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Glänzend in Schuss: Der Düsseldorfer Aymen Barkok (links), hier bei einem Testspiel gegen Rayo Vallecano.

Bundesliga-Serie

Fortuna Düsseldorf: Träumen verboten!

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Fortuna Düsseldorf will sich in der Bundesliga stabilisieren, hat aber Qualität in der Offensive verloren. Eintracht-Leihspieler Aymen Barkok bekommt größere Rolle.

Für Friedhelm Funkel war die vergangene Saison „das schönste Jahr meiner langen Karriere.“ Und das aus dem Munde eines Mannes, der 522 Spiele als Aktiver auf dem Platz und 874 Spiele als Trainer an der Seitenlinie stand. Die Spielzeit 2018/2019 war für den 65-jährigen Übungsleiter von Fortuna Düsseldorf mehr als aufwühlend. Niemand traute seiner Mannschaft den Klassenerhalt zu, es setzte herbe Klatschen wie das 1:7 gegen Eintracht Frankfurt. Und dann gab es ja auch noch einen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, der im Winter die Vertragsgespräche mit Funkel vertagen wollte - mit dem Hintergedanken den verdienten Aufstiegs-Coach zu entlassen. Ein Aufstand der Fans und eine 180-Grad-Drehung später wurde Funkels Vertrag bis 2020 verlängert. Robert Schäfer hingegen musste im April den Klub verlassen, die Fortuna landete auf Rang zehn. „Es soll bloß keiner von Platz zehn träumen“, sagt Funkel nun vor der zweiten Saison in Folge im Fußball-Oberhaus. Für die 95er geht es darum, sich zu stabilisieren.

Wie ist die Stimmung?
Es gibt Ärger. Bevor die Fortuna das erste Mal in der Bundesliga auf heimischem Rasen antritt werden dort schon vier Partien absolviert sein – von Drittligist KFC Uerdingen. Das Düsseldorfer Stadion ist das Ausweichquartier der Krefelder, deren Heimstätte umgebaut wird. „Wir machen das notgedrungen mit“, sagt Thomas Röttgermann. Im Verein herrscht nach dem Abgang von Schäfer hingegen Aufbruchstimmung. „Die ganze Kommunikation war auf Schäfer zugeschnitten. Das kann man so machen – muss man aber nicht. Ich bin der Meinung, dass man die Aufgaben auf mehrere starke Schultern verteilen muss“, beschreibt Röttgermann, der vorher Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg war, die neue Vertrauenskultur. Vertrauen hat Funkel inzwischen auch zu Lutz Pfannenstiel aufgebaut, der ihm als Sportchef vor die Nase gesetzt wurde. Mit Robert Schäfer hingegen will er nie wieder etwas zu tun haben.

Wie stark ist der Kader?
Die Fortuna hat zwei ihrer absoluten Leistungsträger verloren. Die Stürmer Dodi Lukebakio und Benito Raman, beide mit je zehn Treffern erfolgreichste Torschützen, haben den Klub verlassen. Dazu fehlt Regisseur Kevin Stöger mit einem Kreuzbandriss noch bis zum Auftakt der Rückrunde. Der polnische U21-Nationalmannschaftskapitän Dawid Kownacki (22) konnte hingegen für ein weiteres Jahr von Sampdoria Genua ausgeliehen werden und gilt in seiner Heimat als der nächste Robert Lewandowski. In der Rückrunde erzielte er in zehn Spielen immerhin vier Treffer. Im Mittelfeld wurden flinke und entwicklungsfähige Spieler geholt: Kelvin Ofori (18) Bernard Tekpetey (21), Nana Ampomah (23), Erik Thommy (24) und Lewis Baker (24). „Bisher konnten wir unsere A-Lösungen verpflichten“, sagt Pfannenstiel. Dazu gehört auch der US-amerikanische Nationalmannschaftskeeper Zack Steffen, der von Manchester City ausgeliehen wurde und direkt die Nummer eins wird, weil Michael Rensing wegen einer Schulteroperation monatelang ausfällt.

Worauf steht der Trainer?
Friedhelm Funkel setzt auch in der kommenden Saison auf das Rotationsprinzip. „Ich muss erkennen, wann ein Spieler der Mannschaft helfen kann – wann er so weit ist, die taktischen Vorgaben umzusetzen“, sagt er. In der abgelaufenen Spielzeit wechselte er seine taktischen Ausrichtungen immer wieder. Ob 3-5-2, ein 4-4-2 mit Doppelsechs oder Raute, ein 4-1-4-1, ein 4-3-3 oder ein 5-3-2: Funkels Mannen haben alles schon mal gespielt in der abgelaufenen Saison. Wichtigstes Element im Angriffsspiel: Die Umschaltmomente mit den pfeilschnellen Stürmern Lukebakio und Raman, beide allerdings nicht mehr da. In der kommenden Spielzeit wird Funkel auch deshalb vor allem auf die Geschwindigkeit auf den Außenpositionen und auf mehr spielerische Kreativität in der Zentrale setzen. Funkels wichtigste Eigenschaften: Erfahrung, Ruhe und Glaubwürdigkeit. „Er hat die Kabine im Griff und seine väterlich sympathische Autorität ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Pfannenstiel.

Woran hapert’s noch?
„Wir brauchen einfach einen neuen Innenverteidiger. Ich hoffe, dass er in den nächsten Tagen endlich kommt“, sagte Funkel kürzlich. Aktuell hat er nur drei gestandene Innenverteidiger zur Verfügung: Kaan Ayhan, André Hoffmann und Robin Bormuth. Zu wenig, um in der Bundesliga mitzuhalten. Zumal fraglich ist, ob Ayhan bleibt. Der türkische Nationalspieler hat wohl andere Angebote vorliegen. Außerdem ist Pfannenstiel noch dabei den Kader zu verschlanken. „Bei uns wird keiner vom Hof gejagt. Aber wir wollen mit den Spielern Lösungen finden, die es bei der Fortuna sportlich nicht mehr packen.“

Wer sticht heraus?
Im Sturmzentrum natürlich Dawid Kownacki, doch hinter ihm soll Aymen Barkok eine größere Rolle bekommen. In seinem zweiten Jahr bei der Fortuna will der Leihspieler von Eintracht Frankfurt den Durchbruch schaffen. „Er muss jetzt zum Mann werden“, fordert Funkel, der dem 20-Jährigen in der Zentrale die Rolle von Stöger zutraut. Barkok hat sich auch selbst viel vorgenommen, hatte beim Laktaktest Bestwerte. „Ich war mit ein paar Fußballkollegen auf Mallorca. Wir haben ein Trainingscamp gemacht, Kraft, Ausdauer trainiert – und ein bisschen gekickt. Wir hatten sogar einen Athletiktrainer und einen Physio dabei.“ Vorbildlich.

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Im Stabilisierungsjahr geht es vor allem darum, keine verrückten Dinge zu machen und das Gehaltsgefüge nicht zu sprengen. Die 13 Millionen Euro, die Schalke 04 für Benito Raman bezahlt hat, wird in die Breite des Kaders reinvestiert. Das zweite Jahr Bundesliga-TV-Geld tut sein Übriges, um Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Aber: „Wir müssen uns Sachen ausdenken und Spieler kontaktieren, die nicht jeder auf der Liste hat beziehungsweise die man normalerweise nicht bekommt“, erklärt Pfannenstiel. „Dabei müssen wir einfach andere Wege gehen, viel über Netzwerke arbeiten – und so die Spieler herausfiltern, die von der Finanzierbarkeit auf den ersten Blick vielleicht illusorisch erscheinen, dann aber Konstrukte finden, um sie trotzdem zu bekommen.“ Kreativität ist gefragt.

Was ist drin?
Die Fortuna präsentierte sich vergangene Saison trotz aller Störfeuer als verschworene Einheit auf dem Rasen. „Am Ende haben wir nur ein Ziel, und das ist Platz 15“, sagt Pfannenstiel. Die FR tippt: Es wird nur für den Relegationsplatz reichen.

Zu- und Abgänge bei Fortuna Düsseldorf

Zugänge:  Markus Suttner (Brighton Hove & Albion, nach Leihe fest verpflichtet),Lewis Baker (FC Chelsea), Nana Ampomah (Waasland-Beveren), Erik Thommy (VfB Stuttgart, Leihe mit Kaufoption), Zack Steffen (Manchester City, Leihe), Bernard Tekpetey (FC Schalke 04, Leihe), Dawid Kownacki (Sampdoria Genua, Leihe), Florian Kastenmeier (VfB Stuttgart II), Jannick Theißen (Fortuna Düsseldorf II), Thomas Pledl (FC Ingolstadt), Johannes Bühler (VfR Aalen, Leihe beendet), Kelvin Ofori (Right to Dream Academy).

Abgänge:  Havard Nielsen (SpVgg Greuther Fürth, war an den MSV Duisburg ausgeliehen), Benito Raman (FC Schalke 04), Emmanuel Iyoha (Holstein Kiel, Leihe, war zuvor an Erzgebirge Aue verliehen), Gökhan Gül (SV Wehen Wiesbaden, Leihe verlängert) Kianz Froese (unbekannt), Marcin Kaminski (VfB Stuttgart, Leihe beendet), Dodi Lukebakio (FC Watford, Leihe beendet), Markus Suttner (Brighton & Hove Albion, Leihe beendet), Takashi Usami (FC Augsburg, Leihe beendet)

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