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Emotionaler Achtelfinaleinzug: Franco Foda lässt sich feiern.
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Emotionaler Achtelfinaleinzug: Franco Foda lässt sich feiern.

Österreichs Trainer im Fokus

Fodas Spiel mit der Kindheit

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Mit dem Achtelfinale gegen Italien schließt sich für Österreichs deutschen Trainer ein Teil seiner Familiengeschichte – doch die Erfolgschancen sind sehr schmal

Es ist eine Weile her, als Franco Foda mal darauf angesprochen worden ist, wo bei ihm denn noch der Italiener durchkomme. Das gelte vielleicht fürs Modebewusstsein, sagte er, und mitunter auch bei der Emotionalität. Nur eines sei auch klar: „Der Großteil ist deutsch, was Ordnung, Disziplin und Arbeit betrifft.“ Es ist eine fast rührige Geschichte dieser Europameisterschaft, dass der erste deutsche Teamchef Österreichs, der über seinen aus Venedig stammenden Vater italienische Wurzeln besitzt, nun im Achtelfinale auf Italien (Samstag 21 Uhr/ZDF) trifft.

Für den zweimal unter Franz Beckenbauer 1987 bei einer Südamerika-Tour in der deutschen Nationalmannschaft eingesetzten Abwehrspieler Foda ist es die Krönung seiner Trainerkarriere: Ein K.o.-Duell im Wembley-Stadion wäre eigentlich genug Belohnung nach der Vorrunde gewesen, doch nun geht es auch noch gegen die seit 30 Spielen unbesiegte „Squadra Azzurra“. Der in Mainz-Weisenau geborene Foda wird unweigerlich wieder mit seinen Kindheitserinnerungen konfrontiert, denn bis zu seinem sieben Lebensjahr hatte er noch einen italienischen Pass. Der Vater verließ die Familie jedoch früh, die Mutter zog die drei Kinder alleine auf, und die italienische Sprache, versichert der 55-Jährige heute, beherrscht er nicht mehr. Mehr als „Grazie“ kann Foda trotzdem noch sagen, der einst als Knirps beim SVW Mainz mit dem Fußballspielen begann, später dann als Teenager nach seinem Wechsel vom FSV Mainz 05 zum 1. FC Kaiserslautern beim Jugendtrainer Ernst Diehl wohnte.

Lebensmittelpunkt Graz

Nach 321 Bundesligaspielen, die meisten für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart, ging Foda im Herbst seiner Spielerkarriere zu Sturm Graz, wo er sich im Anschluss bis zum Cheftrainer hochdiente. Die Steiermark ist bis heute erster Wohnsitz der Familie. Seine Söhne Sandro Giannino und Marco blieben auch in Graz, als er ein wenig glückliches Gastspiel 2012/2013 als Trainer in Kaiserslautern gab. Ende 2017 installierte ihn der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) als Nachfolger des Schweizers Marcel Koller. Er war der Wunschkandidat.

„Sein Anteil ist groß“

Verlief sein erstes Jahr noch fulminant – darunter im Juni 2018 ein 2:1-Sieg im Gewitter von Klagenfurt gegen die in der WM-Vorbereitung befindlichen Deutschen – kamen speziell im letzten Halbjahr vermehrt Zweifel auf. Manche störten sich an seiner nüchtern, mitunter vielleicht auch etwas spröden Art. Hinzu kam der Vorwurf, dieser Fußballlehrer hole aus einem Kader mit so exorbitanter Erfahrung in der deutschen Bundesliga nicht genügend heraus. Wie konnte es Ende März sein, dass Österreich ein Heimspiel in der WM-Qualifikation gegen Dänemark gleich mit 0:4 vergeigte? Kübelweise Hohn, Spott und Häme prasselte auf die Versager herab. Doch der „schwierige Lehrgang im März“, wie ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel nun in einer Presserunde aus dem Teamcamp in Seefeld verriet, sei gleichzeitig Anlass gewesen, um eine selbstkritische Analysen anzustellen, denn: „Wir waren alle miteinander sehr unzufrieden.“

Man habe danach gemeinsam viele Gespräche geführt, um an einigen Stellschrauben zu drehen. Heute sagt Schöttel: „Franco Foda hat sicher ganz großen Anteil an der Performance bei dieser Europameisterschaft.“ Weil er versuchte, wieder mehr in die Köpfe seiner Spieler zu kommen. Und plötzlich stimmt die Chemie. Mittelfeldspieler Florian Grillitsch, beim nicht immer sehenswerten Abnutzungskampf gegen die Ukraine (1:0) bester Österreicher, beschreibt Foda als „ganz klar sachlich, geradeaus“. Der Teamchef würde an Emotionen sicherlich „nicht zu viel nach außen tragen, aber ohne ihn und seinen Plan wären wir nicht so weit gekommen“. Und wie viel Last von Foda abfiel, war bei seinem beinahe überschwänglichen Jubel in Bukarest zu beobachten, wo er wohl am liebsten die ganze Welt umarmt hätte. Alles was für die von Kapitän David Alaba angeführte Auswahl jetzt noch kommt, wäre schöne Zugabe. Was genau sich Foda einfallen lässt, um die in der Vorrunde vielleicht am besten organisierte Nationalmannschaft des Turniers zu eliminieren, sagt er nicht. Nur so viel: „Ich habe schon einen Plan. Irgendwann kommt der Tag, wo auch bei Italien etwas nicht funktioniert.“

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