EM-Qualifikation

Die fliegenden Holländer

Mit alter, neuer Leichtigkeit lassen die Niederlande die Blamagen vergangener Jahre vergessen.

Es war kein Rausch, kein Glanzstück wie beim 4:2 gegen die DFB-Elf. Doch dank einer immer noch starken Vorstellung haben die Niederlande ihren Erfolgslauf in der EM-Qualifikation fortgesetzt und beim 4:0 (1:0) in Estland eines deutlich gemacht: Nach Jahren schmerzhafter Rückschläge und verpasster Turniere ist die Leichtigkeit zurück.

„Erwachsen und pflichtbewusst“ nannte die Zeitung „De Telegraaf“ den Auftritt der Elftal in Tallinn. „Ohne an die Grenzen zu gehen, aber konzentriert und mit einem Ziel vor Augen“ habe die Elf von Ronald Koeman in Estlands Hauptstadt agiert und dem 4:2 über Deutschland eine „starke Fortsetzung“ folgen lassen.

Die Spieler der Niederlande haben das gemacht, was sie auf dem Weg zur EM einfach machen mussten, urteilte das niederländische Handelsblatt und stellte fest: „Oranje hat endlich gezeigt, dass es auch kleinere Gegner kaputtspielen kann.“

Viel Lob also für die Elftal, die sich in der Deutschland-Gruppe C in der Tat eine gute Ausgangsposition erarbeitet hat. Zwar liegt der Vize-Weltmeister von 2010 mit neun Punkten hinter dem DFB-Team (12) und Nordirland (12) nur auf Rang drei, doch die Niederländer haben noch ein Spiel weniger und den direkten Vergleich mit dem größten Konkurrenten Deutschland bereits für sich entschieden.

Damit sind die Niederlande auf dem besten Weg zurück auf die ganz große Turnierbühne. Nach den schlimmen Enttäuschungen mit dem Aus in der Qualifikation für die Euro 2016 und für die WM 2018 in Russland fiebert man im Nachbarland neuen Großtaten entgegen. Der bislang einzige große Turniersieg liegt schon weit zurück: 1988 bei der EM in Deutschland.

Depay erneut bärenstark

„Wir wussten vor dem Match, dass es ein schwerer Abend werden könnte, wenn wir das Spiel nicht konzentriert angehen würden“, sagte Ryan Babel, der in Tallinn seinen ersten Doppelpack im Nationalteam (17./48.) erzielte. „Ich bin nicht mehr der Jüngste, doch den fehlenden Speed mache ich mit Erfahrung wett“, scherzte der 32 Jahre alte Stürmer von Galatasaray Istanbul.

Einen starken Eindruck hinterließ auch Memphis Depay. Der Offensivspieler von Olympique Lyon erzielte in seinem 50. Länderspiel einen Treffer (76.) und bereitete wie schon gegen Deutschland zwei weitere vor. Der Mann für den Schlusspunkt war wie schon am Freitag in Hamburg gegen die DFB-Elf Liverpool-Star Georginio Wijnaldum (87.).

„Wir haben es in der zweiten Halbzeit besser gemacht“, befand Abwehrchef und Kapitän Virgil van Dijk. „wir haben häufiger die Seiten gewechselt und mehr Chancen kreiert“, erklärte Europas frisch gekürter Fußballer des Jahres, der sich beinahe auch noch in die Torschützenliste eingetragen hätte. Sein Kopfball ging aber knapp vorbei. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion