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Florian Kohlfeldt (vorne) macht sich keine Illusionen: „Ich werde nicht mein Leben lang Trainer von Werder Bremen sein“.

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Florian Kohfeldt - ein Trainer auf Abruf

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Beim abstiegsgefährdeten SV Werder Bremen schrillen die Alarmglocken - und mittendrin steht Trainer Kohfeldt. Unser Kommentar.

Das vielleicht bemerkenswerteste Eingeständnis an einem schwarzen Abend der Grün-Weißen kam von Marco Bode. Der Aufsichtsratschef des SV Werder sprach nach dem 0:5 gegen Mainz 05 von einem der bittersten Momente, die er persönlich in seiner langen Zeit als Spieler und Verantwortlicher erlebt habe. Und Bode, 50, ist immerhin seit 1988 in Bremen dabei. Er stand als eine Rehhagel-Entdeckung in voller Lockenpracht auf dem Rasen, als die selige Ära von König Otto 1995 zu Ende ging. Auch als der dem Alkohol zugeneigte Aad de Mos sich vergeblich am Erbe versuchte, der knorrige Dixie Dörner genauso wie der überforderte Wolfgang Sidka scheiterte und danach der unnachgiebige Felix Magath die Spieler früh morgens zum Waldlauf schickte.

Der SV Werder war Ende der 90er Jahre ein Verein auf der Suche, und die Lage musste 1999 schon existenzbedrohende Züge annehmen, dass mit der Beförderung des Amateurtrainers Thomas Schaaf bei den Profis alles wieder gut wurde. Bode sollte nicht nur Pokalsieger (1999), sondern auch noch Vizeweltmeister (2002) werden, um ehrenvoll als Aktiver abzutreten.

Auch Schaafs Regentschaft dauerte fast anderthalb Jahrzehnte, war mit schönem Fußball, vier Titeln und vielen Champions-League-Teilnahmen gepflastert, und wieder waren danach mehrere Irrtümer (Robin Dutt, Viktor Skripnik, Alexander Nouri) notwendig, um den nächsten passenden Trainer im eigenen Stall zu finden.

Nicht wenige sind immer noch überzeugt, dass Florian Kohfeldt viele Anlagen mitbringt, um im schnelllebigen Bundesliga-Geschäft bei Werder die nächste Phase der Kontinuität zu prägen. Es müssen ja nicht wie bei seinen Vorgängern volle 14 Jahre sein.

Kohfeldt ist angeschlagen

Doch es muss aufhorchen lassen, wenn der nach zwei vorzeitigen Vertragsverlängerungen bis 2023 gebundene Coach jetzt sagt, er mache sich keine Illusionen: „Ich werde nicht mein Leben lang Trainer von Werder Bremen sein.“ Diese eigentlich sehr banale Erkenntnis nach einem 0:5 gegen Mainz 05 zu formulieren, war äußerst ungeschickt.

Auch die gewaltige Distanz, die der 37-Jährige nun auf einmal zu seinen Spielern aufgebaut hat, die er in dieser Saison viel zu oft geschützt und unnötig oft gelobt hat, macht ihn angreifbar. Weil es in der Krise dann weniger glaubwürdig wirkt. Wenn ein Trainer vor „dem wichtigsten Spiel der vergangenen zwei Jahre“ (Geschäftsführer Frank Baumann) öffentlich einfordert, das Tor „mit dem eigenen Leben“ zu verteidigen, auf dem Platz aber staunende Statisten dem Gegner nur Geleitschutz geben, ist eine gemeingefährliche Gemengelage entstanden.

Rund um das Weserstadion sind große Spundwände eingezogen, um ein plötzliches Hochwasser aufzuhalten. Nun kann auf einmal alles ganz schnell den Bach runtergehen. Einer wie Bode hat zwar eine ausgesprochen soziale Ader, aber der Aufsichtsratschef wird nicht tatenlos zuschauen, wie der in der zweiten Liga kaum lebensfähige Sportverein Werder dasselbe Schicksal erleidet wie die prominenten Nordklubs Hamburger SV und Hannover 96. Insofern arbeitet der aktuelle Werder-Trainer ab sofort nur noch auf Abruf.

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