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Finanzamt fordert 46 Millionen Euro vom DFB

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Von: Jan Christian Müller

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Schwere Zeiten: DFB-Schatzmeister Stephan Grunwald (links) und Präsident Bernd Neuendorf.
Schwere Zeiten: DFB-Schatzmeister Stephan Grunwald (links) und Präsident Bernd Neuendorf. © AFP

Behörden wollen Steuernachzahlungen und erkennen Gemeinnützigkeit wie für 2006 auch für 2014 und 2015 nicht an. DFB will sich wehren, hat aber mehr als 100 Millionen Euro auf dem Konto.

Ganz, ganz schlechte Nachrichten für den Deutschen Fußball-Bund. Er soll rund 46 Millionen Euro Steuern nachzahlen, unter anderem, weil ihm für die Jahre 2014 und 2015 die (steuersparende) Gemeinnützigkeit aberkannt werden soll. Das räumte der neue DFB-Schatzmeister Stephan Grunwald am Mittwochnachmittag bei einem Pressegespräch ein.

Entsprechende Forderungen der Finanzbehörden liegen dem Verband vor. Der DFB sei allerdings deshalb nicht insolvenzgefährdet, so Grunwald. Denn er habe auf dem Girokonto und auf Anlagekonten „liquide Mittel im dreistelligen Millionenbereich“ in der Hinterhand, so der Finanzmann, dem offenbar so langsam aufgeht, auf was er sich in seinem (bezahlten) Ehrenamt im März 2021 eingelassen hat. Immerhin ist die Finanzdecke lang genug, um nicht vollends in Schieflage zu geraten.

Aber noch eine weitere schlechte Nachricht gibt es: Das Finanzamt besteht darauf, dass auch für das Jahr 2006 im Zuge des Sommermärchenskandals die Gemeinnützigkeit weiterhin verweigert wird. Das war schon der Entscheid aus dem Jahr 2017. Der DFB hat dafür bereits im Jahr 2018 mehr als 22 Millionen Euro nachgezahlt, möchte das Geld aber zurück. Mit aufgelaufenen Zinsen wären das dann rund 24 Millionen Euro. Der Verband hat sich deshalb nun entschieden, den Klageweg zu beschreiten. Das wurde vom Präsidium bereits bei einer Sitzung am 9. September entscheiden, aber erst jetzt vom Schatzmeister bekanntgegeben. „Wir sind weiterhin der festen Überzeugung, dass dem DFB zu Unrecht die Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 aberkannt wurde und sind nun leider gezwungen, unser Recht vor Gericht einzuklagen“, so Grunwald.

Noch schwerer wiegen aber die neuen zu erwartenden Steuerbescheide. Eigentlich hatte Schatzmeister Grunwald für das Geschäftsjahr 2021 nämlich einen Gewinn von 18 Millionen Euro bekanntgeben wollen. Doch der wird ihm gründlich verhagelt. Denn nun muss er 46 Millionen Euro zurückstellen.

Noch sind die endgültigen Forderungen vom Finanzamt nicht da. Es handelt sich dabei um drei verschiedene Sachverhalte, einer wird vom DFB anerkannt: Der Verband hat rotzfrech, auch für den neuen Schatzmeister unfassbar („Ich bin irritiert darüber“) Bewirtungskosten im Zeitraum von 2012 bis 2020 zu 100 Prozent abgerechnet. Erlaubt sind aber - jeder halbwegs gut informierte brave selbständige Steuerpflichtige weiß das - nur 70 Prozent. Insgesamt sind deshalb 3,3 Millionen Euro nachzuzahlen. Der Bescheid - laut DFB durch eine Selbstanzeige aktiviert - dürfte bald eintreffen und wird klaglos überwiesen.

Man fragt sich in der Tat, ob Wirtschaftsprüfer und Finanzbeamte in dieser Frage jahrelang gedöst haben. Kaum zu glauben.

Ungleich größer sind die Nachforderungen, die der DFB nicht wehrlos überweisen will. Als da wären: 16,8 Millionen Euro will das Finanzamt bekommen, weil es die steuerliche Behandlung der Namens- und Logorechte von Ausrüster Adidas anders bewertet als der DFB.

Hinzu kämen - sollten die Finanzbehörden sich mit ihrem Anliegen durchsetzen - 26 Millionen Euro Nachzahlung, weil die steuerliche Behandlung der Bandenwerbung in 2014 und 2015 nicht anerkannt wird. Der DFB hatte mit Schatzmeister Grunwald vorneweg deshalb am 31. August einen Anhörungstermin beim Finanzamt, bei dem man sich offenbar nicht näher kam.

Grunwald, der über die vielen „unerfreulichen Themen“ alles andere als amüsiert wirkt, kündigte an, dass man sich wehren wolle. Zurückgestellt werden muss das Geld aber dennoch. Und es könnte noch mehr unangenehme Schreiben vom Finanzamt geben. Der DFB räumte ein, dass noch weitere steuerliche Ermittlungsverfahren für 2016 und Folgejahre anhängig sind.

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