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Jürgen Klopp mit der Siegesfaust.

FC Liverpool

„In der Galerie der Götter“

England feiert Trainer Jürgen Klopp und den FC Liverpool

Jürgen Klopp feuerte seine ganze Anspannung in Richtung Nordtribüne. Dreimal schleuderte Liverpools Heilsbringer den Reds-Anhängern triumphierend die Siegerfaust entgegen und ließ sich für den 3:1 (1:1)-Coup bei einem schlaffen Bayern München feiern. Später federte der Teammanager vergnügt aus der Münchner Arena und hinterließ entspannt lächelnd ein freundliches „Tschüss“.

Klopp hatte, das war ihm bewusst, auch seinen Skeptikern auf überzeugende Art einiges an Nahrung entzogen. Der 51-Jährige schickte einen FC Liverpool in dieses Achtelfinalrückspiel, der die nächste Entwicklungsstufe erreicht zu haben scheint. „Es ist ein großer Schritt, ein großer, großer Moment für uns“, sagte Klopp über den Viertelfinaleinzug in der Champions League. Und auch ein Schritt zum ersehnten großen Titel? „Es war reif, wir haben stark ausgesehen“, urteilte er.

Es war am Ende einiges, was der LFC dem deutschen Rekordmeister voraus hatte – auch den Coach mit der besseren Idee. „Du musst versuchen, deinen Kontrahenten zu beeindrucken – und das haben wir geschafft“, betonte Klopp. Wobei das noch untertrieben war, zeitweise wirkte der FC Bayern regelrecht verängstigt. Trainer Niko Kovac adaptierte das Münchner Spiel aus Furcht vor den Kontern der Reds auf eine Weise, die jeden Glauben an den Sieg auslöschte.

Es spricht für sich, dass Klopp seine Mannschaft nicht für eine herausragende Darbietung lobte, sondern eher für ihren angemessenen Pragmatismus. „Wir haben so gut gespielt wie nötig und möglich in einem solchen Spiel“, sagte Klopp, sein Team könne es aber besser. Wichtig sei allerdings gewesen, „dass du Antworten auf alle Fragen hast“.

Diese blieb sein Team anders als die Bayern in keiner Phase schuldig und so diskutiert Fußballengland die Frage nach den Klopp’schen Aussichten wieder sonniger, nein, geradezu überschwänglich. „Jürgen Klopp spielt in der Galerie der Götter“, titelte das Boulevardblatt „Sun“. Anderswo war von einem der besten Abende der Klubgeschichte zu lesen. „Liverpool ist wieder ein europäisches Schwergewicht“, findet das „Liverpool Echo“.

Das, so ließ Klopp erkennen, ist ganz nach seinem Geschmack. „Wir haben den LFC zurückgeführt auf die Landkarte des internationalen Fußballs, dort gehört dieser Klub hin. Das macht mich richtig stolz und glücklich“, sagte er. Und Klopp verfügt in seinem Kader über Individualisten, die auf höchstem Niveau ein Spiel entscheiden können – wie der blitzschnelle Sadio Mané (26., 84.) und der felsengleiche Virgil van Dijk (69.) mit ihren Treffern in München. Der FC Bayern hat solche Könner derzeit nicht.

Für Klopp geht es nun darum, dieses exquisite Potenzial so auszuschöpfen, dass am Saisonende ein wenig „Silverware“ im reichen Trophäenschrank steht. Dass er einmal mehr und diesmal von der mit einem schicken Hut ausstaffierten Bayern-Legende Franz Beckenbauer als ein möglicher Münchner Coach für die Zukunft ins Spiel gebracht wurde, passte ins Bild des Abends. „Jürgen Klopp beim FC Bayern? Das wäre ein Höhepunkt“, erzählte der 73 Jahre alte Beckenbauer bei Sky.

Der Gelobte tat die kaiserliche Plauderei humorvoll ab. „Ich hoffe nicht, dass die Bayern in der nächsten Zeit eine Notwendigkeit haben. Ich habe auch keine“, sagte Klopp. „Aber wenn Franz Beckenbauer gut über mich spricht, dann freut das meine Mutter und mich.“ (sid/dpa)

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