Erster Tor im ersten Spiel: DFB-Debütant Florian Neuhaus.
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Erster Tor im ersten Spiel: DFB-Debütant Florian Neuhaus.

Gelungener Einstand in der Nationalmannschaft

Florian Neuhaus drängelt sich ans Gedrängel

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Bundestrainer Joachim Löw hat jetzt eine echte Alternative mehr im ohnehin prall gefüllten Mittelfeld.

All die gewohnten Abläufe nach Länderspielen gelten nicht mehr. Corona sei gedankt. Das bekommt gerade auch der Bundestrainer zu spüren. Er muss warten, bis Florian Neuhaus die drei Fragen beantwortet hat, die das Protokoll vorsieht. Also hört Joachim Löw im Bauch der Kölner Fußballarena zu, was der Debütant den auf der Tribüne ausharrenden Reportern via Zoom-Videokonferenz zu sagen hat. Zum Beispiel über sein sehenswertes Tor zum 2:1: „Luca super mit der Hacke, Doppelpass mit Kai und dann hab ich ihn mit links ins Eck gelegt.“

Genauso war’s. Und es wurde so für den 23-Jährigen aus dem bayerischen Kaufering zum „größten Tag meiner Karriere“. Wenngleich der schmale Bursche auch beim postwendenden 2:2 wenn nicht hauptverantwortlich, so doch unglücklich aussah. Er war von der 1,66 Meter kleinen und 58 Kilo schweren türkischen Heißdüse Efecan Karaca einfach umgetrampelt worden. Der Schiedsrichter hatte das durchgehen lassen. Das tun Referees manchmal bei internationalen Spielen. Als letzter Mann kann man da nie sicher sein. Für Neuhaus eine wertvolle Erfahrung. Für Deutschland ein Gegentor.

Das Fußballerleben hat es ansonsten gut gemeint mit Florian Neuhaus. Er ist nicht zu den Bayern gegangen, sondern zu den Sechzigern. Eltern, Oma und großer Bruder haben den kleinen Kerl abwechselnd über sechs Jahre hinweg 70 Kilometer zu Training und Spielen gefahren, er ist dafür noch immer „wahnsinnig dankbar“. Dann war er alt genug, um endlich alleine Zug fahren zu dürfen.

Die Ausbildung zum Bürokaufmann in München hat er nach zwei Jahren abgebrochen, als er seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Er ist aus München den Umweg über Fortuna Düsseldorf in Liga zwei gewechselt, ehe er es schaffte, bei Borussia Mönchengladbach zur festen Größe zu werden.

So groß, dass er nun auch bei Jogi Löw vorspielen durfte und dabei nicht unauffällig blieb. „Er ist manchmal auch mit Tempo mit dem Ball durchs Mittelfeld gegangen“, lobte der Bundestrainer und fand auch das Tor des Neuen klasse.

Klar, Flo Neuhaus wird jetzt im A-Team nicht gleich die Sterne vom Himmel spielen. Er ist ein Achter, so ein Mittelding aus Jo Kimmich, Toni Kroos, Leon Goretzka und Julian Brandt. Es herrscht viel Gedrängel dort an richtig guten Fußballspielern. Aber der im persönlichen Gespräch so angenehm unaufgeregt daherkommende Neuhaus hat sich näher rangedrängelt an dieses Gedrängel. Was neben seinem technischen Talent auch an der fixen Auffassungsgabe liegt, Seine Vorbilder fand er nicht beim FC Bayern, sondern ganz woanders: „Ich fand Bremen gut, weil die wahnsinnig viele Spielmacher hatten: Micoud, Diego, Özil, de Bruyne. Denen habe ich immer sehr gerne zugeschaut.“ Und sich einiges abgeguckt.

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