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Immer für Treffer gut: Sadio Mane (l) mit Mo Salah (r).

Champions League

Das Finale der Torjäger

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Liverpool und Tottenham konnten sich auf dem Weg ins Champions-League-Finale auf ihre starken Stürmer verlassen.

Der Knöchel hält, der große Harry Kane hat grünes Licht gegeben, er brennt wie eine Fackel, natürlich. „Ich fühle mich gut und bin bereit“, sagt der Kapitän der Tottenham Hotspurs vor dem Champions-League-Endspiel gegen den FC Liverpool am Samstag (21 Uhr/live auf Sky und Dazn). „Es gibt keine Probleme.“

Das freut ganz Tottenham, auch seinen Trainer Mauricio Pochettino, sagt er zumindest offiziell. Und doch bringt ausgerechnet Harry Kane seinen Coach in die Bredouille. Denn für Pochettino drängt sich die Frage auf: Ist es wirklich eine gute Idee, den Stürmer von Beginn an aufzubieten?

Kane, Marktwert 150 Millionen, hat seit fast zwei Monaten, seit dem Champions-League-Viertelfinalhinspiel gegen Manchester City, kein Spiel mehr bestritten, seine fünfte Knöchelverletzung binnen drei Jahren setzte ihn außer Gefecht. Die fehlende Matchpraxis spricht nicht für den 25-Jährigen. Und doch muss der Coach genau abwägen, denn es ist ja auch so, dass Lucas Moura draußen bleiben würde, wenn Kane beginnen sollte. Das wiederum wäre auch schwer nachvollziehbar, Lucas Moura brachte Tottenham mit seinem Dreierpack beim 3:2 in diesem völlig verrückten Spiel in Amsterdam schließlich erst nach Madrid. Vieles spricht dafür, dass Harry Kane zunächst den Joker geben wird. Das ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann.

Mané spielte einst vor der Haustür des FC Bayern

Wenn heute also die beiden englischen Topklubs in Spanien aufeinandertreffen, um sich um die europäische Krone zu streiten, dann ist das auch das Duell zweier exorbitant guter und lange verkannter Sturmreihen. Auf der einen Seite sind das: Ein Gesamtpaket von 68 Saisontoren und ein geschätzter Marktwert von zusammen mehr als 300 Millionen Euro. Das Trio Sadio Mané (26 Tore), Mohamed Salah (26) und Roberto Firmino (16) wird in Liverpool in Anlehnung an die Beatles „The Fab Three“ genannt.

Auf der anderen Seite: Englands lange verletzter Nationalstürmer Harry Kane, der trotz seiner langen Fehlzeit 22 Tore erzielt hat. Dazu der Brasilianer Moura und der Koreaner Heung-Min Son (16 Tore, acht Vorlagen), den der Hamburger SV vor sechs Jahren unbedingt verkaufen musste, um mal wieder ein Finanzloch zu stopfen. Son ist nun der Shootingstar in England. Und dann sind da noch Christian Eriksen (zehn Tore, 16 Vorlagen) und Dele Alli (Marktwert 100 Millionen), die das Offensivspiel prägen.

Die „überragenden Qualitäten“ (Jürgen Klopp) dieser Spieler sind aber nur das eine. Zu ihrer besonderen Geschichte gehört auch: Würde man alle ScoutingBerichte nebeneinanderlegen, die jemals über die Stürmer von Tottenham und Liverpool verfasst wurden, würde sie wohl niemand in einem Champions-League-Finale erwarten.

Der Ägypter Salah etwa wurde von José Mourinho beim FC Chelsea aussortiert und nach Italien verkauft. Der Senegalese Mané spielte zwei Jahre lang bei RB Salzburg quasi vor der Haustür des FC Bayern München, wurde aber vom deutschen Meister ignoriert. „Wir haben auf dem Platz so etwas wie eine gemeinsame Sprache. Jeder weiß, was er zu tun hat“, sagte Mané der „SZ“. „Unser Leader steht aber am Spielfeldrand“, Jürgen Klopp. Der war zwar als Profi Verteidiger, aber zuvor in den Unterklassen ein fast schon gefürchteter Torjäger.

Harry Kane wiederum sei früher, vor fünf Jahren, ein „frustrierter Junge“ (Pochettino) gewesen, der ständig an kleinere Klubs ausgeliehen wurde, weil er für den modernen Fußball angeblich nicht fit und schnell genug war. Und heute? „Er ist einer der drei besten Stürmer der Welt“, sagt Pochettino. „Seine Einstellung ist überragend.“

Verbrieft ist die Geschichte, dass der damals noch verletzte Kane im Halbfinale in Amsterdam in der Halbzeit wutentbrannt in die Kabine stampfte und seinen Kollegen den Marsch blies, weil sie 0:2 hinten lagen und das Aus kaum mehr abwendbar schien. „Er ist total ausgeflippt“, sagte Verteidiger Kieran Trippier und ergänzte: „Wir brauchten das.“ Das Ende ist bekannt, Lucas Moura schoss die Spurs quasi im Alleingang nach Madrid – ausgerechnet er verdrängt den großen Harry Kane heute wohl auf die Bank.

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