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Mainz 05: Festival der Fehlpässe

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Von: Jan Christian Müller

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Mal wieder eine gelbe Karte: 16.04.2022, Schiedsrichter Florian Badstübner verwarnt den Mainzer Trainer Bo Svensson.
Mal wieder eine gelbe Karte: 16.04.2022, Schiedsrichter Florian Badstübner verwarnt den Mainzer Trainer Bo Svensson. © dpa

Mainz 05 und der VfB Stuttgart spielen sich Bälle in die Beine – und Trainer Bo Svensson siegt mal wieder Gelb.

Selbst Menschen, die Mainz 05 in den miesesten Phasen unter den Trainern Achim Beierlorzer oder Jan-Moritz Lichte regelmäßig erleben mussten, konnten sich noch nicht mal schemenhaft an ein vergleichbares Festival der Fehlpässe erinnern. Zeitweise hatte es bei der Nullnummer zwischen den Rheinhessen und dem VfB Stuttgart am Ostersamstag den Anschein, als befände sich eine erkleckliche Anzahl farbenblinder Spieler auf dem Platz. Denn der Ball rotierte besonders in der ersten Viertelstunde völlig chaotisch zwischen beiden Teams hin und her. Nach 15 Minuten verbuchte die Statistik 22 Fehlpässe auf jeder Seite. Insgesamt also 44 Abspiele, die in diesem engen Zeitfenster beim Gegner landeten, macht umgerechnet alle 20 Sekunden einen Fehlpass, jeder dritte Ball war gleich wieder weg. Es war in der Tat nicht zum Ansehen, das fand auch der Mainzer Trainer Bo Svensson und ärgerte sich entsprechend.

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Der Däne sieht bekanntermaßen auch das große Ganze. Er könne durchaus nachvollziehen, so Svensson, dass Spieler nach mehreren Jahren des Dauerdrucks im Abstiegskampf, auf den Abwehrchef Stefan Bell hinterher zurecht hinwies, nicht bis in die Haarspitzen motiviert in eine solche Partie gingen. Indes: Jetzt, da das Publikum endlich wieder vollzählig vor Ort erscheinen dürfe (in Mainz nutzten das diesmal mehr als 30 000 Fans), sei es auch die verdammte Pflicht, etwas zurückzugeben. Gute Worte von Svensson, und hinten raus wurde es dann zwar ja auch etwas besser. Wenngleich nur in homöopatischen Dosen. Tore hatte dieses Spiel zum Vergessen sicher nicht verdient. Dafür waren viel zu viele Unzulänglichkeiten zu erkennen. Denn wenn eine Mannschaft gerade mal drauf und dran war, einen gefährlichen Angriff zu inszenieren, gab es ganz sicher jemanden am Ball, der eine komplett falsche Entscheidung traf und so alles wieder zunichte machte.

Was komplett falsche Entscheidungen angeht, hat sich Bo Svensson nach 16 Monaten als Chefcoach von Mainz 05 nicht viel vorzuwerfen. Mit viel Fachwissen, natürlicher Autorität und Empathie hat er personell und taktisch regelmäßig geliefert, und wenn ihm das mal nicht gelang, hat er stets selbstkritisch darauf hingewiesen.

Ein Schatten hängt mittlerweile dennoch über seiner Arbeit: Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison hatte der impulsive 42-Jährige sich zwei Gelbe Karten wegen schlechten Benehmens an der Seitenlinie eingehandelt. Hinzu kommen nun sechs weitere Verwarnungen, weshalb Svensson schon die prompt verloren gegangene Partie im Januar in Fürth gelbgesperrt nur aus einer Loge verfolgen durfte.

Seinerzeit gelobte er Besserung - mit dem enttäuschenden Ergebnis, dass er am Samstag bereits seine achte Gelbe Karte in nunmehr 46 Spielen unter seiner Leitung zu sehen bekam, Sportdirektor Martin Schmidt kündigte gemeinsame Gespräche nach Saisonschluss an. „Wir werden das gemeinsam analysieren.“ Bei Svensson sei es halt so: „Er hat ein Wochengesicht und ein Wettkampfgesicht, das macht ihn aus. Er geht voran. Aber manchmal eine Spur zu viel.“

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