Trainierten einst den FC Bayern noch zusammen: Hansi Flick (l.) und Niko Kovac.
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Trainierten einst den FC Bayern noch zusammen: Hansi Flick (l.) und Niko Kovac.

FCB im Triple-Rausch

Hansi sei Dank: Bayerns Triple-Triumph offenbart das ganze Irren des Niko Kovac

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
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Der FC Bayern München besteigt mit dem zweiten Triple den Fußball-Olymp - vor allem dank Hansi Flick. Zwei Sätze von Niko Kovac wirken damit im Nachgang umso kurioser.

  • Der FC Bayern München besteigt nach dem zweiten Triple den Fußball-Olymp
  • Erfüller des Triple-Traums ist Trainer Hansi Flick
  • Er widerlegt damit zwei berühmte Sätze seines Vorgängers: Niko Kovac

Lissabon - Wer hat Angst vor dem FC Bayern? Hätte man diese Frage vor knapp neun Monaten in den Raum geworfen, hätte die Antwort wohl gelautet: niemand. Jetzt, im August 2020, verneigen sich selbst die Größten der Großen dieses Sports vor einem FC Bayern, der den Fußball-Olymp bestiegen hat. Champions-League-Triumph, der sechste an der Zahl, Triple, das zweite nach 2013. Schöpfer dieser neuen Macht ist Hansi Flick, selbst erst seit neun Monaten Chef-Trainer beim FCB.

So stand Flick nach dem 1:0-Sieg im Finale gegen Paris Saint-Germain auf dem Feld des Triumphs und ließ diese neun Monate in wenigen Sätzen Revue passieren: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Als wir im November angefangen haben, habe ich Schlagzeilen gelesen: Keine Angst mehr vor Bayern München.“ Flicks Pointe: „Die Entwicklung der Mannschaft war sensationell.“ Zur Erinnerung: In jenem November gab es beim deutschen Rekordmeister ein Beinahe-K.o. im DFB-Pokal gegen Zweitligist VfL Bochum und ein 1:5 gegen Eintracht Frankfurt.

Nicht die Spieler des FC Bayern können keine 200 km/h fahren, sondern Niko Kovac

Die Meinung von der sensationellen Entwicklung des FC Bayern seit jenem November hatte Flick an diesem Abend nicht exklusiv. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, Bundestrainer Joachim Löw, so ziemlich jeder Bayern-Spieler, sie alle lobten die Entwicklung. Und sie alle machten mehr oder minder Flick dafür verantwortlich. Damit offenbarten sie allerdings nicht nur die offensichtliche Transformation des FCB zurück zum Angstgegner, sondern zeigten indirekt auch auf, wie falsch Flicks Vorgänger lag: Niko Kovac.

Es war schließlich der frühere Coach von Eintracht Frankfurt, der noch im Oktober 2019 auf die Frage nach der Inspiration des Pressing-Fußballs von Jürgen Klopps FC Liverpool (und zu diesem Zeitpunkt aktuellen Titelträgers der Champions League) fast schon historisch antwortete: „Man muss auch die Spielertypen haben. Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen. Man muss das anpassen, was man hat. Und wir haben andere Spielertypen.“

Dass der FC Bayern zehn Monate nach Kovacs Aussage nun das Triple mit der gleichen Mannschaft geholt und dabei ein Pressing gespielt hat, wie es Klopp mit Liverpool nicht besser hätte spielen können, bedarf keines weiteren Satzes. Oder vielleicht doch: Offenbar waren es nicht die Spieler, die nicht 200 km/h fahren konnten. Es war Kovac.

Hat sein erstes Training in Monaco geleitet: Ex-Bayern-Coach Niko Kovac. Foto: Matthias Balk/dpa

Hansi Flick lässt den unter Kovac beim FC Bayern aussortierten Müller wiederauferstehen

Auch bei Thomas Müller wird Kovac sonntags, dem Abend des Königsklassen-Coups, genau hingehört haben. Sein Satz über Müller, dass „wenn Not am Mann sein sollte“, er „mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen“ würde, hatte im vergangenen Oktober ebenso für Verwunderung gesorgt wie die km/h-Aussage.

Von Kovac schon aussortiert, stieg Müller unter Flick wie Phönix aus der Asche empor und spielte die vermutlich beste Saison seiner Karriere - was angesichts all der Tore, Titel und Triumphe nicht so leicht ist. Kein Wunder also, dass sich vor allem Müller am Abend des Triple-Sieges besonders emotional zeigte. „Wir kamen gefühlt von ganz unten“, erklärte der Ur-Bayer und schob nach: „Bei mir war es vielleicht noch ein Stück extremer, die Ergebnisse waren im Herbst nicht so toll, auch ich war nicht zufrieden mit meiner Rolle.“ Und: „Ich war schon happy, dass ich zeigen konnte, dass ich nicht in den Altglascontainer gehöre, sondern noch etwas im Tank habe.“

Es brauchte an diesem Abend keinen Detektiv, um zu erahnen, wer Müller im Oktober in den Altglascontainer hatte verfrachten wollen. Dem Ex-Nationalspieler dürfte das mittlerweile egal sein. Die kruden Kovac-Aussagen aus jenem Herbst sind längst widerlegt. Die Furcht vor dem FC Bayern ist zurück. Oder wie es Müller ausdrückte: „Jetzt sind wir ganz oben.“ (Von Nico Scheck)

Unterdessen überschlägt sich die Presse nach dem Triple-Triumph der Bayern. Die internationalen Pressestimmen zum Champions-League-Sieg des FC Bayern.

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