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"Dass er so einschlägt, hätte keiner gedacht": Das behauptet zumindest der Gladbacher Kapitän Lars Stindl (rechts ) über Dreifachtorschütze Alassane Plea.

Gladbach

Federleichtes Schwergewicht

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Mönchengladbach erreicht einen neuen Reifegrad, der viel mit Dreifachtorschütze Alassane Plea zu tun hat.

Die baulichen Begebenheiten im Bremer Weserstadion bedingen, dass sich die Gästefans immer besonders gut Gehör verschaffen können. Am Samstag um 17.14 Uhr ertönte unter dem Dach der Westtribüne eine Hommage an die Mutter aller Discohits, als an der Außenlinie die Ziffer 14 aufleuchte, damit Alassane Plea vorzeitig das Feld verlassen durfte. Während der Dreifachtorschütze von Borussia Mönchengladbach Richtung Auswechselbank spazierte, hatte die Anhängerschaft schon „Alaaassaaane Pleaaa, Alaaassaaane Pleaaa“ intoniert. Der Righeira-Hit aus den 80ern „Vamos a la playa“ passte mit dem dreimal langgezogenen A exakt fürs Hochgefühl der Fohlenelf, die mit dem 3:1 (1:0) bei Werder Bremen ein eindrucksvolles Zeugnis ihres aktuellen Leistungsvermögens ablegte.

Uli Hoeneß hatte sich unter der Woche ja schwer verhaspelt, weil das bajuwarische Oberhaupt nicht wahrhaben wollte, dass neben der Borussia aus Dortmund auch die Borussia aus Mönchengladbach vor dem FC Bayern geführt ist. „Seit wann zählt das Torverhältnis?“, fragte der Bayern-Präsident die Presseleute. Nun sind auch noch drei Punkte Abstand dazwischen. Es gehört zum guten Ton am Niederrhein, dass zwar keiner Titelträume ausspricht, aber den Reifeprozess zur Spitzenmannschaft muss auch niemand negieren. „Erste Halbzeit sehr effektiv, zweite Halbzeit erst brillant gespielt, dann kraftvoll verteidigt: Das war ein nächster Schritt dieser Mannschaft“, fasste Max Eberl treffend zusammen. 

Der gebürtige Münchner hat mal wieder einen Kader zusammengebastelt, der internationalen Ansprüchen genügt. Es spricht für den uneitlen Eberl, dass er das Auffinden des letzten vermissten Puzzlestücks im Gladbacher Gefüge sich nicht selbst ans Revers heftete, sondern der Scoutingabteilung, explizit deren Chef Steffen Korell.

Mit seiner Kombination aus Eleganz und Effizienz ist Plea ein Phänomen, und die Geschichte wirkt richtig rund, weil der frühere Fohlen-Coach Lucien Favre in zwei Spielzeiten bei OGC Nizza entscheidenden Anteil an dessen Entwicklung besaß. Für die Borussia sei die 23-Millionen-Verpflichtung ein „großes Ding“ gewesen, erklärte Max Ebel. Doch die Investition zahlt sich aus, weil der französische Stürmer „alle Facetten abdeckt und Fußball spielen will“. Und der anders als der merkwürdig schwerfällige Max Kruse von Werder auf leisen Sohlen den Abschluss sucht.

Ob er eingedenk seiner Quote denn Torschützenkönig werden könne, wurde Plea gefragt. „Ich denke nicht an das Saisonende, ich habe mir da keine Ziele gesetzt“, richtete er in aller Bescheidenheit aus. „Ich möchte so gut wie möglich für die Borussia spielen und der Mannschaft helfen. Dann wird man am Ende sehen.“ Der 1,81-Meter-Mann taugt nicht als Lautsprecher, sondern kommt als Leisetreter rüber. Trainer Dieter Hecking lobte: „Er gibt uns etwas, was wir so noch nicht hatten.“ 

Der Dosenöffner zum 1:0 (39.) sei eine „herausragende Einzelleistung“, fand der 54-Jährige. Die Eckballvariante vor dem Treffer zum 2:0 (48.) war wiederum von seinem ewigen Co-Trainer Dirk Bremser einstudiert. Und das 3:0 (52.)? „Das war das schönste Tor der Saison von uns“, frohlockte der Gladbacher Coach, der mit seinem Matchwinner meist nur einige Brocken Englisch austauscht. 

Er habe zwar auch nach den ersten Vorgesprächen von Eberl und Korell mit dem 25-Jährigen geredet, „aber mein Französisch ist nicht so gut.“ So machte Hecking als entscheidenden Faktor für die rasche Integration aus, „dass wir viele Spieler haben, die Französisch sprechen“. Der von den Mitspielern nur „Lasso“ gerufene Plea formulierte es in anderen Worten: „Wir haben eine super Mannschaft, die mir sehr geholfen hat.“ Fünf Torschüsse, 17 Sprints, 14 gewonnene Zweikämpfe: In den entscheidenden Kategorien wartete das 68-Kilo-Leichtgewicht mit starken Werten auf.

Nur vorne lauern ist ihm offenbar zu langweilig, deshalb nimmt er umfassend am Spiel teil. Wo er auftaucht, ist er unberechenbar, denn den Ball behandelt er mehr als ordentlich, die Läufe gehen in alle Richtungen. „Dass er so einschlägt, hätte keiner gedacht“, erzählte Lars Stindl, der als Kapitän von einem „demütigen und zurückhaltenden“ Mitspieler berichtete. „Er ist ein angenehmer Mensch“, so Stindl. 

Der belgische Sturmkollege Thorgan Hazard benutzte die Super-Super-Beschreibung beinahe in der Pep-Guardiola-Häufung. Wobei der Gladbacher Außenbahnflitzer nichts dagegen hätte, wenn nach der Länderspielpause beim Heimspiel gegen Hannover 96 auch wieder andere Spieler abgefeiert werden. Nur bei keinem funktioniert die Vamos-a-la-playa-Melodie eben so gut wie bei Alassane Plea.

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