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FC Bayern München: Spuren eines Niedergangs

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Von: Jan Christian Müller

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Ziemlich miese Stimmung auf der Tribüne: Münchens Sportvorstand Hasan Salihamidzic (2.v.l.), Oliver Kahn (2.v.r.), CEO des FC Bayern München und Herbert Hainer (r.), Präsident des FC Bayern München.
Ziemlich miese Stimmung auf der Tribüne: Münchens Sportvorstand Hasan Salihamidzic (2.v.l.), Oliver Kahn (2.v.r.), CEO des FC Bayern München und Herbert Hainer (r.), Präsident des FC Bayern München. © dpa

Der FC Bayern München kassiert eine deftige 0:3-Klatsche in Manchester und steht vor dem Aus in der Champions League / Der Druck auf die Vorstände Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn ist nun ungleich größer als der auf Trainer Thomas Tuchel. Ein Kommentar.

Dass gerade fundamental etwas gehörig schiefläuft beim FC Bayern, hat Thomas Tuchel nach dem 0:3 bei Manchester City dokumentiert. Statt eines cholerischen Anfalls verabreichte der geschulte Tiefenpsychologe seinen gedemütigten Recken Süßholz: Er habe sich „schock-verliebt“ in seine Mannschaft. Weil die sich so dolle angestrengt hatte. Die Vernebelungsstrategie geriet allzu durchsichtig, als dass man ihr hätte Glauben schenken können.

Das Dumme ist nämlich - der Fußballlehrer in Tuchel weiß das natürlich: Selbst ein deutscher Meister, der sich alle erdenkliche Mühe gibt, ist gerade nicht annähernd gut genug für einen englischen Meister, der routiniert seine Arbeit verrichtet. Am Ende geriet das 0:3 - auch dank einiger lichter Momente von Torwart Yann Sommer - noch schmeichelhaft. Die Phase der Stabilität nach der Pause wurde im weiteren Fortlauf durch einen Systemabsturz abgelöst, den man beim FC Bayern in dieser Form nicht kennt. So aufgescheucht wie Hühner im Angesicht des kreisenden Habichts hat man Münchner Profifußballer selten zuvor mal angetroffen.

Man könnte jetzt argumentieren, daran trage zuvorderst Tuchels Vorgänger Julian Nagelsmann die Verantwortung. Fakt ist aber auch: Tuchel hat in einer Woche exakt so viele Niederlagen kassiert wie Nagelsmann binnen sechs Monaten. Die beiden Schlappen gegen Freiburg im DFB-Pokal und in Manchester in der Champions League zeigen: Operativ hat sich der teure Tuchel-Transfer nicht ausgezahlt. Strategisch kann er dennoch richtig sein.

Dafür wird aber Verstärkung im Sturm benötigt. Nagelsmann für den Abschied von Robert Lewandowski verantwortlich zu machen, ist unredlich. Der Pole wollte weg. Hasan Salihamidzic hat sich bemüht, Erling Haaland als Nachfolger zu bekommen, doch selbst ein Gehalt jenseits von 30 Millionen Euro pro Jahr (ergo: 83 000 Euro pro Tag!) reichte nicht, um Mitbewerber City auszustechen. Dafür kann der arme Brazzo nichts. Wahr ist aber auch, dass der Sportvorstand für die Verpflichtung von Sadio Mané reichlich übergebührlich bejubelt wurde (und sich nur allzu gerne dafür feiern ließ). Der 31-jährige Senegalese wirkt verdächtig wie ein Fußballspieler, dessen besten Jahre vorüber sind. Kein guter Einkauf zum Gegenwert von 32 Millionen Euro allein an Ablöse.

Da ansonsten nur der derzeit verletzte und bereits 34-jährige Eric Maxim Choupo-Moting sowie der halb so alte und noch unfertige Mathys Tel als Vollzeitstürmer im Kader stehen, herrscht Handlungsbedarf. Die Bayern sind dort international nicht erstklassig aufgestellt. Harry Kane von Tottenham Hotspur, Randal Kolo Muani von Eintracht Frankfurt oder Victor Osimhen vom SSC Neapel könnten Abhilfe verschaffen. Der Druck auf die Vorstände Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn ist ungleich größer als der auf Trainer Thomas Tuchel.

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