Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Kuss für den Cup: Frankreichs Matchwinner Kylian Mbappe mag die neue Trophäe der Nations League.
+
Ein Kuss für den Cup: Frankreichs Matchwinner Kylian Mbappe mag die neue Trophäe der Nations League.

Nations League

Frankreich und die nächste Generation

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Mit dem Gewinn der Nations League untermauert Weltmeister Frankreich auch die Anwartschaft auf eine Titelverteidigung 2022 in Katar, denn das Reservoir an nachrückenden Talenten ist viel größer als in Deutschland

Der Präsident beließ es bei einem simplen Glückwunsch an die französische Fußball-Nationalmannschaft. „Les Bleus, tout simplement!“ twitterte Emanuel Macron. Die Blauen, ganz einfach! Wer sonst sollte die Nations League gewinnen, die am Sonntagabend den Weltmeister als zweiten Gewinner nach Portugal 2019 hervorbrachte. Staatsoberhaupt Macron unterhält einen engen Draht zum Nationaltrainer Didier Deschamps.

Vor der Europameisterschaft entstanden im Trainingszentrum in Clairefontaine fast rührige Bilder mit den Herrschaften, deren Wirken ja sehr von der Stimmung im Lande abhängt. Die Erleichterung Deschamps konnte im San Siro nach dem gewonnenen Finale gegen Spanien (2:1) jeder sehen. Der 52-Jährige hat in Mailand seinen persönlichen Befreiungsschlag geschafft, denn die Comeback-Qualitäten wie schon im Halbfinale gegen Belgien (3:2) verblüfften. Im lange etwas öden, weil taktisch geprägten Endspiel glückte erst dem 33 Jahre alten Karim Benzema ein wunderschönes Ausgleichstor, dann erzielte ausgerechnet der bei der Europameisterschaft noch zum Versager abgestempelte Kylian Mbappé nach einem Übersteiger den späten Siegtreffer für die Équipe Tricolore.

„Die Geschichte wird weiter geschrieben“, postete der 22-jährige Superstar danach zu einem Foto, auf dem er den Pokal küsste. Eigentlich stand Mbappé beim Pass von Theo Hernández, dem jüngeren Bruder des Bayern-Spielers Lucas Hernandez, klar im Abseits. Da jedoch Spaniens Eric Garcia den Ball noch per Grätsche berührte, zählte der Treffer laut Regelwerk.

Die Spanier konnten noch so sehr mit der Regelauslegung hadern – die Franzosen haben ein Ausrufezeichen für die WM 2022 in Katar gesetzt, die noch umstrittener als die besagte Abseitsregel ist. Frankreich ist über den Hauptstadtklub Paris St. Germain, (Noch)-Arbeitgeber für Mbappé, wie keine andere europäische Nation mit den katarischen Geldgebern verbandelt.

Die Hoffnung auf eine Titelverteidigung in der Wüste wird schlicht von der Qualität der französischen Spieler gespeist. Mit Aurelien Tchouameni, 21, oder eben Theo Hernandez, 24, standen frische Gesichter in der Startelf, überdies kam Dayot Upamecano, 22, noch vor der Pause. Deschamps ist also dabei, dem Weltmeister die „next generation“ zuzuführen, wobei er aus der verpatzten Europameisterschaft weiß, dass das sture Festhalten an den 2018er-Helden in die Sackgasse führen würde. Sein großer Vorteil ist, sich aus einem schier unerschöpflichen Reservoir an talentierten Jungspunden oder arrivierten Jungstars bedienen zu können.

Allein 32 Franzosen spielen in der Bundesliga, die eine ideale Bühne zur Marktwertsteigerung darstellt. Mit Benjamin Pavard, Lucas Hernandez, Corentin Tolisso, Kingsley Coman und Upamecano beschäftigt allein der FC Bayern fünf aktuelle Nationalspieler. Aus dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) schauen sie neidisch zu den Verbandskollegen im Nachbarland, die mit der zentralisierten Talentförderung beste Erfahrungen machen.

Das Konzept dahinter heißt „Pré-formation“. Die Talente erhalten eine Vorausbildung in dem Alter, in dem sie motorisch am meisten lernen können. Fünf Tage in der Woche bleiben sie in Clairefontaine, um zu trainieren und in die Schule zu gehen. Fast alle wittern in einem Waldstück ein ganzes Stück abseits von Paris die Chance ihres Lebens.

Der DFB weiß, dass dieses System wegen der zentralistischen Strukturen in Frankreich nicht auf das föderale System in Deutschland zu übertragen ist. Doch DFB-Direktor Oliver Bierhoff oder Akademieleiter Tobias Haupt hätten sich bei ihrem Projekt Zukunft ein ganz anderes Tempo für den deutschen Fußball gewünscht. Beide werden zwar nicht müde, die Dringlichkeit von Reformen anzumahnen, doch speziell die Landes- und Regionalverbände sperren sich gegen weitreichende Änderungen im Jugend- und Kinderfußball.

Am Sonntag hat der DFB nach der Präsidentenkonferenz in Hamburg wissen lassen, dass die offenen Fragen zwischen dem Projektteam und einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe mit den Geschäftsführern der Landesverbände behandelt werden sollen. Dann sollen Ende Oktober Entscheidungen fallen. Doch viel Zeit ist schon vergangen. Mittel- und langfristig wird das Nachwuchsproblem auch der Nationalmannschaft auf die Füße fallen, aber Bundestrainer Hansi Flick macht die komplexe Causa gar nicht zum Thema. Im Gegenteil: Flick stellte zuletzt in Hamburg lieber heraus, dass unter ihm Karim Adeyemi, Florian Wirtz und auch Jamal Musiala bereits fest zur A-Nationalmannschaft gehören. Keiner aus dem Talente-Trio hat das 20. Lebensjahr erreicht – ob sie aber wie Frankreichs Talente-Pool auch Titel gewinnen, dieser Beweis steht noch aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare