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Gibt weiter die Richtung vor in Leverkusen: Heiko Herrlich.

Bayer Leverkusen

Fokussiert wie ein Neandertaler

Der Bayer-Coach Heiko Herrlich gibt sich vor Duell der Enttäuschten angriffslustig.

Heiko Herrlich ging weit zurück in der Menschheitsgeschichte, als er Einblicke in sein Seelenleben gewährte. „Ein Neandertaler geht morgens raus aus der Höhle zum Jagen und blendet alle Gefahren und Unwägbarkeiten aus. Sonst könnte er nicht rausgehen. Ähnlich ist es für einen Trainer“, kommentierte der Coach von Bayer Leverkusen die jüngsten Spekulationen um seine Ablösung beim ambitionierten Werksklub.

„Sieben Punkte können wir nicht mehr holen bis zur Winterpause, das ist rechnerisch nicht möglich“, führte der 47-Jährige vor dem Bundesliga-Duell beim ebenfalls kriselnden Vizemeister Schalke 04 am Mittwoch (18.30 Uhr) und mit Blick auf den Hinrundenabschluss gegen Hertha BSC am Samstag mit einem Anflug von Sarkasmus aus.

Das Fachmagazin „Kicker“ hatte am Montag berichtet, die Bayer-Führung um Sport-Geschäftsführer Rudi Völler habe bereits beim früheren Dortmunder Coach Peter Bosz sowie Marco Rose von Red Bull Salzburg vorgefühlt. Der Niederländer Bosz war schon im Sommer 2017 ein heißer Kandidat bei Bayer. Borussia Dortmund war entschlossener bei der Verpflichtung, Leverkusen holte anschließend Herrlich, der kurz zuvor Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga geführt hatte.

Was den Umgang mit Negativschlagzeilen um seine Person angeht, ist Herrlich bei Bayer durch ein Stahlbad gegangen. Bereits bei seiner Installation galt der Ex-Nationalspieler als Notnagel. Wenn in der Folge die Ergebnisse nicht stimmten, wurde der beim VfL Bochum (2009/10) im Oberhaus gescheiterte Coach schnell angezählt. Die Vereinsspitze um Ex-Weltmeister Völler stellte sich aber immer wieder vor den Coach.

Zunächst mit Erfolg: Im vergangenen Mai wurde die Qualifikation für die Champions League nur um läppische vier Tore verpasst. In der laufenden Saison gelang der Gruppensieg in der Europa League. Aber: Auf nationaler Ebene lief wenig zusammen.

Die hochveranlagte Mannschaft mit international gejagten Toptalenten wie Kai Havertz (19) und Julian Brandt (22) holte nur 18 Punkte aus 15 Spielen. „Immer wenn wir den Anschluss mit einem Erfolg herstellen können, gibt es einen Rückschlag“, haderte Torwart Lukas Hradecky nach dem jüngsten 1:2 bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt: „Das zieht sich wie ein Virus durch die Saison.“

Gerne gegen Schalke

Zumindest wartet in Schalke nun eine Art Lieblingsgegner auf die Rheinländer: In Gelsenkirchen ist Bayer seit vier Spielen ungeschlagen (drei Siege), nur 18 der 68 Liga-Vergleiche gingen verloren. Verzichten muss Bayer beim Tabellen-13. laut Herrlich allerdings „höchstwahrscheinlich“ auf Kapitän Lars Bender (Oberschenkelbeschwerden).

Deutlich fester im Sattel als Herrlich sitzt Domenico Tedesco bei Schalke, obwohl die Königsblauen sogar drei Zähler weniger auf dem Konto haben als Bayer. Der 33 Jahre alte Coach muss sich mit einem Kader, der personell auf dem Zahnfleisch geht, in die Winterpause retten. Besonders die Offensive lahmt: In Guido Burgstaller (Sehnenverletzung), Franco Di Santo (Patellasehnenreizung), Breel Embolo (Mittelfußbruch) und Nationalspieler Mark Uth (Aufbautraining) fehlen die vier prominentesten Angreifer.  (sid)

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