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Hansi Flick ist ist nicht der Wunderheiler, zu der der 54-Jährige schon ernannt wurde.

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Hansi Flick bringt beim FC Bayern München zwar bringt Trainer-Qualitäten mit, um diese Saison mit Meisterschaft und Pokalsieg zu vollenden, aber der Ruck, der dafür durch Mannschaft und Verein gehen muss, wird noch größer als in der Vorsaison sein müssen. Der Kommentar.

Da sage noch einer, das habe es nicht gegeben: Der FC Bayern kassiert am 13. und 14. Spieltag zwei Niederlagen in Folge, steht nicht an der Tabellenspitze und erwartet am 15. Spieltag zur Wiedergutmachung Werder Bremen. Genau dieselbe Konstellation erlebte der Rekordmeister bereits 2011/2012. Einer 0:1-Heimpleite schloss sich eine dramatisch anmutende 2:3-Niederlage beim FSV Mainz 05 an, damals von Thomas Tuchel zum Widerstand erzogen. Erst ein Anschlusstor von Daniel van Buyten weckte die müden Münchner Lebensgeister, für die Thomas Müller eine der letzten Möglichkeiten versiebte.

Genau jener Zeitzeuge Müller hat jetzt – nach einem 1:2 gegen Bayer Leverkusen und einem 1:2 bei Borussia Mönchengladbach in sich wiederholenden Strickmustern – gesagt, dass die Münchner Stimmung nicht brillant sei. Das bayrische Unikum erinnert sich vermutlich, dass die Geschichte vor sieben Jahren nicht gut ausging. Die Bayern mussten miterleben, wie sich der von Jürgen Klopp gecoachte BVB die Schale schnappte. Das zweite Mal hintereinander sogar. Es gibt nicht wenige Fußballliebhaber im Lande, die sich wünschen, dass die Bayern nicht das achte Mal in Folge Meister werden. Die Chancen stehen nicht schlecht: 24 Zähler aus 14 Spielen bedeuten aus Bayern-Sicht die schwächste Ausbeute seit neun Jahren. Fast skurril wirkt es, dass dieses Starensemble derzeit nur Siebter ist.

Bayerns Bosse zu oft uneins

Vor allem der Brauseklub RB Leipzig kann mit seiner klugen Strategie zum härtesten Widersacher erwachsen. Bei den Sachsen wurden im Sommer mit dem Verbleib von Timo Werner und der Verpflichtung von Julian Nagelsmann wichtige Weichen gestellt. Bei den Bayern fallen die Ursachen für die aktuelle Schieflage genau in jene Phasen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic mag von Vereinspatron Uli Hoeneß öffentlich dafür abgefeiert werden, dass er die französischen Nationalverteidiger Lucas Hernandez und Benjamin Pavard für festgeschriebene Ablösesummen in der Gesamthöhe von 115 Millionen Euro an die Säbener Straße gelotst hat, aber widerstandsfähiger ist die Defensive nicht geworden.

Im Gegenteil: Der Verteidigung fehlt – auch aufgrund des Ausfalls von Niklas Süle – erkennbare Qualität. Und der Angriff hängt an der Treffsicherheit von Robert Lewandowski. Bilden schlechte Chancenausbeute und fehlendes Spielglück eine solch unheilvolle Konstellation wie in den beiden letzten Spielen unter Hansi Flick, kommen solche Rückschläge zustande. Deswegen ist der frühere Assistenztrainer von Joachim Löw nicht der Wunderheiler, zu der Flick schon ernannt wurde. Der 54-Jährige bringt Trainer-Qualitäten mit, um diese Saison mit Meisterschaft und Pokalsieg zu vollenden, aber der Ruck, der dafür durch Mannschaft und Verein gehen muss, wird noch größer als in der Vorsaison sein müssen.

Mittelfristig sollten sich die Bayern sehr genau überlegen, warum die Bosse in der Trainerfrage so uneins waren, dass sie beispielsweise Tuchel nach Paris haben ziehen ließen. Oder warum sie mit Nagelsmann nicht eine Langzeitvereinbarung nach RB-Vorbild trafen. Die Überforderung von Salihamidzic, kurioserweise mit der Beförderung zum Sportvorstand belohnt, ist in Sachen weitsichtiger Kaderplanung branchenintern längst bekannt. Wahrscheinlich ist, dass die Bayern nächsten Spieltag gegen Werder wie 2012 (4:1) deutlich gewinnen. Aber das könnte trotzdem nicht ausreichen, um am Ende ganz vorn zu sein. Der Bundesliga wäre es sogar zu wünschen.

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