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„Ein Monster geschaffen“ – Blatter kritisiert FIFA

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Von: Niklas Kirk

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Sepp Blatter
Der ehemalige Fifa-Präsident Joseph Blatter. © Alessandro Crinari/KEYSTONE/TI-PRESSKEYSTONE/dpa

Nach Ende der WM in Katar wird der Modus zukünftiger Turniere diskutiert. Kritisiert wird die Kommerz-zentrierte Entwicklung nun von Sepp Blatter.

Frankfurt – Erneut hat sich Sepp Blatter öffentlich mit seiner Regentschaft als FIFA-Präsident auseinandergesetzt. Bereits seit November ist der 86 Jahre alte Schweizer in der Netflix Doku „FIFA Uncovered“ zu sehen, die ausführlich die Entwicklung des Weltverbands seit der WM 1978 in Argentinien nacherzählt, unterlegt mit Wortbeiträgen Blatters. In dieser Woche kam nun ein Interview mit der Zeit dazu, in dem er bemerkenswert kritische Töne zur Entwicklung der FIFA und seiner eigenen Arbeit findet.

Einer der Aufhänger für die kritische Bewertung Blatters ist die bevorstehende Weltmeisterschaft, die erstmals mit 48 Nationen ausgetragen werden soll. Die FIFA hatte hierfür ursprünglich einen Modus mit 16 Dreiergruppen auserkoren, bei dem in der Summe 80 Spiele ausgetragen würde. Neue Pläne sehen gar ein Szenario mit 104 statt, wie bisher 64 Spielen.

Ziel der abermaligen Aufstockung dürften zumindest zu Teilen die Erlösmöglichkeiten für die FIFA sein. Durch die WM in Russland nahm die FIFA noch rund fünf Milliarden Euro ein, in Katar 2022 geht die FIFA bereits von mehr als sieben Milliarden aus. Der Bewerbungschef der WM 2026, Carlos Cordeiro, sprach bereits 2018 von möglichen Einnahmen in Höhe von mehr als 13 Milliarden Euro, so die Sportschau.

Blatter über die FIFA und den Fußball: „etwas, das außer Kontrolle geriet“

Für den ehemaligen Präsidenten Indiz für eine „Überkommerzialisierung“. „Es wird versucht, immer mehr aus der Zitrone herauszupressen“, sagt Blatter. Zudem bezeichnete er die Vergabe der am Sonntag zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft an Katar erneut als Fehler. Auch zu seiner eigenen Person wird der Schweizer kritisch.

So räumt Blatter ein, dass er selbst Fehler bei der Kommerzialisierung des Fußballs gemacht hat. In einem Interview mit der Wochenzeitung bezeichnete Blatter seinen Eintritt in den Weltfußballverband als „die Geburtsstunde von etwas, was so groß geworden ist, dass es außer Kontrolle geriet“. So habe er versucht, „die Dinge zu kontrollieren“, sei aber „am wirtschaftlichen Wert des Fußballs und an der Politik“ wiederholt gescheitert.

Sepp Blatter: von 1975 bis 2016 im Weltverband tätig

Sein brasilianischer Vorgänger João Havelange habe einmal zu ihm einmal gesagt: „Sepp, du hast ein Monster geschaffen.“ Zwar habe Blatter immer nur versucht, dem Fußball zu dienen, fügte aber selbstkritisch an: „Wenn ich ihm damit geschadet habe, dann tut es mir leid.“ Bereits von 1981 bis 1998 begleitete Blatter die Entwicklung der FIFA als Generalsekretär, bevor er 1998 selbst Präsident wurde. Von 1975 bei 1981 bekleidete er das Amt des Direktors für Entwicklungsprogramme.

In diese Zeit fallen unter anderem die Findung lukrativer Vermarktungsmöglichkeiten des WM-Turniers, welche der FIFA einerseits nie gekannte Einnahmen bescherten und zugleich zusammen mit den Turniervergaben eines der Felder für Schmiergeld- und Korruptionsskandale war. (nki)

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