1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Fifa-Präsident Infantino zieht nach Katar: durchtriebener Supermanager

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Günter Klein

Kommentare

Fifa-President Gianni Infantino kürt die Weltfußballerin Alexia Putellas (auf Videwand).
Fifa-President Gianni Infantino kürt die Weltfußballerin Alexia Putellas (auf Videwand). © AFP

Nach mittlerweile fast sechs Jahren an der Spitze des Weltfußballs ist die Durchtriebenheit Gianni Infantinos quasi amtlich. Ein Kommentar.

Gianni Infantino ist ein Genie – was Sprachen angeht. Als Schweizer hat er eh den Vorteil, in einer polyglotten Gesellschaft aufgewachsen zu sein: mit Deutsch, Französisch, Italienisch. Als er sich 2016 um die Fifa-Präsidentschaft bewarb, packte er in seine Rede natürlich auch die Weltsprachen Englisch und Spanisch. Sowie, und davor muss man sich verneigen: Arabisch. Nicht nur ein paar auswendig gelernte und schlecht intonierte Sätze. Nein, Infantino sprach flüssig, seine Vertrautheit mit dem Kulturkreis war zu erkennen.

Spätestens als er mühelos umschaltete zwischen den diversen Sprachfamilien, war klar, dass man ihn in seiner Zeit als Uefa-Generalsekretär unterschätzt hatte. Er war in der öffentlichen Wahrnehmung der Typ, der die diversen Auslosungen koordinierte und dabei neben Losfeen aus der Modelwelt stehen und lächeln durfte, und zur Fifa-Wahl konnte er damals nur antreten, weil Uefa-Boss Michel Platini, der nach dem noch höheren Amt gestrebt hatte, wegen dubioser Beratungshonorare aus dem Verkehr gezogen worden war.

Gianni Infantino: Wohnsitz nach Katar verlegt

Nach mittlerweile fast sechs Jahren an der Spitze des Weltfußballs ist die Durchtriebenheit Infantinos quasi amtlich. Obwohl er vor allem repräsentativ wirken sollte, hat er sich den Fußball komplett untertan gemacht und ist mächtiger geworden, als der Taschenspieler Sepp Blatter es je war. Seinen Wohnsitz – wie jüngst geschehen - nach Doha zu verlegen, das wäre Infantinos Vorgänger nicht in den Sinn gekommen.

Es gibt keine operative Erfordernis, dass der Fifa-Präsident ein Jahr zuvor im WM-Land sein muss, dafür hat der Weltverband genügend und auch befähigte Kräfte in seiner Verwaltung. Infantinos Umzug ist vor allem ein Symbol. Eines, das Katar schmeichelt. Aber eines, das all jene verstören muss, die die Umstände der WM-Vergabe hinterfragen, die auf die Menschenrechtssituation und die Zahl der Opfer auf den WM-Baustellen achten.

Infantino rückt die Fifa ein weiteres Stück weg von Europa, wo das Herz des Fußballs schlägt. Dass dahinter der hehre Gedanke steht, den Sport in seiner Größe in bislang vernachlässigten Regionen erlebbar zu machen, darf bezweifelt werden. Seit geraumer Zeit tüftelt Infantino an neuen Wettbewerbsformaten, seine Investoren sitzen im arabischen Raum, und er will offensichtlich zum Supermanager werden, bei dem alles zusammenläuft und der eine entkernte Fifa hinterlässt. Gianni Infantino ist brandgefährlich für den Fußball.

Auch interessant

Kommentare