Platz in der Nations League (zwei Punkte aus vier Spielen), ein EM-Aus im Achtelfinale, zeigen, dass derlei Nebengeräusche nicht spurlos an der Equipe vorbeiziehen.

Die Frage ist: Bekommt die Grande Nation noch die Kurve bis zur WM? Zuzutrauen ist es ihr, nicht wenige zählen Frankreich weiterhin zum absoluten Favoritenkreis. Allerdings gilt es den Weltmeisterfluch zu besiegen. Erstaunlicherweise ist es seit 2002 lediglich einem Titelträger (Brasilien) gelungen, die Vorrunde zu überstehen, 2010 (Italien), 2014 (Spanien) und 2018 (Deutschland) scheiterte der amtierende Weltmeister bereits nach den ersten drei Gruppenspielen. La France ist gewarnt - 2002 flogen sie nach zwei Niederlagen und einem Remis nach Hause.

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