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Zum Wegschauen: Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt.

Werder Bremen

Florian Kohfeldt und die pure Verzweiflung

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SV Werder Bremen hält weiter an einem Trainer fest, der nicht mehr recht weiter weiß.

Allzu viel hat nicht gefehlt, und Florian Kohfeldt wäre an der Außenlinie getroffen worden – von zwei ineinandergesteckten, leeren Bierbechern, die ein Fan in der zweiten Halbzeit während der 0:2-Niederlage gegen Union Berlin in Richtung des Werder-Cheftrainer geworfen hatte. Kurz darauf ließ der Mann noch sein Sitzkissen folgen, ehe er vor den Ordnern die Südtribüne hinauf flüchtete, wo er letztlich gestellt wurde.

Die Ordner auf den Rängen waren schneller als die Spieler auf dem Platz.

Hinterher saß Kohfeldt tief im Bauch des Weserstadions und war einmal mehr dazu gezwungen, eine Erklärung für das abzuliefern, was sich da gerade abgespielt hatte. Vollkommen verdient hatte Werder Bremen das Heimspiel verloren, war auf den vorletzten Tabellenplatz abgestürzt und hat nunmehr vier Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Unter dem Strich sendete Kohfeldt sie zwei Botschaften. Erstens: Diese Pleite gegen Union hatte ihm schwer zugesetzt. Der Coach klang bisweilen so, als würde er mittlerweile an seiner eigenen Mannschaft verzweifeln. Aber deswegen hinschmeißen will er weiterhin nicht.

„Wir werden versuchen, die Art und Weise in den nächsten Wochen zu verändern, denn das ist dringend notwendig, um den Klassenerhalt zu schaffen.“ Kohfeldt hatte mit Erschrecken gesehen, wie sich Werder im so wichtigen Kellerduell präsentiert hatte. Ideenlos, ohne den nötigen Mut, nach der Pause dann bisweilen konfus. Verstehen konnte der Trainer das nicht.

„Es wirkte von der ersten Minute an behäbig, ich fand die 90 Minuten insgesamt schlecht“, kritisierte Kohfeldt, der auch darauf gehofft hatte, dass der überraschende 3:2-Pokalerfolg gegen Dortmund neue Energie freisetzen würde. Das war nicht der Fall – im Gegenteil. Obwohl alle Verantwortlichen und Spieler vor dem Union-Spiel erklärt hatten, einen ganz anders ausgerichteten, nämlich viel defensiveren Gegner zu erwarten, kam die Mannschaft mit genau dieser Gangart der Gäste nicht zurecht. „Und das ist für mich das Erstaunliche“, rätselte Kohfeldt: „Wenn das heute bei uns irgendjemanden überrascht haben sollte, dann ist es auch eine Frage der Auseinandersetzung mit so einem Spiel.“ Er habe „es fast schon gemerkt, als wir im Bus zum Stadion gefahren sind. Es war eine lahme Veranstaltung.“ Das war schon sehr deutliche Kritik an den Profis.

Werder lief gegen das Berliner Bollwerk zwar immer wieder an, fand aber keine Lücken und ließ die wenigen Chancen liegen. Die robusten Gäste hingegen wurden nach der Pause des erstaunlichen Doppeltorschützen Marius Bülter (52./72.) für ihre mit Tempogegenstößen garnierte Mauertaktik belohnt. Beide Treffer fielen nach Kontern.

„Wir haben uns von der cleveren Spielweise von Union ausbremsen lassen. Es gab immer wieder Ruhephasen im Spiel, kleine Unterbrechungen, und dadurch ist die Energie, die wir uns vom Dienstag erhofft hatten, Stück für Stück weggegangen“, fasste Kohfeldt zusammen. Nach der Pause habe sein Team dann den Kopf verloren. „Wir spielen Räume an, die wir überhaupt nicht mehr anspielen wollten“, ärgerte er sich. „Und irgendwann entsteht eine Verzweiflung auf dem Platz, die hat man richtig gespürt.“ Auch bei ihm selbst mit unnötigen Scharmützeln mit dem Schiedsrichter.

Jetzt nach Leipzig

Die große Frage ist nun: Was kann der Trainer noch tun, um diese Verzweiflung schnellstmöglich aus der Mannschaft herauszubekommen? Schließlich sind es seit Wochen immer wieder die gleichen Fehler und Probleme, die Werder tiefer und tiefer im Abstiegssumpf versinken lassen. Schon jetzt ist klar, dass Kohfeldt die Abläufe in dieser Woche vor dem Spiel bei RB Leipzig am nächsten Samstag verändern wird. So ist der heutige Montag, anders als sonst nach Spielen, am Samstag nicht frei.

Werder denkt zudem darüber nach, die Medientermine auf ein Minimum zu reduzieren. Intern dürfte es zudem ziemlich ungemütlich werden. „Gestandene Spieler lassen zu viel über sich ergehen“, kritisierte Sportchef Frank Baumann und betonte: „Das werden wir knallhart ansprechen und genau schauen, auf welche Spieler wir in den kommenden Wochen setzen können.“ Den Trainer sparte Baumann bei seiner Kritik aus. „Die Mannschaft ist gefordert, ihm und dem Verein etwas zurückzugeben“, sagte der Manager und erneuerte sein klares Bekenntnis zu Kohfeldt: „Das steht.“ Dienstag gegen Dortmund, sagte Baumann noch betrübt, „haben wir unsere Fans mitgenommen. Heute haben wir wieder einiges kaputtgemacht.“

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