+
Wer darf künftig hier sein Auto hinstellen? Der Parkplatz an der Otto-Fleck-Schneise 6 in Frankfurt ist derzeit unbesetzt.

DFB-Präsident gesucht

Der Schleudersitz beim DFB ist wieder frei - Wer folgt auf Grindel?

  • schließen

Die schwierige Suche des Deutschen Fußball-Bundes geht in die entscheidende Phase.

Am vergangenen Sonntag hat Reinhard Grindel als Ehrengast das 150. deutsche Galoppderby in Hamburg verfolgt. Ihm gehe es gut, hat der am 2. April zurückgetretene Ex-DFB-Präsident einem Reporter des „Hamburger Abendblatt“ gesagt, er kümmere sich jetzt mehr um die Familie, „das ist in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen“. 

Wer den 57-Jährigen kennt, der ahnt, dass das mit der zu kurz gekommenen Familie zwar stimmt, dass es dem Norddeutschen aus Rotenburg an der Wümme aber bestimmt nicht gutgeht. Grindel war es gewohnt, Tag und Nacht unterwegs zu sein, er hatte allen beweisen wollen, dass er omnipräsent sein kann und zu allen Themen des nationalen und internationalen Fußballs über vertiefte Einblicke verfügt – von den Profis bis hinunter zu den Amateuren. Irgendwann hat der überaus fleißige und ungeduldige Mann dabei Übersicht und Maß verloren.

DFB wählt am 27. September - nur wen?

Das soll seiner Nachfolgerin respektive seinem Nachfolger nicht passieren. Die Wahl findet am 27. September in Frankfurt statt, namentlich vorgestellt werden soll die/der Neue am 21. August in Berlin im Rahmen der alle drei Jahre stattfindenden Generalversammlung der Bundesliga, an die diesmal ausnahmsweise eine Sitzung der 21 Landesverbände angeschlossen ist.

Beim Deutschen Fußball-Bund haben sie alle miteinander erkannt, dass die vierte vorzeitige Präsidentendämmerung nach Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach nicht nur mit dem Zuschnitt der (völlig unterschiedlichen) Persönlichkeiten, sondern vor allem auch mit dem Zuschnitt des Amtes zu tun hat. Ergo: Irgendetwas muss in der Vergangenheit bei der Stellenbeschreibung und der Suche falsch gelaufen sein. In Paragraf 34 der DFB-Satzung heißt es, dem Präsidenten obliege „die Gesamtverantwortung und die Richtlinienkompetenz“. Weil das offenbar zu viel ist für eine Person, soll der Passus raus aus der Satzung und die „Ära als Tausendsassa“ (dpa) beendet werden. Ziel ist es also, die neue Frau/den neuen Mann nicht mit zu viel Arbeit zuzuschütten und dort einzusetzen, wo sie/er die größten Kompetenzen vorweist. Um einen Vergleich aus der Politik zu bemühen: Es geht nicht um die DFB-Kanzlerschaft, sondern wahrlich ums Präsidiale, mehr Steinmeier, weniger Merkel.

Grindel diskutiert im TV über den Videobeweis

Grindel beispielsweise hatte sich öffentlich im Fußball-TV-Stammtisch dezidiert verwirrend zum Videobeweis geäußert und zudem aktiv dafür gesorgt, dass Ex-Fifa-Referee Wolfgang Stark nicht mehr in erster Reihe der Videoassistenten sitzt. Derlei mediale Einlassungen und operative Entscheidungen sollten aber eigentlich nicht zum Geschäftsbereich eines strategisch denkenden Verbandschefs gehören. Sie/Er soll vielmehr die großen Linien vorgeben und dafür sorgen, dass der leidgeprüfte Verband in ruhigem Fahrwasser schippert. Weiterhin erwartet werden Fußballsachverstand und Wirtschaftskompetenz. Empathie und ein soziales Gewissen wären auch nicht schlecht. Und eine Frau, das wäre was.

Lesen Sie auch: Reinhard Grindel bricht Interview ab

Parallel dazu baut der DFB seinen Verband um – in einen gemeinnützigen eingetragen Verein (e. V.) für die guten Zwecke (allein 43 Millionen Euro werden alljährlich für ideelle Zwecke ausgegeben) und eine per Pachtvertrag mit dem e. V. verbundene GmbH zur Abwicklung der großen Deals. Zur Einordnung: Zusammen kommen e. V. und GmbH’s mit ihren fast 500 Mitarbeitern auf einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro, knapp weniger als Borussia Dortmund. Den neuen Boss der GmbH dürfte der nahezu allseits anerkannte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius als Geschäftsführer übernehmen, Oliver Bierhoff macht den Job als Geschäftsführer Sport, auch das steht praktisch fest.

Die Suche nach einem neuen Präsidenten beim DFB soll professioneller laufen

Nachdem man in der Vergangenheit unter Obhut des Präsidiums auf Nachfolgesuche ging und dabei stets in den eigenen Reihen fündig wurde (logisch, denn woanders wurde ja gar nicht erst geschaut), ist der Findungsprozess diesmal professionalisiert worden. Zunächst suchte der DFB per Ausschreibung nach einem Headhunter und fand die Unternehmensberatung Egon Zehnder. Wie zu hören ist, machen die Personalfachleute einen guten Job, haben die Long List mit vielen Namen zu einer Short List mit wenigen Namen zusammengestrichen, die in diesen Tagen gefragt werden, ob sie sich so eine schwierige Aufgabe zutrauen würden. Begleitet werden die Headhunter von einer Findungskommission, die sich aus den nachgewiesen ehrenwerten Funktionären Rainer Koch, Reinhard Rauball, Stephan Osnabrügge, Ronny Zimmermann, Christian Seifert und Peter Peters zusammensetzt.

Man darf gespannt sein, wer aus der Wundertüte am Ende herausgekrabbelt kommt. Die Zeit drängt, sie drängt sogar so sehr, dass der DFB die Frist zur Nominierung per „Änderung in der Geschäftsordnung Umlaufverfahren“ durch den Vorstand vom 1. August auf Ende August verschoben hat. Der DFB lässt, so gut es geht, nichts raus, Initiativ-Bewerbungen sind dem Vernehmen nach eingegangen und werden geprüft, einige Absagen hat es auch schon gegeben. Ex-Adidas-Boss Herbert Hainer, den sie sich beim DFB gut an höchster Stelle hätten vorstellen können, ebenso wie den ehemaligen Aufsichtsratschef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, der jedoch kurz vor der Wahl bereits 75 Jahre wird und damit laut Satzung zu alt ist. Nach Auskunft des „Spiegel“ hat auch Ex-Innenminister Thomas de Maizière, ein alter Freund des DFB, kein gesteigertes Interesse, ebenso wenig wie Ligaboss Christian Seifert, Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder, der gerade seine Trainerlizenz bastelt, oder der Bremer Aufsichtsratschef Marco Bode, wie Metzelder sozial und fachlich hochkompetent. Das ist auch Katja Kraus, 48, Ex-Nationaltorhüterin ehemals im HSV-Vorstand, geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketingagentur Jung von Matt/Sports sowie Mitglied des Adidas-Aufsichtsrats – eine Frau, die viele der Anforderungsprofile erfüllen dürfte.

Kommentar: Der DFB, Ilkay Gündogan, Fußball und Politik - Die Wirklichkeit kickt immer mit

Wer auch immer es wird – sie oder er soll künftig ehrlich entlohnt werden und nicht über Umwege hintenrum kassieren müssen, um die Aufgabe ehren- und kraftvoll absolvieren zu können. Und: Die internationalen Aufgaben bei Fifa und Uefa, die der DFB mit dem Rücktritt von Grindel allesamt verloren hat, sollen andere übernehmen. Das Problem: Die großen internationalen Verbände nehmen nicht jeden Kandidaten aus der zweiten Reihe. Einige ehrgeizige DFB-Männer haben sich bereits erfolglos bei Uefa und Fifa vorgestellt. Auch das könnte noch kompliziert werden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar: Reinhard Grindel kritisiert Mesut Özil

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion