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Rundum happy: Thomas Tuchel, Trainer des FC Chelsea. afp
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Rundum happy: Thomas Tuchel, Trainer des FC Chelsea. afp

Champions League

FC Chelsea: Bereit für die Salzstreuer

  • VonHendrik Buchheister
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Trainer Thomas Tuchel steht erneut im Champions-League-Finale, diesmal mit dem FC Chelsea.

Thomas Tuchel ist bekannt dafür, stets unter Strom zu stehen, nie zu entspannen, wenn er seinen Mannschaften bei der Arbeit zusieht. In der 85. Spielminute des Halbfinalrückspiels der Champions League des FC Chelsea gegen Real Madrid allerdings, da ließ auch der deutsche Trainer sich gehen. Er ballte die Fäuste und stieß einen langen Schrei in die Londoner Nacht aus. Mason Mount hatte gerade das 2:0 geschossen – endlich, nach unzähligen Chancen, die das Team ausgelassen hatte. Tuchel wusste: Das war die Entscheidung. Seine Mannschaft steht im Champions-League-Finale gegen Manchester City mit Pep Guardiola. Das Duell, das die beiden Taktik-Tüftler der Legende nach einst in einem Münchner Restaurant mit Salzstreuern austrugen, findet am 29. Mai in Istanbul auf größtmöglicher Bühne statt.

Als Tuchel nach dem Erfolg gegen die Madrilenen – es war beim 2:0 geblieben – vor die Mikrofone trat, war er sichtlich beeindruckt von seiner Mannschaft. Wow, sagte Tuchel: „Es war eine unglaubliche Teamleistung. Was für eine Energie, was für eine positive Einstellung, was für ein Arbeitsaufwand.“ Er kann neuerdings Historisches in seinem Lebenslauf vermerken: Als erster Trainer hat er zweimal nacheinander mit unterschiedlichen Vereinen das Champions-League-Finale erreicht. In der vergangenen Saison unterlag Tuchel mit Paris Saint-Germain dem FC Bayern 0:1. Diesen Makel will er im zweiten Anlauf korrigieren. „Wir fahren nach Istanbul, um zu gewinnen“, kündigte er an.

Gegner Manchester City mag als stärkste Mannschaft Europas gelten, doch Chelsea ist nicht weit dahinter, das war in den beiden Partien gegen das alternde Ensemble aus Madrid zu besichtigen. Tuchels Elf war jeweils besser, hätte schon das Hinspiel (1:1) gewinnen müssen und hatte im zweiten Treffen Chancen für mehrere Partien. „Wir hätten fünf Tore schießen können“, gestand Mason Mount. Dass das nicht gelang, lag auch an den beiden Deutschen Kai Havertz und Timo Werner, die ungewöhnlicherweise zusammen in der Startelf standen. Werner traf früh, war aber ins Abseits gelaufen, Havertz vergab in der zweiten Hälfte beste Gelegenheiten.

Doch es waren eben auch die beiden Bundesliga-Importe, die vor der Saison für zusammen mehr als 130 Millionen Euro nach Südwest-London gewechselt sind, die das Spiel in die richtige Richtung lenkten für Chelsea. Nach einer knappen halben Stunde setzte Havertz einen eleganten Lupfer an die Latte, den Abpraller köpfte Werner aus weniger als einem Meter zum 1:0 ins leere Tor. Es dürfte einer der einfachsten Treffer im Leben des Nationalstürmers gewesen sein, doch Tor ist Tor – gerade für Werner, der eine unglückliche erste Saison in England spielt und den Ruf des Chancentods erlangt hat. Auch im Hinspiel hatte er eine herausragende Gelegenheit ausgelassen.

„Sozusagen ein bisschen der Depp“ sei er da gewesen, rekapitulierte Werner nach vollbrachtem Finaleinzug bei „Sky“ und untertrieb damit dramatisch. Sogar die Frau seines Mitspielers Thiago Silva hatte sich bei Instagram über ihn lustig gemacht. Nach dem Rückspiel meldete sie sich wieder und war bekehrt: „Werner – sehr gut!“ Auch professionelle Kritiker deuteten den Auftritt des Angreifers als dessen persönliche Wende: „Er ist nicht eingeknickt, er hat sich nicht versteckt: Das war die Nacht, in der Chelseas Timo Werner erwachsen geworden ist“, schrieb der „Telegraph“.

Wichtigster Urheber des Erfolgs ist trotzdem ein anderer Deutscher, nämlich Trainer Tuchel, der erst seit Ende Januar im Amt ist. In Rekordzeit hat er der unter seinem Vorgänger Frank Lampard chaotisch auftretenden Mannschaft eine klare Struktur verpasst. Bei aller Wucht im Angriff – die Basis ist die Defensive. In 18 von Tuchels bisher 24 Pflichtspielen blieb Chelsea ohne Gegentor, unter anderem gegen so prominente Trainer wie Zinedine Zidane (Real Madrid), Diego Simeone (Atletico Madrid), Jürgen Klopp (Liverpool), Carlo Ancelotti (FC Everton), José Mourinho (Tottenham) und auch Guardiola.

Vor drei Wochen setzte sich der FC Chelsea im Halbfinale des FA-Cups 1:0 gegen Manchester City durch und zeigte damit, dass er keine Angst haben muss vor dem Gegner im Champions-League-Endspiel. An diesem Samstag begegnen sich die Teams in der Liga, Manchester City kann die Meisterschaft klar machen. Es wird das Vorspiel für ein Duell in Istanbul, bei dem ein noch größerer Preis vergeben wird – nämlich die Krone des europäischen Fußballs.

Führungstreffer im Anflug: Nationalspieler Timo Werner legt den Grundstein für Chelseas Erfolg gegen Real Madrid. afp

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