+
Bremens Torwart Jiri Pavlenka kann den Elfmeter von Robert Lewandowski nicht parieren.

FC Bayern

Finale mit Fleck

  • schließen

Der FC Bayern braucht einen fragwürdigen Elfmeter, um sich in Bremen die Hoffnungen aufs Double zu erhalten

Das hellblaue Hemd von Uli Hoeneß spannte nicht nur bedrohlich, sondern es zeigte sich am gewaltigen Bauchansatz auch ein kräftiger Fleck. Als habe sich der Fanschal, den sich das präsidiale Oberhaupt des FC Bayern traditionell um den Hals wickelt, in einer Portion Ketchup auf seiner Bratwurst verfangen. Doch darüber sollte Hoeneß ja nicht Auskunft erteilen, als der 67-Jährige seine Einschätzung zur spielentscheidenden Szene im packenden DFB-Pokalhalbfinale beim SV Werder abgab, das der Branchenprimus erst durch ein Elfmetertor von Robert Lewandowski (80.) mit 3:2 für sich entschieden hatte. Die Entstehung wirkte allerdings ähnlich besudelt wie Hoeneß‘ Oberbekleidung.

„Das ist lächerlich. Wenn das ein Elfmeter ist…“, wetterte Werder-Kapitän Max Kruse beim Betrachten der Fernsehbilder am ARD-Mikrofon. „Wozu haben wir den Videobeweis? Wenn er das nicht sieht, können wir ihn wieder abschaffen.“ Den gewichtigen Gegenpol zu dieser Haltung musste, na klar, natürlich der Bauchmensch Hoeneß einnehmen. „Das war ein Elfmeter, den ich hundertprozentig in Ordnung fand“, sagte der personifizierte Mia-san-im-Recht-Vertreter. An besagtem Strafstoß in einem „fantastischen Fußballspiel“ gebe es doch „überhaupt“ keine Zweifel, denn Hoeneß bekräftigte, er habe mit dem gefoulten Außenstürmer Kingsley Coman selbst gesprochen, der „einen Ellbogen“ gespürt habe.

Warum der flinke Franzose allerdings vor seinem Sturz noch theatralisch den Fuß in den Rasen rammte, wo ihn definitiv keine Berührung ereilte, eröffnete Interpretationsspielraum: Sank da einer doch eilfertig zu Boden, um einen Elfer zu schinden?

Weil es jedoch Arm-Schulter-Kontakt mit Gegenspieler Theodor Gebre Selassie gab, konnte Videoassistent Robert Kampka (Mainz) den Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) nicht überstimmen, der nach kurzer Kommunikation mit dem Kölner Kontrollraum bei einem Entschluss blieb, der im Weserstadion Erinnerungen an den bis heute verschmähten Schwarzkittel Dieter Pauly weckte, der als Persona non grata gilt, seitdem seinetwegen – so sehen es die Werder-Fans – das Pokalhalbfinale gegen Eintracht Frankfurt (0:1) verloren ging. 31 Jahre später schien sich die Geschichte irgendwie zu wiederholen. Selbst der besonnene Werder-Geschäftsführer Frank Baumann platzte fast der Kragen: „Da gibt es keine große Diskussion. Das war im Leben kein Elfmeter.“

Dass Sieberts Gespann nach einem aufregenden Pokalfight, in dem tapfere Bremer gegen nachlässige Münchner wie zu besten Werder-Wunderzeiten zurückkamen, nach Schlusspfiff lange am Mittelkreis herumstand, empfand Trainer Florian Kohfeldt als blanke Provokation. Minutenlang habe er seine Spieler vom Unparteiischen ferngehalten, „dann habe ich mich bei ihnen bedankt, dass sie sich bemüht haben, ihr Bestes zu geben und ihnen gesagt, dass sie besser in die Kabine gehen“.

Erst seit dem diesjährigen Viertelfinale kommt im Pokal überhaupt der Videoassistent zum Einsatz. „Ich könnte viel besser damit leben, wenn der Schiedsrichter Elfmeter gibt und wir keine Videoassistenten hätten“, klagte Kohfeldt. Nun gehört der 36-Jährige gewiss nicht zu den Nostalgikern, die diesen Schritt in die Moderne verteufeln, aber Kohfeldt vertrat ja die Ansicht, „dass der Schiedsrichter in mindestens neun von zehn Fällen diesen Elfmeter auf gar keinen Fall pfeift, wenn er sich das ansieht.“

Lesen Sie auch: Elfmeter oder nicht? Der Grenzfall

Lesen Sie auch: Der Coup mit dem Cup

Unterhaltungswert besaß sein Disput mit dem hinterher demonstrativ in den Arm genommenen Kollege Niko Kovac, der sich auf der Pressekonferenz entwickelte. „Wenn er nicht pfeift, können wir uns nicht beklagen. Eine harte Entscheidung“, gestand der Bayern-Trainer einerseits. Anderseits falle der „King“, gemeint war Coman, nicht von alleine. „Da war ein Schubser. Er hat ihn gepfiffen, kann man pfeifen, muss man nicht pfeifen.“ Überdies schrieb der 47-Jährige dem erfahrenen tschechischen Rechtsverteidiger auf Bremer Seite ins Stammbuch: „Der Ellbogen von Gebre Selassie war schon da, den hätte er besser weggelassen. Da hat er sich dumm angestellt.“

Ein Vorwurf, der Kohfeldt förmlich zum (verbalen) Konter aufforderte. Er setzte erst zur direkten Antwort an („müssen damit leben, dass zwei Trainer nicht einer Meinung sind“), um später im Journalistengespräch am Pressepodium eine indirekte Spitze anzubringen. Der FC Bayern sei eigentlich „auf jeder Position klar besser besetzt, aber wir waren als Mannschaft besser.“

Daraus war leicht abzuleiten: Der SV Werder Bremen hat mit dem „Trainer des Jahres“ auf der Bank einen Vorteil, der solche Nachteile kaschiert. Denn: „Plan und Taktik sind zu 10 000 Prozent aufgegangen.“ Bis auf diesen einen vermaledeiten Pfiff, weswegen nun die Bayern wieder nach Berlin fahren.

Die Münchner könnten am 25. Mai gegen RB Leipzig – zwei Wochen nach dem womöglich vorentscheidenden Bundesligaspiel in der Messestadt – das Double gewinnen. „Leipzig spielt auch eine super Rückrunde“, warnte Hoeneß, der wieder ein „begeisterndes Spiel“ erwartet. Und bis zu diesem prickelnden Showdown wird er auch wieder ein sauberes Hemd tragen.

Interesse an Nübel

Uli Hoeneß hat sich zum Interesse am Schalker Torhüters Alexander Nübel geäußert. „Das ist eine Sache, die der Sportdirektor macht, weil das eine Investition unter 25 Millionen Euro ist“, sagte der Bayern-Präsident. Der Vertrag des 22-Jährigen läuft bei Schalke noch bis zum Sommer 2020. Hinter Nationaltorwart Manuel Neuer (33), der sich nach einem Muskelfaserriss an der Wade zurückarbeitet, stehen noch Sven Ulreich (30) und Christian Früchtl (19) bis 2021 unter Vertrag. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion