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Erstmal im Hintergrund: Oliver Kahn (mit Hansi Flick) im Bayern-Camp in Doha.  

Bayern München

Flick macht Druck auf Salihamidzic

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Der Trainer stöhnt im Trainingslager in Katar: „Die Personalsituation ist echt mau“.

Königstransfer Lucas Hernandez trainierte auch gestern – mehr als zwei Monate nach seiner Sprunggelenksoperation – nur individuell. Serge Gnabry musste die Laufeinheit erneut wegen Problemen mit der Achillessehne abbrechen, sogar von einer vorzeitigen Abreise aus dem Bayern-Trainingscamp in Doha ist die Rede – und aus München kam offiziell die Nachricht, dass Kingsley Coman beim Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC am 19. Januar fehlen wird. Daher nutzte Trainer Hansi Flick die Gunst der Stunde und ließ nach der Vormittagseinheit nicht ganz uneigennützig folgenden Satz fallen: „Die Personalsituation ist echt mau.“

Flick forderte intern bereits häufiger Winterneuzugänge – nun macht er seine Forderung öffentlich. In diesem Zusammenhang verriet der Trainer, dass Coman auch im ersten Rückrunden-Heimspiel am 25. Januar gegen Schalke fehlen wird. Nach einer Knieverletzung sollte bei Coman erst am Mittwoch die Schiene am Gelenk entfernt werden. Der Außenstürmer bräuchte einen mehrwöchigen Aufbau vor dem Comeback, bemerkte Flick angesichts der speziellen Verletzungsgeschichte von Coman.

Vize-Kapitän Thomas Müller kann die Transferforderungen seines Trainers verstehen. Er sagte: „Mit King und Serge sind zwei Außenstürmer gleichzeitig verletzt. Man muss schon sagen, dass wir jetzt zu viele verletzte Spieler haben. Wenn die in kurzer Zeit zurückkommen, ist alles gut, aber wenn dann noch einer ausfällt, kommt man langsam an die Grenze. Optimal ist es jetzt nicht.“ Ohne die Flügelzange Coman/Gnabry wird Müller wohl erstmal wieder rechts auf dem Flügel aushelfen müssen, was dem Ex-Nationalspieler gemeinhin weniger behagt. „Wenn es nicht anders geht, ist das sicherlich eine Möglichkeit. Aber es ist von meiner und von Trainerseite her nicht das Wunschszenario“, sagte Müller. Generell findet der Parade-Bayer die Kadergröße aber nicht verkehrt: „Darüber wird immer viel diskutiert. Das ist ja ein schönes Thema, aber sehr subjektiv. Vor der Saison war die Kadergröße gut gewählt, aber auf manchen Positionen sind wir aktuell etwas ausgedünnt.“ Vor allem auch deswegen, weil Joshua Kimmich den Rückrundenauftakt wegen einer Gelbsperre verpassen wird.

Aber warum fordert Flick plötzlich so offensiv Neuzugänge? Der Trainer fürchtet, die ausgegebenen Saisonziele – Meisterschaft, Double und das Erreichen des Champions-League-Halbfinals – nicht verwirklichen zu können. Darum wirbt er jetzt auch öffentlich für Wintertransfers – und erhöht damit auch den Druck auf Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Der betonte bereits mehrmals, dass man im Winter zwar nach möglichen Verstärkungen Ausschau halte, aber nichts überstürzen werde. Sollte Flick neue Spieler bekommen, dann nur auf Leihbasis. Denn: Den Münchnern steht wieder ein Hundert-Millionen-Transfer-Sommer bevor, wenn Spieler wie Leroy Sané und Kai Havertz verpflichtet werden sollten. Weil sie im Sommer in die Zukunft investieren wollen, wollen sie im Winter nicht überstürzt unnötig viel Geld ausgeben.

Anderthalb Wochen vor dem Spiel in Berlin droht der Ausfall einer halben Elf. Da Niklas Süle (Reha nach Kreuzbandriss) und Javi Martinez (Muskelbündelriss) weiter ausfallen werden, drängen sich gerade in der Abwehr Probleme förmlich auf. Immerhin liegt Torjäger Robert Lewandowski bei seiner Reha daheim in München nach einer Leistenoperation daheim im Plan. Flick rechnet fest mit dem Polen gegen Hertha.

Das Team für Berlin stellt sich – Stand jetzt – fast allein auf: Neuer im Tor. Pavard, Boateng, Alaba und Davies in der Abwehrreihe. Im Mittelfeld davor Thiago mit Goretzka oder Tolisso. Und in der Offensive Müller, Coutinho, Perisic und Lewandowski. Diese Elf muss liefern. „Wir sind unter Druck. Wir haben zu viele Punkte liegengelassen in der Hinrunde“, mahnte Müller.

Kahn hält sich zurück

Müller verriet ein wenig über die ersten Stunden mit Neu-Vorstand Oliver Kahn im Kreise des Teams. „Wir haben uns begrüßt, aber es gab noch keine Mannschaftsansprache. Es ist schön, wenn einer dazukommt, der eine gewisse Ausstrahlung hat.“ Kahn soll am Freitag auch mit der Mannschaft nach Nürnberg fliegen. Trotz der Auswirkungen auf den Flugverkehr nach dem iranischen Vergeltungsangriff auf die US-Truppen im Irak soll die Chartermaschine wie geplant abheben. In Franken bestreitet der FCB am Samstag (15.30 Uhr) ein Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg. (mit dpa/sid)

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