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FC Sheriff in der Champions League: Kuriose Königsklasse

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Von: Jakob Böllhoff

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Das große Ziel erreicht: Die Spieler des FC Sheriff nach dem Weiterkommen in Zagreb.
Das große Ziel erreicht: Die Spieler des FC Sheriff nach dem Weiterkommen in Zagreb. © imago images/Pixsell

Der prächtig alimentierte FC Sheriff trägt ein komplexes Konstrukt auf die Bühne Champions League, offiziell als erster Klub der Republik Moldaus. Eine Glosse.

Es ist nun an der Zeit, über Transnistrien zu reden, doch, doch. Das Thema ist bislang viel zu kurz gekommen. Und wer nun entrüstet behauptet, mit Transnistrien habe er nichts zu tun, das habe der Arzt beim letzten Abstrich zweifelsfrei festgestellt, dem sei versichert, dass es sich bei Transnistrien um ein nationenpolitisches Phänomen handelt, das nun auch in den europäischen Spitzenfußball hineinragt. Sie können also wieder aufhören, Ihren Körper abzutasten.

Es ist nämlich so, dass sich der Fußballklub namens FC Sheriff Tiraspol für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert hat, zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte, und Tiraspol ist die Hauptstadt von Transnistrien, und Transnistrien ist ein Land, das es nicht gibt, das aber trotzdem existiert, was soll man sagen, so ist die Lage der Dinge.

Ein Klub namens FC Sheriff

Transnistrien (kurz für: Pridnestrowischen Moldauischen Republik), ein schmaler Landstrich, eingezwängt zwischen dem Fluss Dnepr und der Ukraine, hat Anfang der Neunziger seine Unabhängigkeit proklamiert. Es folgte einiges Hin und Her, inzwischen ist es de facto ein eigener Staat, mit eigener Währung, eigenen Pässen, kontrollierten Grenzen, aber weil das niemand anerkennt, gehören die stolzen Transnistrier und Transnistrierinnen völkerrechtlich gesehen weiter zu Moldau.

Steigt man die Deutungsleiter aber noch weiter hinunter, stellt man fest, dass Transnistrien eigentlich sowieso kein Land ist, sondern eher eine Firma. Eine Firma namens Sheriff. 1993 von zwei ehemaligen KGB-Agenten als Sicherheitsfirma gegründet, erwirtschaftet der Großkonzern heute 60 Prozent des Bruttosozialprodukts der Region, Sheriff ist alles und alles ist Sheriff, Supermärkte, Tankstellen, Banken, Casinos. Sogar die Partei „Erneuerung“, die 29 der 33 Sitze im transnistrischen Parlament innehat, ist genau genommen der politische Arm von Sheriff.

Der prächtig alimentierte FC Sheriff trägt nun dieses komplexe Konstrukt auf die Bühne Champions League, offiziell als erster Klub der Republik Moldaus, in dessen Liga er antritt und immer gewinnt. Sollte es immer noch Menschen geben, die glauben, der Profisport sei eine unpolitische Angelegenheit, dem sei ein Blick auf diesen FC Sheriff empfohlen, dem wichtigsten Repräsentanten Transnistriens.

Da sage noch einer, beim Fußball könne man nichts lernen.

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