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Franck Ribery darf ganz normal weitertrainieren beim FC Bayern.

Bayern-Star

Franck Ribery kommt mit Geldstrafe davon

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Der einschlägig vorbelastete Franck Ribery schlägt auf vulgärste Art und Weise um sich, erhält aber vom FC Bayern nur eine "sehr hohe" Geldstrafe.

Der Fußballprofi Franck Ribery, der jetzt in den sogenannten Sozialen Medien so unflätig um sich getreten hat und dafür vom FC Bayern München mit „einer sehr hohen“ Geldstrafe bedacht wurde, ist vor einigen Jahren in einem Interview mit der „Welt“ gefragt worden, warum er sich die große Narbe in seinem Gesicht nicht habe entfernen lassen.

Er könne nicht ohne diese Narbe leben, hat er geantwortet, „dann wäre ich nicht mehr Franck Ribery“. Im Alter von zwei Jahren ist der kleine Franck bei einem Unfall im Auto seiner Eltern durch die Windschutzscheibe geflogen, er zog sich schwerste Schnittverletzungen zu, die ihn entstellten. Als „Narbengesicht“ ist er verspottet worden, er wurde gehänselt und ausgelacht damals in der Plattenbausiedlung von Boulogne-sur-Mer, ganz oben im Norden Frankreichs gelegen, groß geworden in einem sozialen Brennpunkt mit viel Arbeitslosigkeit und hoher Kriminalitätsrate. „Die Narben und die Sprüche darüber haben mich stark gemacht und meinen Charakter geformt.“

Die Geschichte von Franck Ribery, der mit 15 Jahren zum Islam konvertierte, ist die klassische Geschichte eines Aufsteigers, eines Emporkömmlings, der sich aus einfachsten Verhältnissen nach oben geboxt hat und mittlerweile sehr reich geworden ist. Im Jahr überweisen ihm die Bayern, wo er seit 2007 spielt und für die er in 409 Spielen 122 Tore erzielt hat, geschätzte zwölf Millionen Euro, eine Million im Monat, brutto.

Früh gelernt, brutal die Ellenbogen auszufahren

Nicht schlecht für einen, der mit zehn Jahren aus dem Sportinternat des OSC Lille wegen mangelnder schulischer Leistungen geflogen ist und der mit 19 für ein paar Monate mit seinem Vater Francois auf dem Bau gearbeitet und schwere Steinplatten geschleppt hat. Da lernt man das Kämpfen, da lernt man, die Ellenbogen auszufahren, sich zu nehmen, was einem nicht in die Wiege gelegt wurde. Aber Franck Ribery konnte etwas, nämlich besser Fußball spielen als alle anderen, erst bei Olympique Marseille, dann legten die Bayern 25 Millionen Euro auf den Tisch.

Franck Ribery avancierte zum Star, zu einem der besten Flügelspieler Europas, er wurde Vize-Weltmeister mit Frankreich 2006, Klub-Weltmeister, Champions League-Sieger, Europas Fußballer des Jahres, 81facher Nationalspieler, mehrfacher Deutscher Meister - aber all dieser Ruhm, so sagte er einmal, „hat mich nicht verändert, ich bin der Gleiche geblieben.“ Der gleiche „Froonck“ aus Boulogne-sur-Mer, der sich den Weg nach oben erkämpft hat, der gleiche jähzornige, emotionale, leicht aufbrausende Mann, der eben ein liebenswerter, hilfsbereiter Kollege sein kann und im nächsten Moment Mitspieler Arjen Robben in der Halbzeitpause ins Gesicht schlägt oder auf dem Platz Gegenspieler Gonzalo Castro den Finger ins Auge sticht. Und diese beiden Riberys gibt es weiterhin, immer wieder, selbst im Alter von mittlerweile 35 Jahren, holt ihn die Vergangenheit ein. Er hat sich dann nicht mehr in der Gewalt, ist nicht mehr zu kontrollieren, verliert die Nerven. „Du kannst den Jungen aus dem Ghetto holen, aber nicht das Ghetto aus dem Jungen“ - heißt es treffend in der Biografie über Zlatan Ibrahimovic, ein Bruder im Geist.

Ribery genehmigt sich mit Blattgold verziertes Ribeye-Steak  

Die jetzige vulgäre Entgleisung ist ja wahrlich nicht ein Einzelfall, sie ist nur besonders derb. „Lass uns beginnen mit den Neidern, den Hassern, die sicher durch ein löchriges Kondom entstanden sind. F... eure Mütter, eure Großmütter und sogar euren Stammbaum“, wütete Ribery auf Französisch auf seinen Social-Media-Kanälen. Anlass des verbalen Tiefschlags war die Kritik, vornehmlich aus Frankreich kommend, über ein Video, das den Fußballer in seinem Urlaubsort in Dubai mit einem riesigen, mit essbarem Blattgold verzierten Ribeye-Steak zeigte. Das Video wurde im hochpreisigen Restaurant Nusr-Et aufgenommen, dessen Besitzer Nusret Gökce nicht nur weitere Steakhäuser in aller Welt hat, sondern auch dafür bekannt ist, sich, sein Fleisch und möglichst prominente Esser beim Servieren und Filitieren zu filmen und diese Filmchen im Internet zu zeigen. Mehr als 18 Millionen Follower soll der kurdische Metzgermeister haben, kein Wunder, schon Superstars wie Messi, Ronaldo, Pogba, Lewandowski und sogar Fifa-Chef Infantino haben sich beim „Tanz ums Goldene Kalb“ (Süddeutsche Zeitung) gutgehen (und aufnehmen) lassen. Dazu streut „SaltBae“, wie sich Gökce sehr machohaft mit schwarzer Sonnenbrille und hautengem weißem T-Shirt nennt, auf ganz spezielle Art Salz hinzu.

Diese - dekadente - Art der Essensaufnahme hat die Antipathie zwischen Ribéry und seiner Heimat neu entfacht. Ohnehin halten die Franzosen den 35-Jährigen für einen ausgemachten Proleten, seit dem Streik bei der WM 2010 in Südafrika, dessen Rädelsführer er war, und einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen strafen sie ihn mit Verachtung. Das macht den Mann zuweilen fuchsteufelswild, zuletzt hatte er im vergangenen November einen französischen TV-Journalisten geohrfeigt, jetzt schreibt der Heißsporn von „Pseudo-Journalisten, die mich immer negativ kritisiert haben“. Und weiter ätzt er öffentlich: „Ich schulde euch nichts. Mein Erfolg habe ich Gott zu verdanken, mir und meinen Nächsten, die an mich glauben. Für die anderen, ihr wart nur Kieselsteine in meinen Socken.“ Da wollte auch Riberys Frau Wahiba nicht zurückstehene: „Armes Frankreich, dass es so viele Idioten und Arschlöcher gibt“, schrieb sie bei Instagram.

Die Bayern, die ausweislich ihrer berühmt gewordenen Pressekonferenz Wert auf Würde und Anstand legen, zeigten freilich Verständnis für die Reaktion. In Kommentaren seien Ribery und seine schwangere Frau „aufs Übelste beleidigt“ worden, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic in Doha. Ribery habe sich „vor seine Familie gestellt und gewehrt“, dazu, „hat er auch jedes Recht“. Allerdings: „Leider ist ihm das total entgleist.“ Ribery habe „Worte benutzt, die wir als FC Bayern München nicht akzeptieren können.“ Die „sehr hohe Geldstrafe“ habe der Spieler akzeptiert. Die höchste Geldstrafe in der Geschichte der Bayern hatte Philipp Lahm aufgebrummt bekommen, 50 000 Euro hatte er nach Kritik an der Vereinspolitik einst zahlen müssen.

Am Sonntag trainierte Franck Ribery wie immer. (mit dpa/sid) 

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