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Der Flexi-Rentner übernimmt

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Von: Maik Rosner

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2013 hat sich Jupp Heynckes mit dem Triple-Gewinn von den Bayern verabschiedet.
2013 hat sich Jupp Heynckes mit dem Triple-Gewinn von den Bayern verabschiedet. © dpa

Der 72-jährige Jupp Heynckes soll nach vier Jahren im Ruhestand zum FC Bayern zurückkehren und das Team zum vierten Mal übernehmen.

Jupp Heynckes saß nun da im grauen Kapuzenpullover mit dem Emblem des FC Bayern. Vordergründig sprach er über das Spiel, wie er es als Trainer immer getan hatte auf den Pressekonferenzen danach. Heynckes hatte sehr oft auf diesen Podien gesessen, doch bei seinem insgesamt 1062. Mal als verantwortlicher Chefcoach einer Fußballmannschaft ging es nun vor allem darum, was dieses Spiel übergeordnet für ihn bedeutet. Zumal an diesem Ort, im Bauch des Stadions seines Heimatvereins Borussia Mönchengladbach. 

„Ich habe auch gemerkt, dass meine Spieler natürlich auch für mich spielen wollten“, sagte Heynckes also. Er habe sie in der Besprechung zuvor erinnert, „dass das mein letztes Bundesligaspiel sein wird. Da, wo ich als Spieler begonnen habe, 1964, noch in der Regionalliga, mit Aufstieg in die Bundesliga. Und wo ich 1979 als Trainer begonnen habe. Und ich habe gesagt, es würde mir schon viel bedeuten, das letzte Spiel in der Bundesliga auf der Trainerbank zu gewinnen.“

Seine Spieler, erzählte er weiter, habe es gefreut, ihm dieses Geschenk gemacht zu machen. Und er wolle sich auch bedanken „bei den Borussen-Fans und den Zuschauern für den wunderbaren Abschied“, ergänzte Heynckes, ehe seine Stimme versagte. Er seufzte, sammelte sich, so gut es ging, und hob an für einen letzten, emotional aufgewühlten Satz des Dankes: „Das zeigt mir, dass, ja, dass ich, dass das meine Heimat ist.“ Seine Stimme versagte erneut. Heynckes, damals 68, weinte. Die Zuhörer applaudierten lange.

Gut vier Jahre zurück liegt jener 4:3-Sieg des FC Bayern in Mönchengladbach vom 18. Mai 2013. Jenes Bundesligaspiel, von dem eigentlich auch Jupp Heynckes dachte, es werde sein letztes als Trainer sein. Doch wenn nicht noch etwas sehr Überraschendes passiert, dürfte die noch weitaus größere Überraschung in Kürze amtlich sein. Heynckes, inzwischen 72, soll wieder die Mannschaft des FC Bayern übernehmen. Zum vierten Mal nach 1987 bis 1991.

Nach seinen fünf Spielen als Interimstrainer nach Jürgen Klinsmann 2009. Und nach seiner dritten Amtszeit von 2011 bis 2013, in die der Schmerz von 2012 fiel, als der FC Bayern stets Zweiter wurde, auf besonders bittere Weise im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea. Doch am Ende seiner bisher letzten Amtszeit stand der Gewinn des Triples. Und eigentlich auch der endgültige Abschied in den Ruhestand, auf seinem Bauernhof in Schwalmtal am Niederrhein, mit Ehefrau Iris und Schäferhund Cando.

Nun könnte, ja dürfte Heynckes am 14. Oktober im Heimspiel gegen den SC Freiburg wieder da sein. Es wäre seine insgesamt 1012. Bundesligapartie als Spieler und Trainer. Als Nachfolger des vor acht Tagen beurlaubten Carlo Ancelotti und des Interimstrainers Willy Sagnol. Und als Übergangslösung bis zum kommenden Sommer, ehe ein langfristiges Modell präsentiert werden soll. Womöglich Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann, 30, der im Sommer 1987 geboren wurde, als Heynckes erstmals begann, die Münchner anzuleiten.

Heynckes hat das Angebot des FC Bayern inzwischen bestätigt, zugesagt hat er aber noch nicht. „Es ist noch nichts klar oder in trockenen Tüchern“, sagte er der „Rheinischen Post“ zu den Medienberichten, wonach er bereits als Trainer feststehe, wie es auch Präsident Uli Hoeneß zuvor hatte anklingen lassen. „Ich muss das Ganze zunächst mal analysieren. Schließlich sind viereinhalb Jahre vergangen, seit ich bei Bayern aufgehört habe, und der Fußball hat sich weiter verändert“, sagte Heynckes. Hoeneß, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic hätten ihn „gebeten, das Amt bis zum Sommer 2018 zu übernehmen“. Und er fühle sich trotz seines Alters auch „topfit“ und in der Lage, den Auftrag zu erfüllen. Das Für und Wider müsse allerdings in Ruhe abgewogen werden. Bis wann er eine Entscheidung treffen werde, sagte Heynckes nicht.

Doch könnte er überhaupt absagen, weil er die Strapazen fürchtet, die ihm bevorstehen? Oder vielleicht auch aus der Überlegung heraus, seinen triumphalen Abschied von 2013 womöglich zu schmälern, sollte sich der erhoffte Erfolg mit ihm nicht einstellen? Fünf Punkte liegen die Münchner in der Bundesliga hinter dem Tabellenersten Borussia Dortmund zurück. Der Gruppensieg in der Champions League ist nach der 0:3-Niederlage bei Paris Saint-Germain äußerst unwahrscheinlich geworden, womit ein schwieriges Los im Achtelfinale drohen würde.

Im Pokal geht es am 25. Oktober zu RB Leipzig, auch eine knifflige Aufgabe. Und die Mannschaft, aus der Heynckes noch einige Spieler von seiner letzten Amtszeit kennt wie Arjen Robben, Manuel Neuer, Franck Ribéry, Thomas Müller oder Jérôme Boateng, kommt gerade als ziemlich zersplittertes Gebilde daher. Doch gerade deshalb hat Heynckes, den geschickten Moderator, ja der Hilferuf des FC Bayern erreicht. Vor allem von Hoeneß, der sich mit Rummenigge in der Debatte um den künftigen Trainer nicht auf den verfügbaren Thomas Tuchel, 44, einigen konnte, und der nun für die für manche Beobachter rückwärtsgewandte Idee mit Heynckes steht.

Nach dem Gewinn des Triples 2013 erinnerte Heynckes in München auf seiner Abschiedspressekonferenz auch daran, dass er Hoeneß zu großem Dank verpflichtet sei. „Ich weiß, wenn ich morgen Hilfe brauchen würde, dann wäre der Erste, der auf der Matte stehen würde, Uli Hoeneß“, sagte Heynckes. Nun ist es umgekehrt, mal wieder. Schon 2009 und 2011 sprang Heynckes als Nothelfer ein. Jetzt bittet ihn sein Freund Hoeneß erneut darum. In einer ziemlich schwierigen Lage.

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