Kickers Offenbach

Fehlende Disziplin und Cleverness

Mit unnötigen Platzverweisen schwächt sich Kickers Offenbach in der Regionalliga Südwest regelmäßig selbst.

Angelo Barletta empfindet es als „brutal“. Den Trainer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach treibt dabei weniger die erste Saisonniederlage um, sondern die Tatsache, dass sein Team im achten Spiel bereits den dritten Platzverweis kassierte. Bei der 0:1 (0:0)-Pleite beim SSV Ulm hatte es ausgerechnet den einstigen Ulmer Luigi Campagna erwischt, der nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot sah (72.). In Unterzahl mussten die Kickers dann das entscheidende Gegentor hinnehmen. Barletta ist vor dem Heimspiel am Dienstag (19 Uhr) gegen den FC Gießen erneut dazu gezwungen, personelle Änderungen vorzunehmen. Das erschwert es der Mannschaft natürlich, sich einzuspielen.

In Ulm zeigte sich abermals, dass es genau daran hapert. Gegen schwächer eingestufte Teams reicht die individuelle Klasse der Offenbacher. In den drei Duellen mit Spitzenmannschaften ging der OFC jedoch kein einziges Mal als Sieger vom Platz – auch weil er sich ausgerechnet in diesen Partien selbst schwächte.

Gegen Steinbach (1:1) und Freiburg (2:2), die damals jeweils Tabellenführer waren, reichte es trotz Führung lediglich zu einem Punkt, bei Mitfavorit Ulm (0:1) setzte es nun die erste Niederlage der Saison. Insgesamt holten die Kickers aus diesen drei Duellen bloß zwei Punkte, mit etwas mehr Disziplin und Cleverness hätten es aber sieben sein können. „Indem wir uns oft dezimieren, bringen wir uns um den Lohn. Und wir müssen immer wieder umstellen“, ärgerte sich Barletta. Gegen Steinbach hatte der OFC eine starke erste Hälfte gespielt, zur Pause verdient geführt, dann jedoch den Beginn des zweiten Durchgangs verschlafen und nach dem Ausgleich einen Platzverweis (Rot für Marcos) kassiert. In Freiburg hätten die Kickers bereits zur Pause klar zurückliegen können, waren aber effektiv in der Offensive.

Am Dienstag gegen Gießen

Nach Gelb-Rot für Tuma und einer vergebenen Großchance fiel noch das 2:2. In Ulm stand der OFC nun hinten gehörig unter Druck, vorne gelang erstmals in dieser Saison so gut wie nichts und dann flog auch noch Campagna. „Er muss da nicht so hingehen“, sagte Barletta zur Aktion, die letztlich zu Gelb-Rot führte. Dabei hatte der Trainer in der Halbzeitpause extra die verwarnten Spieler (Campagna und Karbstein) angesprochen und ihnen gesagt, „dass ein Platzverweis auf mich zurückfällt, weil dann gefragt wird, warum ich nicht ausgewechselt habe“. Zwar spielte Karbstein zahlreiche Fehlpässe, verhielt sich aber im Zweikampf clever. Im Gegensatz zu Campagna.

„Wir sind unnötig in Unterzahl geraten. Individuelle Sachen haben uns geschadet“, kritisierte Stürmer Mathias Fetsch, stellte aber auch klar: „Es hätte nicht entscheidend sein müssen. Es war von uns insgesamt kein gutes Spiel. Ulm hat es ordentlich, aber nicht extrem gut gemacht.“ Er sei „mit keinem guten Gefühl nach Hause“ gefahren, gestand Fetsch und empfahl: „Schnell abhaken und analysieren.“ Viel Zeit bleibt nicht. Bereits morgen steht das nächste Spiel an. Ohne Campagna.

Nach dessen Platzverweis in Ulm hatte der Kickers-Trainer Tim Dierßen eingewechselt. Dieser sollte mit Tunay Deniz den defensiven Part vor der Dreier-Abwehr übernehmen. Da gegen Gießen Marcos nach Sperre wieder zur Verfügung steht, wäre auch die Rückkehr zur Viererabwehrkette möglich. Für diese bietet sich rechts Marco Fritscher an.

Mit Gießen, VfB Stuttgart II, Schott Mainz, Stadtallendorf und Kassel warten in den nächsten fünf Spielen ausnahmslos Gegner auf den OFC, die in der Tabelle hinter ihm stehen. „Wir müssen eh gegen jeden gewinnen, können jedoch nicht blockweise denken“, betont Barletta.

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