Trainer Lukas Kwasniok schmiedet Schlachtpläne..
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Trainer Lukas Kwasniok schmiedet Schlachtpläne..

DFB-Pokal-Halbfinale

Feiertag im Saarland

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der 1. FC Saarbrücken steht im Pokal-Halbfinale gegen Leverkusen vor einer sportlichen und organisatorischen Herausforderung.

Lukas Kwasniok hat im Vorlauf lange genug Zeit gehabt, um sich für ein Jahrhundertspiel die richtige Herangehensweise zu überlegen. Und so ist der Trainer des 1. FC Saarbrücken überzeugt, dass es für das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen (Dienstag 20.45 Uhr/ARD) eher „einen Schlachtplan statt einen Matchplan“ braucht. „Wir gehen so rein, als würden wir 1:0 führen. Wir müssen in die Köpfe des Gegners und das Spiel so gestalten, dass die Leverkusener vom Platz gehen und sagen, dass war der widerlichste Gegner der Saison“, erklärte der breitschultrige Coach auf einer Video-Pressekonferenz im Quarantäne-Hotel, das praktischerweise zur Unternehmensgruppe des Hauptsponsors und Präsidenten Hartmut Ostermann gehört, der dem Traditionsverein auch in schlechten Zeiten immer beistand.

Die vierte Halbfinal-Teilnahme stellt für das einstige Bundesliga-Gründungsmitglied ein ruhmreiches Kapitel bewegter Geschichte dar, denn so nah wie die Saarländer kam ein Viertligist dem Finale noch nie. Gleichzeitig erscheint das Endspiel in Berlin durch die Corona-Krise noch viel weiter weg als vorher. Manuel Zeitz und Kollegen haben seit 94 Tagen keine einzige Partie bestritten – und jetzt kommt gleich „das größte Spiel des Lebens“, wie Saarbrückens Kapitän sagte. Seit fast sechs Wochen bereitet man sich allein auf diesen einen Höhepunkt vor.

Kwasniok, 38, möchte mit seinen Pokal-Helden nicht weniger als „Sport-Geschichte schreiben“ und „den 9. Juni zum Feiertag für das Saarland machen“. Problem sei nur: „Wir werden uns in den ersten 15, 20 Minuten an das Gefühl gewöhnen müssen, überhaupt wieder ein Spiel zu haben.“ Zudem werde die Siegchance auch nicht viel größer, wenn Kollege Peter Bosz einen Kai Havertz nicht einsetzen kann: „Alle Spieler bei denen sind besser als unsere Jungs“, räumte der gebürtige Pole ein. Hört sich alles in allem nach einer Herkulesaufgabe an.

Was auf alle Bereiche übertragen werden kann. Die Umsetzung des Hygienekonzeptes, erklärte Geschäftsführer David Fischer, sei für einen Klub, auf dessen Geschäftsstelle ansonsten nur noch der Sportliche Leiter (Marcus Mann) und vier Mitarbeiterinnen hauptamtlich beschäftigt sind, „eine riesige Herausforderung“ gewesen. Zum Glück kannte man sich mit der Installation der aus England georderten mobilen Flutlichtanlage aus den vorigen Pokalrunden schon aus.

Dennoch wird in der Ausweichspielstätte Völklingen – der altehrwürdige Ludwigspark in Saarbrücken wird zwar seit 2016 umgebaut, ist aber immer noch nicht fertig – diesmal vieles anders sein.

„Wir haben unseren zwölften Mann verloren“, sagte Kwasniok. Gleichwohl könne er in der sich durch ein Geisterspiel noch verstärkenden Dorfsportplatz-Atmosphäre auch einen Vorteil erkennen. „Schon wenn die Leverkusener über die rote Asche einlaufen, schwillt dem ein oder anderen der Kamm.“ Die Ersatzspieler würden quasi ins Schwimmbad schauen. Und vielleicht, so die leise Hoffnung, „wird der eine oder andere nicht an seine Leistungsgrenze stoßen können“.

Sollte in dem provinziellen Ambiente allerdings die nächste Überraschung ausbleiben, wird sich niemand grämen: zu groß ist der wirtschaftliche Nutzen. Mit den garantierten 2,8 Millionen Euro TV-Geld fürs Halbfinale summiert sich der Geldregen aus dem Pokal auf fast 5,4 Millionen Euro. Auch sportlich haben die seit 2014 in der Regionalliga Südwest gefangenen Blau-Schwarzen ihr übergeordnetes Ziel bereits erreicht: Nach dem Saisonabbruch wurde Saarbrücken zum Meister und damit auch Direktaufsteiger für die 3. Liga ernannt. Es sei gewiss nicht der vordergründige Wunsch gewesen, das Vorhaben am grünen Tisch zu vollenden, sagt Fischer, „aber wir müssen uns dafür auch nicht schämen.“

Dem ehemaligen Geschäftsführer der Offenbacher Kickers geht es nun darum, das positive Image nicht durch eine böse Klatsche zu gefährden. „Wir wollen allen Zuschauern zeigen, dass wir nicht umsonst in diesem Halbfinale stehen“, betont der 35-Jährige. Wenn schon niemand vor Ort sein darf – in dieses Privileg kommen auch die Inhaber von 2500 Geisterspieltickets nicht –, will der Außenseiter wenigstens für das Millionenpublikum am Fernseher Eindruck schinden.

Sollte es der Gastgeber erneut schaffen, sich irgendwie über die Verlängerung ins Elfmeterschießen zu retten, würden sich die Erfolgsaussichten schlagartig erhöhen: Im Achtelfinale gegen den Karlsruher SC und Viertelfinale gegen Fortuna Düsseldorf machte sich Saarbrückens Schlussmann Daniel Batz bei den gegnerischen Schützen reihenweise unbeliebt. Der 29 Jahre alte Elfmetertöter ist schon jetzt das Gesicht der Saarbrücker Sensationslust. „Batzi“, so sein Spitzname, nahm in der Corona-Pause am Online-Unterricht für die Trainer-B-Lizenz teil. Zusätzliches Wissen aus allen Fußball-Fachbereichen kann vor dem größten Spiel der Karriere bestimmt nicht schaden.

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