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Auf und davon: Daniel Ginczek enteilt den Nürnbergern Georg Margreitter und Robert Bauer (rechts).

Nürnberg - Wolfsburg

Fränkische Tristesse

Es gibt gerade wenig, das dem 1. FC Nürnberg im Kampf um den Klassenerhalt Hoffnung macht. Der VfL Wolfsburg dagegen scheint in Topform.

Da stand er nun und erklärte. Über zehn Minuten lang suchte Trainer Michael Köllner nach Argumenten, warum der 1. FC Nürnberg trotz seiner inzwischen neun Spiele anhaltenden Negativserie bundesligatauglich ist. Richtig überzeugend klang er nicht bei seinem Vortrag. „Fußball ist ein Ergebnissport, das wissen wir alle. Irgendwann bist du gezwungen, zu punkten“, sagte der 48-Jährige. Nur ist das Wie eben die große Frage. 

Dürftige elf Pünktchen hat der Aufsteiger nach 15 Spielen gesammelt und ist seit Samstag Tabellenvorletzter, die Nürnberger leisteten sich zu viele defensive Aussetzer und hatten offensiv nicht die nötige Durchschlagskraft. Am Freitagabend beim 0:2 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg ging kein Schuss der Franken wirklich auf das Tor von VfL-Keeper Koen Casteels. Bei allem Eifer, den die Franken auch diesmal an den Tag legten, das wird nicht reichen.

„Wir hatten leider nicht die Brutalität, um am Ende die Möglichkeiten zu nutzen. Den Vorwurf müssen wir uns machen“, sagte Köllner. „Wir waren vorne über weite Strecken einfach zu harmlos und haben viel zu naiv verteidigt“, stellte der Nürnberger Außenverteidiger Tim Leibold in aller Deutlichkeit fest, und brachte die missliche Lage schließlich auf den Punkt: „So wird es enorm schwer, die Liga zu halten.“ 

Vor Weihnachten reist Nürnberg noch zur Heimmacht Borussia Mönchengladbach (Dienstag, 18.30 Uhr) und empfängt den SC Freiburg am 22. Dezember. Es ist durchaus denkbar, dass der stolze Traditionsverein und neunmalige Deutsche Meister danach Tabellenletzter ist. „Es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir müssen schauen, dass wir die letzten beiden Spiele positiv angehen“, sagte Leibold. Doch wie lange werden einzelne Spielaspekte noch genügen, sich tatsächlich nicht unterkriegen zu lassen?

Ginczek will nach oben

Köllner wollte den – aus seiner Sicht – guten Gesamteindruck herausstellen. Der Coach hofft, dass dies zum Standard wird. „Wir haben ganz, ganz viel Aufwand betrieben. Die Mannschaft hat ein sehr, sehr gutes Gesicht gezeigt. Vielleicht gelingt uns in Gladbach eine faustdicke Überraschung“, sagte er. Es passte irgendwie ins Bild, dass der ehemalige Nürnberger Torjäger Daniel Ginczek die Wolfsburger nach 58 Minuten auf die Siegerstraße brachte. Ginczek führte vor Augen, dass der Club auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder wirklich gute Spieler bei sich hatte, diese mit seinen bescheidenen finanziellen Mitteln aber nie halten konnte. Ginczek freute sich aus Respekt vor seinem früheren Verein nur „innerlich“ über sein fünftes Saisontor, wie er sagte.

Dank Ginczek und des Treffers von Josip Brekalo in der Nachspielzeit verstärkte die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia ihren Trend und näherte sich dem oberen Tabellendrittel an. Zehn Punkte aus den letzten vier Spielen - nicht immer besonders schön, dafür aber äußerst effektiv herausgespielt - sind wahrlich ein Pfund. Vor Weihnachten duelliert sich der VfL noch mit dem VfB Stuttgart und dem FC Augsburg. 

Geht da mehr? „Nach oben ist alles möglich, wir setzen uns keine Grenzen“, sagte Ginczek: „Ich freue mich auf Dienstag“. Im Heimspiel gegen seinen Ex-Klub aus Stuttgart will Ginczek den Lauf fortsetzen: „Es ist noch kein Urlaub. Es sind noch sechs Punkte zu vergeben. Die wollen wir auch mitnehmen.“ Dann würde der Beinahe-Absteiger der letzten zwei Jahre als Anwärter auf einen internationalen Startplatz in die Rückrunde starten. (sid/dpa)

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