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Finanziell in einer neuen Dimension

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Von: Frank Hellmann

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Künftig werden 5,175 Millionen Euro pro Saison auf die Vereine umverteilt.
Künftig werden 5,175 Millionen Euro pro Saison auf die Vereine umverteilt. © Imago/Nico Herbertz

Die Fußball-Bundesliga der Frauen erhöht seine Medienerlöse um das 16-fache, was mehr klingt, als es tatsächlich ist. Für den Frauenfußball ist es dennoch ein Meilenstein.

Der deutsche Frauenfußball kann sich über einen Quantensprung freuen – und vermutlich hätte es auch keinen besseren Zeitpunkt für die erstmals eigenständige Ausschreibung der Medienrechte der Frauen-Bundesliga geben können als nach der rauschhaften EM in England. Weil die Vergleichsgröße bislang so lächerlich gering war, konnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bei der erstmals per Pressekonferenz vorgestellten Ergebnisse eine sagenhafte anmutende Vervielfachung vermelden: auf künftig 5,175 Millionen Euro pro Saison.

Die Lizenzeinnahmen aus den Medienrechten erhöhen sich damit um das 16-fache. Von einer „neuen wirtschaftlichen Dimension“ sprach DFB-Geschäftsführer Holger Blask, der überzeugt ist, „dass der Frauenfußball hier eine Begeisterung entfachen kann“, die sich auch wirtschaftlich in höherer Wertschätzung widerspiegelt. Bislang ist das Investment speziell für die Lizenzvereine nicht annähernd kostendeckend: Jeder der zwölf Frauen-Bundesligisten macht im Schnitt mehr als eine Million Euro Verlust, allein der Personalaufwand übersteigt bereits die Gesamteinnahmen von gerade mal 1,3 Millionen Euro.

Steigerungsraten bei den Medienerlösen sind da willkommen. Die Live-Rechte an allen 132 Spielen teilen sich künftig der Streamingdienst Dazn und MagentaSport. ARD und ZDF werden zehn Livespielen pro Saison übertragen. Dazu kommt die Einführung eines Montagsspiel, das sich exklusiv der Sender Sport 1 gesichert hat, der lange Jahre an diesem Abend das Topspiel der zweiten Männer-Bundesliga zeigte. Weil künftig alle drei männlichen Profiligen diesen Termin vor allem wegen Protesten der Fans meiden, bespielen ihn nun die Frauen jeden Montag um 19.30 Uhr.

Zerstückelte Spieltage

Nur ist das Montagsspiel eben auch bei den EM-Heldinnen nicht unumstritten: Frankfurts Stürmerin Laura Freigang wies bereits auf den Umstand hin, dass viele Bundesligaspielerinnen noch arbeiten müssten, Münchens Mittelfeldspielerin Lina Magull merkte an: „Das sollte keine Regelmäßigkeit sein. Für den Fußball ist das Wochenende da.“ Blask entgegnete den Vorbehalten: „Montag als Alleinstellungsmerkmal bietet sich extrem an. Wenn wir den nächsten Schritt machen wollen, müssen wir mehr Sichtbarkeit erzielen.“ Deshalb wird der Spieltag gnadenlos zerstückelt.

Das bislang noch von Eurosport übertragene Freitagsspiel bleibt, ist aber kein Livespiel mehr. An den vier Wochenendterminen wird Samstag um 12 und 14 Uhr gespielt, Sonntag um 14, 16 oder 18 Uhr. Es folgen auf den verschiedensten Kanälen jeweils Highlight-Zusammenfassungen, was ebenfalls Geld bringt. Gleichwohl liegt die Summe 20,7 Millionen Euro für die nächsten vier Spielzeiten von 2023/2024 bis 2026/2017 für die Frauen-Bundesliga unter jenem Betrag, den in Zukunft die Dritte Liga der Männer allein in einer Saison (26,2 Millionen Euro) erlöst.

Dennoch hilft den Frauen ihr eigener Quantensprung, um international den Anschluss zu wahren. Die Women’s Super League (WSL) aus England als die Benchmark wird bei rund zehn Millionen Pfund (umgerechnet 11,4 Millionen Euro veranschlagt. „Die Engländer sind noch ein Stück davor, aber wir reihen uns jetzt direkt dahinter ein“, sagte Blask. Bislang hatte der DFB seinen Klubs rund 300 000 Euro aus der zentralen Vermarktung garantiert, die Medienerlöse machten davon rund die Hälfte aus. Deutschland stehe nun besser als Spanien da, weil Produktionskosten von 1,66 Millionen Euro abgedeckt und die internationalen Rechte noch nicht veräußert seien, betonte der früher für die DFB tätige Vermarkter Blask.

ARD und ZDF haben sich im Zuge der Ausschreibung erneut die Rechte an den Qualifikations- und Freundschaftsspielen der DFB-Frauen gesichert. Vorgesehen ist, mindestens zwei Länderspiele im Jahr zur Primetime zu zeigen. Möglichst soll es keine Anstoßzeiten mehr vor 18 Uhr geben. Eine zentrale Forderung, die Alexandra Popp und Co. erhoben hatten, die zuletzt beim Test gegen Frankreich in Dresden vor fast ausverkauftem Haus und zur Primetime begeistert hatten. Attraktive Auftritte sind Voraussetzung, dass der ganze Deal sich auch für die Geldgeber rechnet. Denn Blask gibt sich keinen Illusionen hin: „Das ist eine vorgegriffene Investition der Medienpartner in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

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