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Auch unbasteigbar?

1. FC Kaiserslautern

Fegefeuer Dritte Liga

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Bettelspiele werden, sollte der 1. FC Kaiserslautern absteigen, in der dritten Liga nicht helfen. Dem Verein stünden schwere Zeiten bevor. Ein Kommentar.

Da waren sie noch ganz lieb, die Fans. „Liebe Mama, der FCK braucht mich“ hatten viele der 1500 nach Aue mitgereisten Anhänger des 1. FC Kaiserslautern auf den gedeckten Muttertagstisch gekritzelt und sich dann auf den Weg nach Osten gemacht. Das aus Gästesicht lustlose Geschehen auf dem Platz machten die Muttersöhnchen dann mit Randale gegen die eigenen Spieler wieder wett. Vor dem „Abstiegsendspiel“ am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg haben sich alle wieder lieb, was nicht zuletzt einem flammenden Appel von Horst Eckel zu verdanken ist. „Nur zusammen unzerstörbar“, hat der jüngste aus der Weltmeisterelf von 1954 den „Roten Teufeln“ mit auf den schweren Weg hinauf auf den Betzenberg gegeben.

In der Pfalz ist die Mobilmachung großer Gefühle angelaufen. Erinnert wird an das „Herzblutfinale“ von vor fast genau neun Jahren. In einem epischen Drama hatten die Lauterer den Zweitliga-Meister 1. FC Köln besiegt und so den Abstieg in den dunklen Keller der Dritten Liga verhindert. „Herzblut“ hieß auch die Kampagne, mit der einst der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz nicht nur die Herzen, sondern auch die Geldbörsen der FCK-Anhänger erreichte und zumindest einen von einigen finanziellen Abstürzen verhinderte.

Gewartet wird in der Pfalz vor dem Anpfiff noch auf ein Zeichen von ganz oben. Gemeint ist nicht der Allmächtige, Mut und Segen soll Fritz Walter, der größte Sohn der Stadt, spenden. „Der alte Fritz“ war schließlich schon nach dem Krieg dabei, als der Klub mit „Grumbeerspielen“ den Hunger bekämpfte, indem er mit prominenten Akteuren bei Freundschaftsspielen antrat und mit ein paar Säcken Kartoffeln wieder heimreiste.

Ausbau des Stadions hat den FCK fast aufgezehrt

Bettelspiele werden, sollte der FCK absteigen, in der dritten Liga nicht helfen. Dem ebenso ruhmreichen wie in seiner Geschichte gelegentlich auch ruhmlosen Verein stünden schwere Zeiten bevor. Viele Experten glauben, dass die „Roten Teufel“ aus den Niederungen dieser Hölle nicht so schnell wieder herauskommen. Für alle, die ein bisschen jünger sind als der letzte Held vom Betze, Hans-Peter Briegel: Mit dem FCK würde ein nationales Kulturgut ins Fegefeuer Dritte Liga geschickt. Fünf Lauterer bildeten 1954 das Gerüst jener Weltmeistermannschaft, die der jungen Bundesrepublik ihre nationale Würde wiedergab.

Später hat der Verein unter manch windigem Boss in schöner Kungelei mit dem Land und der Stadt hin und wieder sowohl die sportliche als auch die finanzielle Balance verloren. In der Pfalz ging es häufig dramatisch abwärts, irgendwie aber auch immer wieder aufwärts. Für das letzte große Drama sorgte das Team unter dem Teufelsbändiger Otto Rehhagel. Der FCK ist 1998 nach dem Wiederaufstieg in die erste Bundesliga prompt deutscher Meister geworden. Eine bis heute einmalige Leistung.

Verhoben haben sich Klub und Region an dem unbedingten Vorhaben, 2006 Teil des Sommermärchens Fußball-Weltmeisterschaft zu sein. Der Ausbau des Stadions hat den 1. FC Kaiserslautern fast aufgezehrt. Immerhin haben die Pfälzer daraus gelernt. Bei dem Vorhaben Europameisterschaft 2024 wollen sie nur aus der Ferne zugucken, statt mittendrin dabei zu sein.

Wenn die Offensive des von dem kauzigen Norbert Meier trainierten Lauterer-Kicker-Ensembles ähnlich harmlos agiert wie am Muttertag in Aue, dann wird tatsächlich kaum mehr als die Erinnerung an einen echten Traditionsverein bleiben.

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