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Ferne Ziele, nahe Chancen

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Von: Frank Hellmann

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Nach dem gelösten Ticket zur WM 2023 in Australien und Neuseeland freuen sich die deutschen Fußballerinnen auf zwei echte Härtetests

Die malerische Altstadt mit seinen osmanischen Bauten gilt in Bursa als besonders sehenswert. Hierhin steuerte am Tag nach der erfolgreichen WM-Qualifikation auch der Bus die deutschen Fußballerinnen, um „ein Käffchen zu genießen“, wie Linksverteidigerin Felicitas Rausch verriet, die mit einem humorlos verwandelten Handelfmeter die Handbremse nach knapp einer Stunde lockerte, um mit einem 3:0 in der Türkei vorzeitig die Fahrkarte für die WM 2023 in Australien und Neuseeland zu lösen.

„Wir wissen, dass es noch viel Luft nach oben gibt“, sagte Bundestrainerin Martina-Voss-Tecklenburg. „Wir sind nicht in die Präzision gekommen, haben nicht die Lösungen gefunden – deshalb war es mühselig.“ Der Zeitpunkt dieses Länderspiels sei eben schwierig gewesen: Absehen vom Quintett der früh mit Eintracht Frankfurt in der Champions League gescheiterten Nationalspielerinnen hatten die Protagonisten ja noch kein einziges Pflichtspiel bestritten. Immerhin sorgten kernige Schüsse von Klara Bühl (60.) und Lea Schüller (77.) noch für ein annehmbares Resultat. Ein Schützenfest wie beim 8:0 im Hinspiel hatte die Bundestrainerin ohnehin nicht erwartet: „Man hat gemerkt, dass wir zu Beginn der Saison noch nicht die Spielqualität haben, die uns gut zu Gesicht stehen würde. Am Ende steht aber ein Sieg – das zählt.“

Belohnung für Schult

Fünf Wochen nach dem EM-Finale kam in der viertgrößten türkischen Stadt für die DFB-Frauen das Kontrastprogramm zur Aufführung: Wo im Wembley-Stadion noch mehr als 87 000 Fans zugeschaut hatten, verloren sich jetzt 2000 Zuschauer in der futuristischen Timsah-Arena. Wo am 31. Juli mehr als 18 Millionen bei der ARD eingeschaltet hatten, vermeldete das ZDF jetzt 1,56 Millionen TV-Zuschauer.

Und auch das letzte WM-Qualifikationsspiel in Bulgarien (Dienstag 18.30 Uhr/ARD One) wird kein Quotenhit. Vermutlich wird in Plovdiv die eigens aus den USA eingeflogene Almuth Schult für ihre duldsam ertragene Reservistenrolle bei der EM mit ihrem 65. Länderspiel belohnt wird. Es wäre der erste Einsatz der charismatischen Torhüterin im DFB-Dress seit der WM 2019. Beim nächsten WM-Turnier (20. Juli bis 20. August 2023) wird mindestens das Halbfinale und die erste WM-Medaille seit 2007 angestrebt. Dafür muss sich das deutsche Team aber zwingend noch festigen. Insofern sind die Härtetests in einem heißen Herbst bedeutsam: Erst steht am 7. Oktober die Neuauflage des EM-Halbfinals gegen Frankreich in Dresden vor einer sehr ansprechenden Kulisse zur Prime-Time an, einen Monat später folgt eine USA-Reise mit einem Prestigeduell bei den Weltmeisterinnen. Diesen Plan plauderte Voss-Tecklenburg am Rande des Türkei-Länderspiels aus.

Die 54-Jährige steht im ständigen Austausch mit Teammanagerin Maika Fischer über die Planungen für eine WM, die aufgrund der riesigen Entfernungen organisatorisch und logistisch zur Herausforderung wird. Ein Gruppe in Neuseeland würde diesbezüglich weniger Reisestress bedeuten. So werden die Testspielgegner fürs nächste Frühjahr auch erst nach der WM-Auslosung am 22. Oktober in Auckland besprochen, „wenn wir wissen, wo wir spielen“, erklärte Voss-Tecklenburg: „Wir werden uns sehr gute Gegner suchen, das ist klar.“

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