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GP von Frankreich: Der nächste Tiefschlag für Sebastian Vettel.

Formel 1

GP von Frankreich: Sebastian Vettel nur Mitfahrer

Einen „wunderbaren Tag in Südfrankreich“ hatte mal wieder nur Lewis Hamilton, Sebastian Vettel war wie so oft als Krisenmanager gefragt.

Alles wie fast immer. Sebastian Vettel mühte sich wacker, wie immer nach Niederlagen Zuversicht zu verbreiten. Doch nach dem nächsten Tiefschlag mit Platz fünf beim Großen Preis von Frankreich wirkte auch der seit knapp zehn Monaten sieglose Heppenheimer ziemlich hoffnungslos – die WM scheint schon früh in der Saison für ihn gelaufen zu sein.

„Es ist nicht so, als würden wir es nicht versuchen. Das Rennen war okay, mehr war nicht drin“, sagte Vettel nach dem Start-Ziel-Sieg des nicht nur für ihn unantastbaren Hamilton. Genervt führte der 31-Jährige bei RTL aus: „Die schlechte Nachricht ist, dass wir im Vergleich zu Mercedes keinen Schritt nach vorne machen konnten, die neuen Teile haben nicht wirklich was gebracht.“

Bei der Hamilton-Show in Le Castellet war der viermalige Formel-1-Weltmeister nicht einmal mehr Nebendarsteller auf dem Podium, sondern nur ein Statist, der „ein ziemlich einsames Rennen“ hatte: Von hinten drohte dem frisch verheirateten Hessen keine Gefahr, doch um die vorderen Plätze fuhren nach seinem Zwischenhoch von Montreal andere.

„Die Startposition war ein Problem. Wäre ich weiter vorne losgefahren, wäre ich auch weiter vorne gelandet“, beschwichtigte der nur von Platz sieben gestartete Vettel, der zum zweiten Mal in dieser Saison seinem jungen Stallrivalen Charles Leclerc auf Rang drei den Vortritt lassen musste.

Die Scuderia war nach dem kurzen Aufschwung von Montreal allerdings trotz zahlreicher neuer Teile wieder nur ein Sparringspartner für die Silberpfeile, die den 50. Doppelsieg ihrer Geschichte feierten, 2019 weiter ungeschlagen sind und mit ihrem saisonübergreifend zehnten Sieg in Folge ihren Teamrekord aus dem Jahr 2016 einstellten.

Hamilton dreht einsam seine Runden

Hamilton, der den Medientag am Donnerstag geschwänzt hatte, setzte dabei auch im Teamduell mit seinem einzigen ernsthaften Verfolger Valtteri Bottas ein Zeichen: Er distanzierte den Finnen sowie Leclerc in einem eintönigen Rennen mühelos und stürmt nach seinem 79. Grand-Prix-Erfolg und dem vierten in Folge seinem sechsten WM-Titel entgegen.

„Das war ein phänomenales Wochenende“, sagte Hamilton: „Ich musste den Motor und die Reifen schonen. Aber das ist der bestmögliche Start ins Jahr.“ Der 34-jährige Brite führt im Gesamtklassement mit 187 Punkten vor Bottas (151), während Vettel als Dritter mit 111 Punkten sich eher nach hinten orientieren muss.

Der Emmericher Nico Hülkenberg im Renault kam beim Heimspiel seines Rennstalls nicht über Rang neun hinaus. Auch Renault hatte zahlreiche neue Komponenten nach Le Castellet mitgebracht, die nicht den erhofften Vorteil brachten.

Die Vorzeichen für Vettel standen nach dem verpatzten Qualifying von Anfang an nicht gut. Erst in der fünften Runde überholte er den britischen Rookie Lando Norris im McLaren und übernahm Rang sechs. Zwei Runden später war dessen spanischer Teamkollege Carlos Sainz jr. an der Reihe.

Vorne drehte Hamilton einsam seine Runden. Der Pole-Setter beklagte zwischenzeitlich zwar, dass sein Sitz beschädigt sei, dessen ungeachtet fuhr der Brite bei seinem zweiten Frankreich-Sieg nach dem Comeback des Rennens im Vorjahr eine Top-Runde nach der anderen.

Allmählich muss man die Frage stellen, ob Mercedes zumindest in einem einzelnen Rennen zu schlagen ist – beziehungsweise ob dies Ferrari nach der verpassten Chance von Montreal noch einmal auf der Strecke gelingen kann. Am Freitag war Ferraris Bemühen abgeschmettert worden, den Sieg vom vorherigen Rennen in Kanada am Grünen Tisch zu erringen. „Das ist enttäuschend“, hatte Vettel nach der endgültigen Aufrechterhaltung der Fünf-Sekunden-Strafe gegen ihn erklärt. Auch Scuderia-Teamchef Mattia Binotto zeigte sich „enttäuscht für Ferrari, seine Fans und den Sport.“

Die Rennkommissare aus Montreal waren bei einer eigens einberufenen Sitzung in Le Castellet zu dem Schluss gekommen, dass das von der Scuderia eingebrachte neue Beweismaterial „keine signifikanten und relevanten neuen Elemente“ zutage fördere. Damit bleibt Hamilton endgültig der Kanada-Sieger vor Vettel, der vor ihm das Ziel erreicht hatte. (sid)

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